Viele Eigenschaften wurden ihm nachgesagt, unzählige Lobesworte über ihn gesprochen. Er sei eine Institution im Landkreis, ja in ganz Oberfranken. Ein Teamplayer, einer, für den sein Beruf Berufung war, dem er mit viel Herzblut und Begeisterung nachgegangen sei. Aber auch einer, der entschlossen und couragiert Gas gibt, der Stillstand nicht akzeptiert, der in der Verfolgung seiner Ideen sehr hartnäckig sein konnte. Für Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke war Günther Denzler "ein politischer Lebensabschnittsgefährte". Mit ihm gehe eine Ära zu Ende, fand Staatsministerin Melanie Huml.

Die offizielle Verabschiedung von Landrat Günther Denzler in der großen Halle des ADAC in Schlüsselfeld war ein Festakt, der seinesgleichen suchen dürfte.
Alles was Rang und Namen hatte, war gekommen, um dem beliebten Landkreismanager zu danken und ihm die besten Wünsche für sein künftiges Leben mit auf den Weg zu geben. Etwa 200 Namen wies die Gästeliste aus, es dürften jedoch wesentlich mehr gewesen sein.

Der Festakt wurde mit einer majestätischen "Fanfare", gespielt von der Kreismusikschule, eröffnet. Stellvertretender Landrat Johann Pfister hieß die honorigen Gäste willkommen. Unter ihnen Erzbischof Ludwig Schick, Alterzbischof Karl Braun, Äbtissin Mechthild Thürmer, Innenminister Joachim Herrmann, die Bundes- und Landtagsabgeordneten, ziemlich alle Bürgermeister und Kreisräte, hochrangige Vertreter aus Verwaltung, Justiz, Schulen, Universität, Wirtschaft, Polizei und Feuerwehr.

"Günther Denzler gibt Gas!" So hat Innenminister Herrmann den Landrat in seiner 18-jährigen Amtsführung erlebt. Stillstand habe er nicht akzeptiert. Nun wird Denzler zwar ein wenig die Bremse anziehen, sich aber nicht ganz aus der Politik verabschieden. Auch weiterhin wird er das Amt des oberfränkischen Bezirkstagspräsidenten ausüben.

Entscheidend in der Demokratie sei, was die Bürgerinnen und Bürger sagen und empfinden, so Herrmann. Sie hätten Vertrauen in Denzler gesetzt. Die Region habe eine phänomenale Entwicklung durchlebt. "Der Landkreis steht heute einfach super da", lobte Herrmann. Das komme nicht von selbst. Den Ausschlag gäben die wirtschaftliche Lage, die Arbeitsplätze, die Perspektiven für die Landkreisbürger. Besonders ging der Innenminister auf Denzlers Engagement in der Metropolregion ein. Er habe von Anfang an die Chance gesehen und sich für die Idee begeistert. Als weitere Verdienste des Landrats nannte er den Ausbau der Schulstruktur, eine bürgernahe Verwaltung und ein familienfreundliches Landratsamt, die Kulturarbeit und die Weitergabe der Tradition, die durch Denzler neue Impulse erhalten habe.

Ohne seine Ermutigung hätte sie wohl nie den Schritt in die Politik gewagt, erinnerte sich Ministerin Melanie Huml. Wenn Denzler von einer Idee entflammt sei, lasse sie ihn nicht mehr los. Die hervorragende Situation auf dem regionalen Arbeitsmarkt, eine service-orientierte Landkreisverwaltung, in der auch Frauen nach vorne kommen, die Gesundheitsregion Bamberg, eine leistungsfähige Krankenhausversorgung, die Klimaallianz und nicht zuletzt die Stiftung "Helfen tut gut" seien vor allem sein Verdienst.

"Ohne deine Initiativen hätte sich unsere Region nicht so positiv entwickelt", sagte OB Andreas Starke. Das konstruktive und vertrauensvolle Verhältnis zwischen Stadt und Landkreis Bamberg habe viel in Bewegung gesetzt. Den "Ehevertrag" habe Denzler bereits mit OB Lauer unterzeichnet: Er sei heute ein Segen für den Wirtschaftsstandort. Die ganze Region ziehe jetzt an einem Strang. So auch bei den Gymnasien, wo es zuvor viel Gerangel über Kosten und Baulasten gab. Das Innovations- und Gründerzentrum werde je zur Hälfte von der Stadt und dem Kreis geschultert. Gemeinsame Lösungen habe es auch beim Tourismus und dem öffentlichen Nahverkehr gegeben.

"Es ist eine echte Win-Win-Situation", betonte Starke. Dabei hätten die unterschiedlichen politischen Farben nie gestört. Die Region habe sich durch die hervorragende Zusammenarbeit zu einer der liebenswürdigsten in ganz Deutschland entwickelt. Und weil Denzlers Leidenschaft das Motorradfahren ist, schenkte ihm Starke zum Abschied einen Original-BMW-Motorradanzug.

Dass Denzler über die Grenzen des Landkreises hinaus blickt, wurde deutlich als Jacek Wlodyga, Landrat des polnischen Partnerlandkreises Jelenia Gora samt Dolmetscher die Bühne betrat. Der Gast aus Polen bedankte sich für die Unterstützung in vielen Bereichen, ganz besonders auf dem Krankenhaussektor. Sein Krankenhaus gehöre jetzt zu den wenigen Häusern in Polen, die heute schuldenfrei sind. Dank sagte der polnische Landrat auch für die gute Zusammenarbeit am Mehrländer-Projekt.

Dann trat - wohl selbst für Denzler überraschend - seine Tochter Stephanie ans Mikrophon. Sie sprach "über den Vater hinter dem Landrat". Die Familie habe oft auf ihn verzichten müssen, "aber wenn wir dich brauchten, warst du da". Stephanie empfand den Vater als konstruktiv-kritischen Wegbegleiter, der die Menschen fordert und fördert. "Papa war zu Hause für das Thema Referate zuständig." Er habe die Entwürfe auf Herz und Nieren geprüft, auseinander genommen und neu zusammen gefügt. Sie kenne ihren Vater als einen Menschen, der seine Überzeugungen und Prinzipien lebe. "Dabei hat dich immer ein starker innerer Kompass geleitet."

Liebevoll dankte sie dem Opa, der sich auch mal eine Woche frei nimmt, um sich um die Enkelkinder Anna und Alexander zu kümmern. Dass Denzlers Hund "Harley" nach strengen Kritierien ausgesucht wurde, brachte die Zuhörer zum Schmunzeln. Er musste fusselfrei, gesundheitsförderlich und wirtschafts-tauglich sein, alles Eigenschaften, die das Tier offensichtlich auch mitbringt.

"Es hat Spaß gemacht", sagte am Ende Landrat Denzler über seine 18-jährige Amtszeit. Auch wenn viele das nicht glauben könnten - er freue sich wirklich auf die bevorstehende ruhigere Zeit. Er hätte auch nicht mehr kandidiert, wenn die Altersgrenze auf 67 gesetzt worden wäre. Denzler erzählte von seinen Enkeln, "mit denen man seine Region völlig neu kennen lernt". Er freue sich, Hans Kalb ein wohlbestelltes Haus übergeben zu können. Man müsse gehen, wenn es noch Spaß macht. Wenn die Bürger sagen: Schade, dass er schon geht. Er wisse, dass er nicht pflegeleicht sei und vielleicht dem einen oder anderen auf die Füße getreten sei, wenn er das als richtig Erkannte auch gegen Widerstände durchgesetzt habe.