Die aktuelle Grippewelle hat es in sich: Sie trifft ausgerechnet Menschen mittlerer Altersgruppen häufiger und schwerer als in den Vorjahren. Ursache ist nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) die Dominanz des Virus A(H1N1)pdm09, auch als "Schweinegrippe" bekannt. In Deutschland gibt es (Stand: 11. Februar) 17 Grippetote, zwei davon in Bayern.


Februar und März Höhepunkt

Dass es zu diesem Zeitpunkt zu einer Grippewelle kommt, ist normal. Sie beginnt meist nach dem Jahreswechsel und erreicht zwischen Februar und März ihren Höhepunkt. "Der Verlauf der Influenzaerkrankungen ist bisher als jahreszeitentypisch zu betrachten", sagt Tanja Knieler, Sprecherin des bayerischen Gesundheitsministeriums. "Eine im Vergleich zu den Vorjahren ungewöhnliche Häufung ist derzeit nicht festzustellen."

Sehr wohl gehäuft ist das Auftreten von H1N1, wie Silke Buda, Influenzaexpertin des RKI, bestätigte. Es seien bisher mit 72 Prozent die am häufigsten nachgewiesenen Influenzaviren in der Saison 2015/16 gegenüber dem sonst dominierenden und weltweit verbreiteten Influenza-Virus Typ A (sechs Prozent) und Typ B (22 Prozent).
Das H1N1-Virus zirkuliert erst seit 2009 und verursachte in der damaligen Grippesaison geschätzte 18 700 Todesopfer. Während und nach der Pandemie wurde es umgangssprachlich Schweinegrippe genannt. Das hat jedoch nichts damit zu tun, dass es ein Virus ist, der auch bei Schweinen zirkuliert.


Vorsorge bei Älteren besser

Was das H1N1 so fies macht: "Es kann bei jüngeren Erwachsenen sowie Menschen ohne Vorerkrankungen vermutlich mehr schwere Krankheitsverläufe verursachen als der saisonale Influenza A-Subtyp H3N2", sagen Knieler und Buda. Ärzte müssten deshalb Patienten zwischen 15 und 59 Jahren verstärkt im Fokus haben. Jedoch kämen schwere Verläufe bei Jüngeren immer noch sehr selten vor. Seit der Pandemie 2009 enthielten die saisonalen Impfstoffe immer auch eine A(H1N1)pdm09-Komponente.

Eher ältere Menschen - und dies schwer - habe die Influenza im vergangenen Jahr getroffen, als der Subtyp A dominierte. Dass sie heuer nicht im selben Maße erkranken, führen die Experten auf die Vorsorge zurück. "Ältere Menschen werden und wurden häufiger geimpft. Durch die bessere Immunität gibt es weniger Fälle in dieser Personengruppe", sagt Knieler.


Für Impfung noch nicht zu spät

Apropos Impfung: "Dafür ist es jetzt noch nicht zu spät", sagt Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml. "Es dauert bis zu zwei Wochen, bis ein vollständiger Schutz aufgebaut ist." Der Impfstoff decke effektiv die aktuell vorherrschenden Influenza-Virus-Subtypen ab. Die Versorgung mit dem Impfstoff ist derzeit gesichert, heißt es aus dem Ministerium.


Oberfranken am stärksten betroffen

Seit Jahresbeginn sind die Grippezahlen in Bayern von Woche zu Woche gestiegen: Von - kumulativ - 76 auf 774 Fälle (Stand: 12. Februar). Am stärksten betroffen ist aktuell Oberfranken mit 71 Fällen, gefolgt von 61 in Nieder- und 57 in Oberbayern. In Mittelfranken wurden 38 Influenzakranke gemeldet, in Unterfranken drei.
Diese Statistik erstellt das Landesamt für Gesundheit (LGL) in Erlangen anhand der Daten, die es jeden Freitag von den Gesundheitsämtern weitergeleitet bekommt - Grippe ist eine meldepflichtige Krankheit. Die Behörden wiederum registrieren die Meldungen von einem Netzwerk aus niedergelassenen Allgemein-, Haus- und Kinderärzten, die gemeinsam im "Bayern Influenza Sentinel" die Grippeviren-Aktivität erfassen und überwachen.

Gleichwohl sind all diese Fälle, die im Labor gefunden wurden, laut LGL nur die Spitze des Eisbergs. Stichwort Dunkelziffer: Nicht jeder, der erkältet ist, geht zum Arzt. Und nicht jeder Arzt veranlasst eine Laboruntersuchung.


Sieben Tipps zum Schutz gegen Grippe


Manchmal sind Erkrankungen hausgemacht. Wer bestimmte Regeln beachtet, hat zumindest die Chance, eine Ansteckung zu vermeiden - nicht nur bei Grippe:

1. In der aktuellen Grippewelle gilt: Hände schütteln unterlassen, Abstand zu anderen halten und Menschenansammlungen meiden. Weil dies häufig nicht zu vermeiden ist, sollte man zumindest auf die Sauberkeit seiner Hände achten.

2. Viren werden oft über die Hände übertragen. Deshalb sollte man sie gerade jetzt noch häufiger und gründlich waschen (vor dem Zubereiten von Speisen, vor dem Essen, nach dem Toilettengang oder wenn man nach Hause kommt) und sich nicht damit ins Gesicht fassen.

3. Die Influenza-Schutzimpfung wird für Risikogruppen empfohlen: Menschen über 60 Jahren, Schwangere, chronisch Kranke und medizinisches Personal. Eine Entscheidungshilfe bieten die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission unter www.rki.de/stiko

4. In geschlossenen Räumen kann die Anzahl der Viren in der Luft stark ansteigen. Abhilfe schafft regelmäßiges Lüften, mindestens drei bis vier Mal am Tag für jeweils zehn Minuten. Es senkt das Ansteckungsrisiko und verbessert das Raumklima.

5. Gebrauchte Papiertaschentücher (wirklich!) nur einmal benutzen und sofort entsorgen, zum Beispiel in einer Plastiktüte am Bett. Wer solche "Rotzfahnen" herumliegen lässt, tut sich und anderen keinen Gefallen. Möglichst nach dem Schnäuzen die Hände waschen.

6. Wer ernsthaft krank ist, sollte zu Hause bleiben und sich auskurieren (Krankmeldung abgeben!). Andernfalls gefährdet man seine eigene Gesundheit und steckt andere an. Um zu Hause eine Ansteckung zu vermeiden, sollte man Abstand zu Familienmitgliedern halten.

7. Husten und niesen sollte man nicht in die Hand, sondern in die Armbeuge. Geht das Ganze mit einer Grippe einher (Krankheitsgefühl von jetzt auf gleich), sollte man den Arzt konsultieren. Eine Erkältung kann man mit Hausmitteln, Ruhe, Tee und Medikamenten kurieren.