Die Nacht zum 17. Juni 2016 ist manchem Hausbesitzer in schlechter Erinnerung geblieben. Damals hatte es so stark geregnet, dass etliche Gemeinden im Landkreis Bamberg in einen Ausnahmezustand versetzt wurden. Man erinnert sich unter anderem an die Bilder, die den Oberhaider Bürgermeister Carsten Joneitis mit Gummistiefeln im wadenhohen Wasser zeigen. Auch in Priegendorf, Dorgendorf sowie in Straßgiech standen Straßen teilweise über einen halben Meter unter Wasser, mehrere Häuser waren überflutet und mussten zum Teil evakuiert werden. Auch Schmerldorf war betroffen. Das Wasser flutete den schmalen Leithenbach, der sich durch den kleinen Ortsteil von Memmelsdorf schlängelt.


Monitoring läuft

Längst ist der Leithenbach wieder in sein eigentliches Flussbett zurückgekehrt. Doch die Wogen um den schmalen Bach schwappten in der vergangenen Gemeinderatsitzung in Memmelsdorf wieder über. Grund war ein Antrag der ABD-Fraktion zur Verbesserung der Hochwassersituation in Schmerldorf.

Bürgermeister Gerd Schneider (parteilos) zeigte nur wenig Verständnis für den Antrag, denn die Verwaltung habe sich bereits seit längerem der Hochwasserproblematik angenommen. Bereits Ende 2014 seien Planungsmittel im Haushalt eingestellt worden, bereits 2015 werde auch bautechnische Ursachenforschung betrieben. "Darüber ist die Fraktion schon informiert worden", betont Schneider. Dennoch wollte die ABD-Fraktion den Antrag, der aus dem Jahr 2014 stammt, behandelt wissen - was zu Unverständnis bei Schneider führte.

Die Verwaltung habe schließlich unter seiner Führung reagiert: Derzeit werde ein vollumfängliches Monitoring durchgeführt. "Wir fangen an", so Schneider. Lange sei das nicht der Fall gewesen: "Keiner hat da jemals was gemacht", echauffierte sich der Gemeindechef. Die Hochwasserproblematik bestehe ja nicht erst seit heute, sondern seit den 1980er-Jahren. Es sei wichtig, die Gesamtgemeinde im Blick zu haben. Das sei früher vernachlässigt worden.

Bauamtsleiter Stephan Walz ging in der Sitzung dem Antrag entsprechend auf die Problematik in Schmerldorf ein. Die S-Kurve im Ort, ein durch Bauwerke eingeengtes Bachbett, die Ableitung der Oberflächenwasser durch veraltete Kanalleitungen, intensiv genutzte landwirtschaftliche Flächen oberhalb von Schmerldorf und die Beteiligung mehrerer Baulastträger führten zu der schwierigen Situation. Klar sei: Auch die Anlieger müssten bei einer Lösung mit einbezogen werden. Die Gemeinde alleine sei nicht der Verursacher.


Hausbesitzer in der Pflicht?

Bürgermeister Schneider sieht zum Teil auch die Hausbesitzer in der Pflicht: Hochwasserschutz fange dort an, "dass ich nicht dort baue, wo hochwassertragende Flächen sind". Er sprach von einer komplexen Lösung in der Gesamtgemeinde. So sei Memmelsdorf selbst stark von Hochwasser betroffen. "Wir können diese Dinge nur gemeinsam lösen."

Andreas Spahn (ABD) warf ein, dass man in Schmerldorf durch eine Rückhaltung im Oberlauf schnell eine Entlastung erzielen könnte. "Dort gibt es Weiher." Schneider entgegnete, dass er persönlich Gespräche geführt habe, doch die Weiher stünden nicht zum Verkauf.

Stephan Starost (SPD) befand, dass eine Rückhaltung sinnvoll wäre, wenn diese möglich sei. Er sprach auch das Thema Sauberkeit an: Ihm sei aufgefallen, dass der Bach teilweise deutlich Dreck aufwies. "Wir sollten die Gelegenheit nutzen, dem Kreis aufzufordern, den Bach auszuputzen."

Darauf reagierte der Bürgermeister ungehalten, schließlich seien Bauhofmitarbeiter im Gemeinderat: "Ich würde mir wünschen, dass ich darauf hingewiesen werde!" Das kritisierte wiederum Heinz Büttel (VWG): "Was Sie sich von Ihren Bauhofmitarbeitern wünschen, müssen Sie Ihnen persönlich sagen, nicht hier öffentlich." Zur Sache meinte er, dass kein Hochwasser verhindert werden könne, aber: "Wir sollten die Dinge tun, die wir tun können." In kleinen Schritten. Der Bürgermeister gab ihm in allen Punkten recht.

Die Kremmeldorfer Ortssprecherin Gudrun Einwich sprach sich für einen weiteren Versuch aus, dass man vielleicht doch noch einen Weiher als Rückhaltebecken bekommen könne. Sie befand, dass man Hausbesitzern in Schmerldorf nicht mehr den Vorwurf machen könne, sie hätten zu nahe am Bach gebaut.

Der Gemeinderat beauftragte nach der teilweise hitzigen Debatte mit den im Investitionsprogramm der Gemeindewerke vorgesehenen Mitteln, die Planungen zum Hochwasserschutz im gesamten Gemeindegebiet voranzutreiben, sowie Verhandlungen mit Wasserwirtschaftsamt und Landkreis einzuleiten. Außerdem sollen Gespräche mit Grundstücksbesitzern geführt werden, um mögliche Rückhaltebecken errichten zu können.

Möglicherweise gibt es schon bald etwas Entlastung in Schmerldorf: Die Verwaltung informierte, dass mit der Erneuerung der Regenwasserkanäle im höher gelegenen Kremmeldorf in diesem Jahr auch ein Rückhaltebecken gebaut werde.