Druckartikel: Für Radler bleibt's gefährlich

Für Radler bleibt's gefährlich


Autor: Adelheid Waschka

Reckendorf, Dienstag, 19. November 2019

Die Hoffnung auf eine Querungshilfe der B 279 am südlichen Ortseingang von Reckendorf erfüllt sich nicht.
Es fehlt an Metern und anderen Voraussetzungen: Am südlichen Ortseingang von Reckendorf haben Radfahrer das Nachsehen. Foto: Adelheid Waschka


Herbe Enttäuschung war in den Gesichtern der Reckendorfer Gemeinderäte zu lesen, als die Planung zur Querungshilfe der B 279 am südlichen Ortseingang in der jüngsten Sitzung erneut vorgestellt wurde. Ihre Hoffnung auf eine erhöhte verkehrssichere Übergangssituation für Radfahrer, welche aus Richtung Reckenneusig in den Ort einfahren, konnte nicht erfüllt werden.

Gemeinderat Bernhard Müller (SPD) stellte fest, dass ihn diese Lösung "nur 20-prozentig zufriedenstellt". Dritter Bürgermeister Hubert Rottmann (WBFW) erinnerte daran, dass die Gefahr nicht in der Querung des Bergwegs liege, sondern in der Art und Weise, wie man als Radfahrer anschließend über die Hauptstraße auf die rechte Fahrbahnseite komme.

Einige Meter fehlen

Es handle sich aber nicht nur um zwei fehlende Meter in der Trassenbreite, mit denen die Vorstellungen der Räte hätten verwirklicht werden können, beteuerten die Bauingenieure Horst Hofmann sowie Max Brust, auch Geschäftsführer der Bamberger Ingenieurgesellschaft mbH Weyrauther. Ihre bereits in der Juli-Sitzung vorgelegte Planung wurde bis ins Detail erläutert, um zu zeigen, dass es nach erneuter Rücksprache mit den Verantwortlichen des Staatlichen Straßenbauamtes keine Alternativen gebe. Bereits der neben der Einmündung "Bergweg" nötige Grunderwerb, um dort den Gehsteig von 1,5 auf 2,5 Meter zu verbreitern (Vorschrift für gemeinsamen Geh- und Radweg innerorts) und damit zusätzliche Aufstellflächen für Radfahrer zu schaffen, könne, so bestätigte Erster Bürgermeister Manfred Deinlein (SPD), nicht getätigt werden. Die staatliche Behörde stelle außerdem die Akzeptanz der Radfahrer für diese Lösung infrage, so Bauingenieur Brust.

Eine Verschwenkung der Bundesstraße B 279, um den nötigen Platz zu schaffen, sei von Seiten des Amtes nicht möglich, denn man sah in der Maßnahme nur eine Oberflächenerneuerung. Die Entwässerungsrinne solle somit unangetastet bleiben, falls keine offensichtlichen Ausbesserungen anstünden. Allerdings werden vom Straßenbauamt die Kosten für die Planung, die Verkehrsinsel und die Straßenverbreiterung nach Osten übernommen.

Als Ergebnis der Nachverhandlungen wurde eine Verlängerung der Querungshilfe auf insgesamt zwölf Meter vorgesehen. Der Gemeinde bietet sich damit die Gelegenheit, die beiden jeweils vier Meter langen Inselköpfe zu bepflanzen und den Ortseingang somit optisch aufzuwerten. Damit eröffnet sich die Möglichkeit, an dieser innerörtlichen Stelle sowohl die Geschwindigkeit des ein- als auch des ausfahrenden Verkehrs - "der gibt hier nämlich Gas", so Bürgermeister Deinlein - zu drosseln, was auf allgemeine Zustimmung und Beifall stieß. Einig war sich das Gemeindegremium, dass man seine Aufgabe nicht nur im Bau des neuen Gehwegs mit einer Länge von 75 Metern sah; sondern dass, so Ludwig Blum (CSU), auch der schon bestehende westliche Gehsteig "gemacht werden soll". Markus Sippel (WBFW) erinnerte daran, dort, wie schon einmal angeregt, die Verlegung von Glasfaser- und Stromkabel nicht aus den Augen zu verlieren, denn es seien in diesem Ortsbereich noch viele überirdische Stromleitungen zu sehen, und Gerhard Pförtsch (CSU) fügte an, auch die Versorgungsleitungen für Trink- und Abwasser seien auf den neuesten Stand zu bringen.

Leerrohre werden verlegt

Die Verlegung von Leerrohren, so schloss Bürgermeister Deinlein, sei in der Maßnahme vorgesehen. Eine diesbezügliche Zweckvereinbarung mit einem Ingenieurbüro wird aber erst erfolgen, wenn die Bohrkernauswertung vorliegt, wie es hieß.

Die Klärschlammausbringung sorgt für Diskussionen

Um eine Grundsatzentscheidung anzustoßen, brachte Gemeinderat Andreas Knab (parteilos) in der jüngsten Sitzung einen "Antrag auf Einstellung der umweltschädlichen Klärschlammausbringung auf landwirtschaftliche Flächen" vor, womit "die Suche nach alternativen Methoden wie Verpressen und Verbrennung und Rückgewinnung von Phosphor" verbunden sei. Für ihn gilt dies als ethische Gewissensfrage: "Nehme ich die umweltschädlichen Auswirken auf die landwirtschaftlichen Produkte und das Grundwasser in Kauf, um Kosten zu sparen?" Als Beleg für seine Argumentation zitierte Knab den Sachverhalt aus der Veröffentlichung des Umweltbundesamtes. Danach nannte er als Beispielgemeinden Theres und Hofheim, die eine Zentrallösung verfolgten, und bemerkte in diesem Zusammenhang, dass die Gemeinden in den Haßbergen immer einen Schritt voraus seien; vielleicht hätten sie noch Kapazitäten frei?

Auch eine Kostenfrage

In der nun folgenden leidenschaftliche Diskussion erwähnte Zweiter Bürgermeister Erwin Wahl (CSU), dass man sich schon vor einiger Zeit im Landratsamt getroffen und von der Errichtung dreier Verwertungsanlagen im Landkreis Bamberg gesprochen habe, um Kosten zu dezimieren: "Jedoch wurde dieser mögliche Weg bisher nicht weiterverfolgt."

Gemeinderat Falko Badura (SPD) bemängelte, dass die vorgelegte Kostenberechnung aus dem Jahr 2017 für weitere Überlegungen "zu alt" sei. Auch sollte man die Thematik innerhalb der Bevölkerung zur Diskussion stellen, "denn diese muss es ja schließlich zahlen".

Bürgermeister Manfred Deinlein (SPD) betonte, dass jedes Jahr neu entschieden werde, wie mit dem Klärschlamm umzugehen sei. Dieser sei Dünger für die Landwirte. Wenn er nicht mehr entstehe, würde Dünger-Phosphor künstlich hergestellt und auf die Felder ausgebracht. Reckendorf habe in der Vergangenheit viel investiert, um die Werte des organischen Klärschlamms zu verbessern. Dies sei für ihn die kostengünstigste Lösung.

Nicht mehr zeitgemäß?

Dem stellte Gemeinderat Gerhard Pförtsch gegenüber, dass er sich bei MdL Holger Dremel erkundigt habe, der wiederum geäußerte hätte, dass die Klärschlammausbringung nicht mehr zeitgemäß sei. Pförtsch dankte Knab für seine Ausführungen, der zuvor auch auf den aktuellen Koalitionsvertrag der Bundesregierung verwiesen hate. Gemeinderat Ludwig Blum (CSU) fasste zusammen: "Unser Klärschlamm hat gute Werte, aber er ist belastet, und daher ist es eine Gewissensfrage, wie es weitergeht. Warum sich nicht zusammensetzen und gemeinsam verpressen?"

Und so waren sich die einzelnen Fraktionen einig, dass Bürgermeister Manfred Deinlein mit Hilfe der VG Baunach oder der Baunach-Allianz aktuelle Kosten und Verwertungsarten im Landkreis und bei den benachbarten Gemeinden einholen und nach möglichen Kooperationen anfragen soll, um dann bald weitere Entscheidungen treffen zu können.