Frühlingsgefühle beim ÖPNV
Autor: Harald Rieger
Bamberg, Montag, 23. Mai 2016
Was kann man so alles in Stadtbussen erleben? Unser Mitarbeiter Harald Rieger hat seine Erlebnisse der letzten Monate aufgeschrieben.
Sind Sie auch leidenschaftlicher Benutzer unserer Bamberger Stadtbusflotte? Wenn nicht, dann entgehen Ihnen Geschichten, die sich kein Komiker und kein Satiriker in dieser Art ausdenken könnte.
Sicherlich: Manche Sachen, die für den Fahrgast nicht immer witzig sind, passieren auch in anderen Städten. So kommt es sicherlich anderorts ebenso vor, dass der Fahrdienstleiter den Fasching "verschläft" und er zum größten Umzug im Umland statt eines Gelenkbusses nur einen "Minibus" schickt und dieser schon ab dem Bahnhof keine Fahrgäste mehr aufnehmen kann. Zur Belohnung erhalten die eingepferchten Fahrgäste auf dem Nachhauseweg dann wahlweise einen langen Spaziergang oder eine Taxifahrt auf eigene Kosten.
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Denn nach dem Umzug kommt für lange Zeit überhaupt kein Bus mehr - obwohl er es hätte müssen.
Ein Geruchsproblem
Manche Story aber, die gibt es wohl nur in Bamberg. Zumindest habe ich noch in keiner anderen Stadt erlebt, dass der Fahrer an einer Haltestelle seinen Platz hinterm Lenkrad verlässt, missmutig durch den Bus zur letzten Sitzreihe stapft und dort einen älteren Mann anschreit, er solle sich vor der nächsten Fahrt mal gründlich waschen, denn er stinke vor bis zu seinem Fahrersitz.Da der Betroffene einen gültigen Fahrschein vorweisen kann, muss der Fahrer den zugegebenermaßen beißenden Geruch noch einige Haltestellen lang ertragen. Wobei er sich eigentlich gar nicht beschweren dürfte: Im Gegensatz zu den übrigen Fahrgästen hat er ein eigenes Fenster, das sich öffnen lässt....
Oder wo gibt es sonst so herrlich fränkische Unikate von Busfahrern wie in Bamberg? So wurde einst eine ältere Dame angepflaumt, weil sie ihre Monatskarte allzu energisch vorzeigte. "Jetzt reck mer die Kartn halt gleich nein Gsicht", motzte der Fahrzeugführer. Und schimpfte hinter der Dame her: "Denkt die, ich will die Kartn fressen?"
Herrliche Geschichten gibt es auch seit der Einführung der Regel, dass man nur hinten aussteigen und vorne beim Einsteigen seinen Fahrschein vorzeigen muss. Manch ein Busfahrer nimmt diese Regelung penibel genau. Da gehen die hinteren Türen pfeilschnell wieder zu, ohne Rücksicht auf die Oma, die noch aussteigen möchte - nur damit sich keiner von draußen ohne Kontrolle einschleichen kann. Und schafft es doch einer, durch die hinteren Türen hindurchzuhuschen, wird er ganz schnell vom Fahrer per Lautsprecheranlage zum Kartezeigen nach vorn zitiert.
Geradezu gnadenlos sind manche Busfahrer mit dem Vorne-Aussteigen. So schaffte ich es eines Tages gerade noch in einem total überfüllten Bus einen Stehplatz im vorderen Busbereich zu ergattern. Als ich an der Haltestelle bat, doch vorne aussteigen zu dürfen, blieb als Antwort die Tür verschlossen. Es dauerte gefühlte zehn Minuten, ehe ich mich durch den proppenvollen Bus zum hinteren Ausgang gequält hatte. Ich wollte fast schon den Boden küssen wie der Papst, als ich nach dem Bad in der Menschenmenge endlich wieder in Freiheit war. Und dabei wären es bei der vorderen Türe nur zwei klitzekleine Schritte gewesen. Alle diese Geschichten haben sich über einen längeren Zeitraum ereignet, entsprechen aber der Wahrheit.
Verliebt in der ersten Reihe
Nur die folgende passierte erst kürzlich und war der Anlass, das alles aufzuschreiben: Im Mittelpunkt des Geschehens stand ein Liebespärchen. Jetzt, wo die Tage länger werden und die Sonne öfter scheint, trifft man häufiger auf Verliebte - natürlich auch im Stadtbus. An so manches knutschende Liebespaar in der hintersten Sitzecke hat man sich ja gewöhnt; aber ein Busfahrer, der während der Fahrt (!) im halbvollen Bus Händchen mit seiner Liebsten hält, ist mir noch nie untergekommen.
Da wird wohl bald der Text auf dem Schild über dem Fahrersitz ergänzt werden müssen: "Während der Fahrt nicht mit dem Fahrer sprechen und ihn nicht unsittlich berühren!" Auf alle Fälle bin ich gespannt, ob und wie diese Liebes-Geschichte noch getoppt werden kann. Wir halten Sie, lieber Leser, auf alle Fälle auf den Laufenden.
Meine Empfehlung: Wenn einmal wieder nichts "Gescheites" im Fernsehen läuft, einfach in den nächsten Stadtbus einsteigen. Das ist garantiert spannender als die tausendste Wiederholung in der Flimmerkiste.