Die Baywa will ihren Standort umstrukturieren, hat laut Stadt mehrfach Abrisswünsche für das 1912 errichtete Lager-Gebäude geäußert - das Wahrzeichen des Hafens. Für die Schutzgemeinschaft Alt-Bamberg undenkbar: "Wäre der Hafen der Dom, wäre es so, als würde man ihm die vier Türme abreißen wollen!" Ein Antrag existiert nicht. "Der Bestand steht aus Sicht der städtischen Denkmalpflege nicht zur Disposition", sagt die Stadt. Die Baywa erklärt, man wolle am Standort "weiter investieren", doch für den ehemaligen Getreidespeicher gebe es "keine alternativen Nutzungsmöglichkeiten". Bisher gebe es nur "informelle Gespräche", ein Ortstermin sei vereinbart.

Das Statement der Baywa-Sprecherin Antje Krieger: "Es ist richtig, dass die BayWa am Standort Bamberg gern weiter investieren möchte und diesbezüglich mit der Wirtschaftsförderung im Gespräch ist. Leider könnte der ehemalige Getreidespeicher nicht in den Investitionsplänen berücksichtigt werden: Als klassisches Lagerhaus auf dem BayWa Areal gebaut, gibt es keine alternativen Nutzungsmöglichkeiten. Zudem ist das Gebäude baufällig. Auf unseren Wunsch hin hat die Wirtschaftsförderung daher den Kontakt zwischen dem Denkmalschutzamt und uns hergestellt. Im ersten Schritt wollte sich das Amt gemeinsam mit uns ein Bild vor Ort vom baulichen Zustand des ehemaligen Getreidespeichers machen, vor allem von innen. Dieser Termin ist bisher noch nicht erfolgt. Insofern bin ich doch etwas verwundert, dass jetzt schon öffentlich diskutiert wird, was gegenwärtig auf informellen Gesprächen beruht, ohne belastbares Ergebnis für alle Seiten."

Weitere Denkmäler Bambergs sind in Gefahr.

Roter Ochse:

Bauschäden, Eigentümerwechsel, Spekulantentreiben: Dem ehemaligen Gasthof Roter Ochse sieht man seine Leidensgeschichte an. Die Eigentümerin German Property Group - berühmt-berüchtigt aus der Sandstraße - ist pleite. Nun könnte auch hier die Stadt Bamberg einspringen, sie steht in Kontakt mit dem Insolvenzverwalter. Zuvor hatte sich erst in den vergangenen Monaten ein Kaufinteressent gemeldet, "der jedoch im Juni sein Interesse zurückgezogen hat", wie die Stadt berichtet. Das Anwesen nebenan, Untere Königstraße 17, bereitet auch Sorgen. Hier jedoch gibt es Pläne und bereits umgesetzte Sanierungen.

Mittelstraße 72:

Nicht gerade ein Eyecatcher, aber urtypisch für Bamberg ist das Fachwerkgebäude in der Mittelstraße 72. "Es handelt sich möglicherweise um das älteste Gärtnerhaus der Stadt aus dem 15. Jahrhundert. Hier würden wir uns dringend wünschen, dass endlich eine angemessen behutsame, denkmalgerechte Sanierung erfolgt!", erklärt die Schutzgemeinschaft Alt-Bamberg. Laut Stadt gibt es zwar Planungen für eine Sanierung, doch sie liegen auf Eis: "Eine Weiterverfolgung des Vorhabens war dem Eigentümer aufgrund anderweitiger Verpflichtungen bislang nicht möglich. Der Bauherr wägt neue Optionen im Umgang mit dem Gebäude ab."

Hainstraße 11:

Das Häuschen für den Kutscher wurde seit jeher schon von Standes wegen überstrahlt von der Pracht der dazugehörigen Villa. In der Hainstraße 11 ist dieses Ungleichgewicht über die Jahrzehnte noch gewachsen. Das Kutscherhäuschen ist heruntergekommen, wird nur von einem Notdach geschützt. Ein Sanierungswille ist laut Stadt nicht erkennbar, einem Besichtigungstermin sei die Besitzerin nicht nachgekommen. Die Schutzgemeinschaft Alt-Bamberg kritisiert: "Wer ein Denkmal in einer Welterbestadt wie Bamberg besitzt, trägt dafür Verantwortung. Fördern und fordern gilt auch im Denkmalrecht."

Altes Hallenbad

Der Start des Bambados 2011 war das Ende des Hallenbades am Margaretendamm. Hier schwimmt niemand mehr, nun wurde es von der Stadt in die "Liste sanierungsbedürftiger Einzeldenkmäler" aufgenommen. Die Leere "begünstigt leider Vandalismus", stellen die Beamten nüchtern fest. Doch es gibt bereits konkrete Pläne und einen durchaus vertrauensvollen Investor: den Freistaat. Dieser plant hier ein neues Universitätssportzentrum. "Laut offiziellen Angaben soll das Projekt im Frühjahr 2021 dem Landtag vorgelegt werden. Bei positivem Beschluss ist ein Baubeginn für das Frühjahr 2022 vorgesehen", berichtet die Stadt.

Wachsbleiche

Reste eines barocken Industriedenkmals liegen versteckt im Grün hinter der Brauerei Fässla: Letzengasse 3, Mang'sche Wachsbleiche. "Konkrete Nutzungs- oder Sanierungsabsichten bestehen seitens der Eigentümer nach wie vor nicht", erklärt dazu das Bauamt der Stadt. Zusicherungen, sich um die Immobilie zu kümmern, sind das einzige, was hier in den vergangenen Jahren passiert ist. Eine uneinige Erbengemeinschaft scheint bisher alle Sanierungsideen zu blockieren. Für die Schutzgemeinschaft Alt-Bamberg stellt sich die Frage, ob irgendwann einmal ein Bußgeld fällig wäre, "wenn Hilfs- und Förderangebote nichts helfen."

Lokschuppen

Der Zug ist abgefahren für die beiden Lokschuppen an der Coburger Straße. Seit Jahrzehnten schon. Die zwischen 1901 und 1904 errichteten Rundbauten - einst zum Rangieren der Waggons gebaut - verfallen. Der näher an den Schienen liegende Part soll abgebrochen werden. Den unteren will Investor Josef Badum revitalisieren. Das genehmigte Konzept sieht laut Stadt Lager und Unterstellflächen für Wohnmobile mit Hausmeister- und Betreiberwohnung vor. Später will Badum Gewerbe ansiedeln. Corona hat laut Stadt den Zeitplan ausgebremst. "Ein Baubeginn ist für das Frühjahr 2021 geplant", erklärt dazu das Bauamt.

Sandstraße 20

Die German Property Group hat das Gebäude Obere Sandstraße 20 so lange verfallen lassen, bis Holzstützen zur Sicherung angebracht werden mussten. Die Statik der Unternehmensfinanzen war mutmaßlich ebenso wackelig: Die German Property Group ist insolvent, massive Betrugsvorwürfe stehen im Raum. Es geht um geschätzt eine Milliarde Euro verbranntes Kapital! Die Stadt Bamberg hat 550 000 Euro bezahlt, um das Haus von der Investorin loszueisen, will sanieren: "Die Notsicherungsmaßnahmen werden derzeit ausgeführt, sie stellen die Grundvoraussetzung dar für alle weiteren sich daran anschließenden Maßnahmen."