Druckartikel: "Ich wollte schon immer Richter werden"

"Ich wollte schon immer Richter werden"


Autor: Jutta Behr-Groh

, Freitag, 24. Juni 2011

Der Bamberger Georg Kröppelt beendet seine Karriere bei der bayerischen Justiz in Kürze als Präsident des Landgerichts. Den Verwaltungsaufgaben gewann der 65-Jährige Jurist wider Erwarten viel Positives ab.
Ein Bild von  Reinhard Klesse, das den Ausblick von  seinem Büro  über den Kanal hinweg zur Erlöserkirche zeigt, erhielt Georg Kröppelt zum Abschied von der Belegschaft des Landgerichts. Foto:  Barbara  Herbst


Georg Kröppelt wollte schon als Jugendlicher "immer Richter werden". Warum ihn dieser Beruf so fasziniert hat, kann er auch als Beinahe-Pensionär nicht sagen. Familiär vorbelastet ist der Bamberger jedenfalls nicht, der Ende Juni als Landgerichtspräsident und nach 41 Jahren bei der bayerischen Justiz in den Ruhestand gehen wird. Er machte in einem FT-Gespräch aber deutlich, dass er die Berufswahl nie bereut hat. Dabei hat die Laufbahn ihn mit Dingen konfrontiert, die er eigentlich nie machen wollte, erzählt der 65-Jährige. So wollte er beispielsweise "nie Arzt werden, weil ich kein Blut sehen kann". Als Staatsanwalt jedoch blieb ihm der Anblick von oft schlimm zugerichteten Unfall- und Verbrechensopfern nicht erspart und musste er an vielen Sektionen teilnehmen. Zu den Bildern, die sich in sein Gedächtnis eingebrannt haben, gehört ein grauenvoller Unfall, bei dem vor vielen Jahren auf der Bundesstraße 505 fünf Menschen starben.

Vielseitige Aufgaben


"Ich wollte eigentlich auch nie in die Verwaltung", erinnert sich Georg Kröppelt. Im Lauf der Jahrzehnte wuchsen ihm aber immer mehr Aufgaben zu, die jenseits der Rechtssprechung lagen: als Gruppenleiter bei der Staatsanwaltschaft, als Haushalts- und Baureferent für den ganzen Oberlandesgerichtsbezirk, ab 1995 zunächst als Direktor des Amtsgerichts und seit 1. Mai 2003 als Präsident des Landgerichts. Erst habe er sich gewundert, dass man ihn für Verwaltungsaufgaben für geeignet hielt, sagt er rückblickend. Und räumt ein, dass er durchaus Gefallen daran gefunden hat. Der Grund: "Man konnte aktiv an der Gestaltung der Justiz mitwirken."

Zum Beispiel beim Umbau der alten AOK zum Amtsgerichts am Synagogenplatz und der Schaffung der Landesjustizkasse in der Heiliggrabstraße, die in Kürze ihr 20-jähriges Bestehen feiern wird. In Kröppelts Zeit als Haushalts- und Baureferent am OLG fielen auch die Anfänge zur Sanierung und Erweiterung des historischen Justizpalastes am Wilhelmsplatz. Er berichtet von einer Reihe von EDV-Pilotprojekten, die vor allem in seinen Jahren als Amtsgerichtsdirektor durchgeführt wurden. Unter allen Verwaltungsaufgaben ist ihm aber spürbar die Personalführung ans Herz gewachsen. Es sei eine große Verantwortung, Begabungen in den Menschen zu wecken, zu entdecken und zu fördern, sagt der scheidende Chef von 47 Richterinnen und Richtern, 262 Frauen und Männern im nichtrichterlichen Dienst sowie 94 Auszubildenden.

Mehr als die Hälfte der angehenden Rechtsreferendare, Rechtspfleger- und Justizsekretäranwärter im Landgerichtsbezirk Bamberg (einschließlich der Kreise Forchheim und Haßberge) sind Frauen; das entspricht laut Kröppelt einem bayernweiten Trend. Persönlich begrüße er es, dass die bayerische Justiz insgesamt weiblicher wird. Gegenwärtig bekleiden noch überwiegend Männer die Führungspositionen im Ressort von Staatsministerin Beate Merk.

Immer wieder klingt in Kröppelts Worten an, dass er in seiner Vaterstadt nicht nur die Justiz sondern auch die Caritas repräsentiert. Für ihn scheint beides zusammen zu gehören: "Die christliche Lehre enthält ja auch die Menschenrechte."

Gut möglich, dass der Wunsch, Richter zu werden, etwas mit seinen Erfahrungen in der katholischen Jugendarbeit zu tun hat, meint er. Es sei für ihn jedenfalls ein Glück gewesen, "dass damals Menschen zu mir gesagt haben, in Dir steckt mehr drin". Dafür sei er dankbar und er habe, als er selbst Personalentscheidungen treffen musste, versucht, sich daran zu orientieren.