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Hirschaid: Mutter gibt nach schwerem Schicksalsschlag Versprechen ab


Autor: Nele Nitschky

Bamberg, Freitag, 31. Juli 2026

Ein furchtbares Ereignis in einer Silvesternacht hat Silke Zoikes Blick auf das Leben maßgeblich verändert. Heute bezeichnet sie die Arbeit in ihrer Freizeit als ihre "Berufung".
Silke Zoike engagiert sich ehrenamtlich beim Hospiz-Verein Bamberg. Heute bezeichnet sie das als ihre Berufung.


Seit zwei Jahren hilft Silke Zoike beim Hospiz-Verein Bamberg Menschen auf ihrem letzten Weg. Sie arbeitet ehrenamtlich unter anderem als Sterbebegleiterin. Das hätte sie sich vor ein paar Jahren nicht vorstellen können. Über ihren Beruf – Alltagsbegleiterin bei einem ambulanten Pflegedienst – habe sie bereits von der Hospizarbeit erfahren. Aber: "Ich habe mich das nicht getraut", berichtet sie gegenüber inFranken. Bis ein Ereignis ihr gesamtes Leben auf den Kopf stellt.

In der Silvesternacht von 2022 auf 2023 erleidet ihr Sohn einen schweren Unfall. Zu Fuß unterwegs, wird er von einem Auto überfahren. In der Notaufnahme schickt die sehr gläubige Mutter ein Stoßgebet gen Himmel. "Ich will Dir kein Ultimatum stellen", betet sie zu Gott, "aber wenn Lukas das überlebt, dann mache ich etwas Sinnvolles. Dann mache ich etwas Ehrenamtliches".

Trauriger erster Einsatz: "Erst gerufen, wenn Leben zu Ende geht"

Und der damals 19-Jährige überlebt. Monatelang habe sein Pflegebett "im Wohnzimmer gestanden", um den Beckenbruch zu heilen, auch das Wort "Querschnittslähmung" habe im Raum gestanden. Doch "einem Wunder" gleichend ist er heute "wieder 100-prozentig hergestellt". Ohne bleibende Schäden.

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Und Silke Zoike? Sie meldet sich ein Jahr später, 2024, für den Ausbildungskurs an der Hospiz-Akademie an. "Ich möchte den Menschen etwas geben, weil es uns so gut geht", sagt sie heute. Aber Silke Zoikes erster Einsatz verläuft anders, als sie sich die Arbeit vorgestellt hat. Sie wird ins Seniorenpflegeheim Tabea in Heiligenstadt gerufen. Zwei Stunden lang sitzt sie dort am Bett einer alten Frau. Spricht nicht, hält nur ihre Hand. Versucht, ihr Sicherheit zu geben. Die Frau wirkt unruhig. "Das war schon ein krasses Erlebnis", erzählt Zoike. Am nächsten Tag ist die Frau tot.

"Hätte ich mehr über sie gewusst, dann hätte ich sie besser begleiten können", sagt die 46-Jährige. Zum Beispiel mit Musik, einer Fußmassage oder ätherischen Ölen. Doch da die Frau ihr gegenüber nicht mehr in der Lage ist zu äußern, ob sie das überhaupt möchte, hält Zoike schließlich nur ihre Hand. Sie fragt sich: "Wieso werden wir vom Hospiz-Verein erst gerufen, wenn das Leben schon zu Ende geht?"

Heimbewohnerin: "Alles kann Pflege nicht leisten"

Heute ist das anders. Silke Zoike und einer ihrer Kollegen, der insgesamt 120 Ehrenamtlichen des Bamberger Hospiz-Vereins, kommen regelmäßig ins Seniorenheim Tabea. Zusätzlich zu ihren Jobs. Dort kümmern sie sich derzeit um zehn Bewohner. Und das am besten schon, bevor der Sterbeprozess eintritt. So können sie die Menschen besser kennenlernen und eine Bindung aufbauen.

Eine dieser Bewohnerinnen ist Rosa Marie Jescheniak. Die 86-Jährige lebt seit ein paar Monaten in der Pflegeeinrichtung, seitdem ihr Mann verstorben ist. "Ich bin zufrieden und dankbar und bin hier gut versorgt", erklärt sie gegenüber inFranken.de. Die Arbeit des Hospizdienstes findet sie "wichtig", denn: "Alles kann die Pflege nicht leisten".

Die ehemalige Krankenschwester kennt das aus erster Hand. Als Frau eines Pastors hat sie es früher als ihre Pflicht angesehen, Menschen in der Gemeinde in schwierigen Situationen wie Krankheiten, Krisen oder kurz vor dem Tod zu unterstützen. An eine konkrete Situation erinnert sie sich besonders gut: "Da war eine Frau, die sagte: 'Ich kann nicht mehr. Ich werfe mein Leben weg.' Da habe ich zuerst gedacht, ich kann das nicht." Schließlich schafft Jescheniak es doch, der Frau zu helfen.

So hat die Hospizarbeit Zoikes Blick aufs Leben verändert

Herausfordernde Situationen und bewegende Schicksale, die man mit nach Hause nimmt, kennt auch Silke Zoike. Davon müsse man sich ein Stück weit abgrenzen können, sagt sie. "Ich brauche dann ein Ritual zum Abschalten. Oder ich lege es in eine Schublade und hole es dann beim nächsten Mal wieder raus."

Trotzdem liebt die 46-Jährige den Job. Er sei ihre Berufung, sagt sie. Was ihr besonders Spaß macht? "Den Leuten Zeit zu schenken, ihnen eine Freude zu machen und ihnen mit meinen Besuchsdiensten einfach ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern." Dafür brauche es vor allem eines: "Empathie", sagt Silke Zoike ohne zu zögern.

Durch die Arbeit habe sich mit der Zeit auch ihr Blick auf das Leben verändert. "Ich rege mich nicht mehr über so viele Dinge auf, die ich nicht ändern kann." Diese Gelassenheit lasse sie mittlerweile "bewusster leben".

Heim-Seelsorger: "Es geht nicht ums Sterben, es geht ums Leben"

Bei der Hospizarbeit stehe außerdem nicht unbedingt das Sterben im Vordergrund. "Der Hauptgedanke bei der palliativen Versorgung ist, dass es eben nicht ums Sterben geht, sondern ums Leben", äußert Dirk Zimmer, Pastor und Seelsorger im Pflegeheim Tabea. "Es geht darum, dass man, bevor man gestorben ist, nicht schon wie ein Gestorbener behandelt wird. Sondern dass man dem als Lebenden begegnet." Dafür besuchen Ehrenamtliche wie Silke Zoike die Menschen in den Pflegeheimen oder ambulant Zuhause.

Das entlaste auch Angehörige, beschreibt diese. Allerdings stellt sie klar: "Wir machen nichts Pflegerisches. Wir kommen zum Unterstützen, weil fürs Zuhören manchmal die Zeit fehlt."

Für einen Teil seiner Angebote ist der Hospiz-Verein auf Spenden angewiesen, da nicht alle Kosten refinanziert werden. Für Betroffene allerdings, sagt Koordinator Stephan Lamprecht, ist die Hilfe "kostenfrei. Es kostet eigentlich nur einen Anruf."