Wer sie kennt und genau hinschaut, wird Sabine Weigand im Film "Die Seelen im Feuer" entdecken. Die Autorin des gleichnamigen Romans hatte die Produzenten bei einem Besuch der Dreharbeiten in Bamberg darum gebeten, "wie Alfred Hitchcock" kurz durchs Bild huschen zu dürfen. Der Schwabacherin wurde ihr Wunsch erfüllt: Eine kleine Statisten-Rolle, dezent im Hintergrund. "Erkennen werden mich nur meine Freunde."

Auf die Suche begeben können sich Weigands Freunde am kommenden Montag. Das ZDF zeigt "Die Seelen im Feuer" um 20.15 Uhr, einen Tag zuvor wird der Film im Rahmen der Bamberger Kurzfilmtage präsentiert (siehe Infokasten). Weigand wird am Sonntag selbst vor Ort sein. Sie freut sich schon. "Ich bin gespannt, wie die Öffentlichkeit reagiert." Sie ist optimistisch. "Den Machern ist ein historisch seriöser Film gelungen."
In die "Seelen im Feuer", der im Herbst 2013 unter anderem in Bamberg und Seßlach gedreht wurde, geht es um die Bamberger Hexenverfolgungen im 17. Jahrhundert. Die größtenteils stark gläubige Bevölkerung sucht die Erklärung für das Leid des Lebens damals bei Gott und dem Teufel. Der Teufel, so die Vorstellung, fährt in die Hexen - und diese produzieren dann Kriege, Hunger und Seuchen.

Die Folter galt zu jener Zeit als probates Mittel, Hexen zu identifizieren. Furchtbare Taten waren die Folge: Alleine in Bamberg und Umgebung sterben zwischen 1626 und 1631 rund 1000 Frauen, Männer und Kinder in den Flammen.


Briefe an die Hinterbliebenen
Dieses düstere Kapitel Bamberger Geschichte ist im Staatsarchiv detailliert dokumentiert. Knapp 900 Fälle sind hier aktenkundig: Verhör- und Folterprotokolle, Geständnisse, Briefe an die Hinterbliebenen. Sabine Weigand hat einen Teil dieser Dokumente studiert, sie dienten als Romanvorlage. "Bei der Lektüre lief es mir eiskalt den Rücken herunter. Diese typisch deutsche Perfektion der Dokumentation und diese Kälte hat mich wirklich getroffen."

Umso mehr freut es die Historikerin, dass das Thema Hexenverfolgung durch den Film stärker in die Öffentlichkeit rücken wird. Denn aus Sicht der Autorin ist die politische Dimension jener fürchterlichen Verfolgung durchaus auf die heutige Zeit zu übertragen. "Man sieht, was passiert, wenn Angst eine Gesellschaft steuert und Minderheiten verfolgt werden." Kürzlich habe sie deshalb in einem Interview angeregt, dass die Pegida-Anhänger doch mal ihren historischen Roman lesen sollten. Die Adressaten waren weniger begeistert. "Ich habe bitterböse Reaktionen erhalten", berichtet Weigand.

Feueralarm in Schule
Für die Filmcrew von "Die Seelen im Feuer" hat sich die Arbeit in Franken gelohnt - und das nicht nur aufgrund der eindrucksvollen Kulissen. Auch die Franken haben es den Schauspielern und dem Produktionsteam angetan. "Besonders beeindruckt haben uns die Bewohner in Bamberg und Seßlach, die uns freundlich aufgenommen, sich mit großem Engagement als Komparsen an den Dreharbeiten beteiligt haben und uns sogar vor ihren Häusern oder in ihrem Garten haben drehen lassen", erinnert sich Produzentin Monika Raebel gerne.
Dabei wurde der Crew auch der eine oder andere kleinere Fauxpas verziehen: Als in einem Gebäude künstlicher Nebel erzeugt wurde, löste das prompt einen Alarm aus. Sofort rückten die Feuerwehr-Kolonnen an. "Sie haben aber alle sehr freundlich reagiert", erzählt Raebel mit einem Lächeln.


Film, Dokumentation, Online-Angebot

Der Film "Die Seelen im Feuer" wird am kommenden Montag, 2. März, um 20.15 Uhr im ZDF ausgestrahlt. Darin spielen Mark Waschke und Silke Bodenbender einen fortschrittlich gesinnten Arzt und eine Apothekertochter, die sich in Bamberg um das Jahr 1630 in einem Strudel von Denunziation, Verhaftung und Hinrichtung wiederfinden. Im Anschluss zeigt das ZDF ab 22.05 Uhr die 30-minütige Dokumentation "Hexenwahn - Die Dokumentation".

Im Rahmen der 25. Bamberger Kurzfilmtage wird "Die Seelen im Feuer" als Preview gezeigt. Termin: Am Sonntag, 1. März, um 20 Uhr im Bamberger Lichtspielkino.

Begleitend zum Film gibt es ein Online-Angebot mit Hintergrundinfos, Bildergalerien, Interviews und einem interaktiven Modul. Unter www.seelenimfeuer.zdf.de kann der User auf einer Karte des alten Bamberg und seiner Umgebung verschiedene Orte anklicken.