Der Wirsberger Fernsehkoch Alexander Herrmann trägt sie, die Mitarbeiter der BMW-Welt in München werden damit ausgestattet, und auch Servicekräfte in den Bordrestaurants von Zügen der Deutschen Bahn laufen damit herum: Berufskleidung von der Firma Greiff in Bamberg.
"Der Markt ist kleiner und spezialisierter als bei Mode", sagt Jens Möller, einer der beiden Geschäftsführer des Textilunternehmens. "In der Art, wie wir es machen, macht es in Franken keiner."

Mehrere Exemplare gleicher Größe

Immer dann, wenn ein Betrieb Wert legt auf ein einheitliches Erscheinungsbild seiner Beschäftigten, kommen Anbieter wie Greiff ins Geschäft. Das können Bankmitarbeiter sein, aber auch Autoverkäufer oder Krankenschwestern. Die kommen dann aber nicht nach Bamberg, auch wenn Greiff einen Fabrikverkauf betreibt. "Wir verkaufen nur an Händler. Die haben die Kompetenz für Textilien", sagt Möller.

Im Gegensatz zum Anzug auf der Stange im Modegeschäft kann Greiff mehrere Exemplare in der gleichen Größe liefern - und das über einen längeren Zeitraum. Eine Grundvoraussetzung für einen Anbieter von Berufskleidung. Die Stadtwerke München etwa benötigen für ihre Bus- und Straßenbahnfahrer immer wieder neue Größen derselben Uniform.

Flucht endet in Bamberg

1802 wurde das Unternehmen im schlesischen Greiffenberg (heute Polen) gegründet - daher der heutige Name Greiff - und produzierte Leinen und Leinendrucke. Nach dem Ersten Weltkrieg änderte die Firma ihre Fertigung hin zu Berufsbekleidung. Damals entstand vor allem der klassische "Blaumann". Später kamen Sportsakkos sowie Anzüge für Herren und Knaben dazu. Die Jeans war zu diesem Zeitpunkt noch nicht modern.

Der Zweite Weltkrieg sorgte für einen Einschnitt in der Firmengeschichte. Bei Kriegsende mussten Mitarbeiter und die Unternehmerfamilie Winkler Richtung Westen fliehen. Geräte und Stoffe blieben fast alle zurück.
Die Flucht endete in Bamberg, einer Stadt, die dem Ehepaar Winkler von der Studienzeit her bekannt war.

Aus kleinen Anfängen heraus entstand bis 1949 im Osten von Bamberg ein Neubau, noch heute der Firmensitz. Von da an ging es steil bergauf. Die Zahl der Mitarbeiter stieg von anfangs 98 innerhalb von sechs Jahren auf 1500 an. 1957 waren es dann schon 2500. "In den 1970er Jahren waren wir der größte Exporteur für Herrenkonfektion in Europa", berichtet Geschäftsführer Hans-Peter Beck von einer Zeit, als er und Möller mit dem Unternehmen noch gar nichts zu tun hatten.

Produktion ab 1996 endgültig im Ausland

Beck und Möller sind erst seit gut zehn Jahren bei Greiff, seit 2005 bestimmen sie die Geschicke der Textilfirma. "2004 war der Betrieb in der Krise. Die Frage war: Insolvenz, Schließung oder Fortführung?", erzählt Möller.
Die beiden Diplomkaufmänner entschieden sich für Letzteres. Sie übernahmen das Unternehmen zu gleichen Teilen - arbeiteten fortan mit 65 Mitarbeitern. Zwischen den 1970er Jahren und der Übernahme liegt für Greiff eine Zeit des Niedergangs. Vor allem die 1980er Jahre waren in der Branche geprägt von Verlusten, Restrukturierung, Mitarbeiterabbau und Verkauf von Firmeneigentum.

1996 wurde die Produktion dann endgültig komplett ins Ausland verlagert. "Eine Fertigung in Deutschland ist einfach nicht mehr darstellbar", spricht Beck etwas aus, was für die gesamte Branche gilt. Eine Branche, in der immer noch viel mit den Händen gearbeitet wird. "Die Lohnminute spielt den entscheidenden Faktor", sagt Beck. Greiffs zehn Produktionsstätten liegen deshalb in Marokko, Rumänien, Bosnien, Mazedonien, Moldawien, Pakistan und Vietnam. "Wir waren auch mal in China. Doch das ist mengenmäßig für uns zu schwierig. Die wollen immer Riesenaufträge haben", berichtet der geschäftsführende Gesellschafter.

Heute mehr als 100 Mitarbeiter

Immerhin haben es die Bamberger im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen der Textilindustrie in Franken geschafft, als Firma fortzubestehen.
Heute arbeiten in Bamberg etwas über 100 Mitarbeiter, erzielten zuletzt einen Umsatz von rund 20 Millionen Euro. Sie kümmern sich um Produktentwicklung, Einkauf, Vertrieb und vor allem um die Logistik.

Es gibt noch Näherinnen

"Wir kontrollieren in Bamberg die Stoffbahnen, die von hier aus dann verteilt werden auf die Produktionsstandorte", erklärt Möller. Greiff verarbeite so eine Million Meter an Oberstoffen im Jahr. Gutes Aussehen ist im Beruf mehr gefragt als früher - nicht nur bei Fernsehgrößen wie Alexander Herrmann oder dessen Kochkollege Frank Buchholz. "Vor 20 Jahren gab es nur eine weiße Kochjacke. Die einzige Unterscheidung war die Zahl der Knöpfe. Das ist alles sehr modischer geworden", sagt Beck. Da im Service und Empfangsbereich in der Regel Frauen dominieren, verkauft Greiff mittlerweile mehr Damen- als Herrenbekleidung.
400 000 Teile hat die Firma in ihrem Bamberger Lager. 50 Prozent dieser Kleidungsstücke gehen dabei in den Export, vor allem in die Nachbarländer. Greiff arbeitet mit rund 1500 Vertriebspartnern zusammen.
Näherinnen gibt es in Bamberg immer noch drei Hände voll. Ihre Arbeit beschränkt sich aber auf Musteranfertigungen und Änderungswünsche.

Produktionskette nachvollziehbar

Erst vor kurzem ist Greiff dem Bündnis für nachhaltige Textilien beigetreten. "Wir arbeiten stets daran, dass wir die gesamte Produktionskette nachvollziehen können", sagt Beck. Das Wichtigste fasst er in einem Satz zusammen: "Wir wissen, wer unsere Lieferanten sind, und wir wissen, in welchen Firmen wir produzieren lassen."