Nur die akribische Suche nach Spuren und die Auswertung vieler Hinweise bringen Ermittler auf die richtige Spur. Selbst mit der Verhaftung der mutmaßlichen Täter sind die Fälle keineswegs abgeschlossen, wie dieser Überblick über einige aufsehenerregende Gewalttaten Nordbayerns belegt.



Neue Hinweise nach TV-Fahndung

Rund 30 Hinweise - aber noch keine konkreten Anhaltspunkte: Nach Ausstrahlung des Kriminalmagazins "Aktenzeichen XY... ungelöst" am Mittwochabend sind zu einem mehr als 20 Jahre zurückliegenden Mordversuch in Nürnberg zwar einige Informationen bei der Polizei eingegangen. Eine heiße Spur habe sich daraus jedoch nicht ergeben, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag. Die Anrufer hätten sich fast alle auf das in der ZDF-Sendung gezeigte Phantombild bezogen. Dieses sei jedoch sehr alt und der Täter sehe heute vermutlich ganz anders aus.

Zu einem von ihm zurückgelassenen leeren Koffer mit mehreren auffälligen Aufklebern eines Schwimmclubs in Schweden konnte bislang niemand etwas sagen. Für Hinweise, die zur Ergreifung des Messerstechers führen, gibt es eine Belohnung in Höhe von 5000 Euro. Der Täter war am 7. Dezember 1995 in ein Nürnberger Elektrogeschäft gekommen und hatte angegeben, ein Weihnachtsgeschenk zu suchen. Kurz darauf stach er plötzlich mit einem Messer auf den damals 54 Jahre alten Ladenbesitzer ein. Dieser überlebte den Angriff nur knapp. Rund sechs Millionen Zuschauer verfolgten die Sendung am Mittwoch.


Todesschüsse vor dem Spielplatz

Wenige Tage vor Weihnachten stehen die Bewohner einer idyllischen Gegend im Bayreuther Stadtteil St. Johannis urplötzlich unter Schock: Am Abend des 20. Dezembers 2015 erschießt ein 41-Jähriger aus dem Landkreis Bayreuth vermutlich aus Eifersucht seine 33-jährige Ex-Partnerin und deren 65 Jahre alten Vater auf offener Straße direkt vor einem Spielplatz. Der 32-jährige Freund der Frau überlebt den Angriff schwer verletzt. Anschließend richtet der Täter die Waffe gegen sich selbst. Nach den gerichtsmedizinischen Untersuchungen steht fest: Die 33-Jährige und ihr Vater starben durch Projektile eines Kalibers 9 mm. Als Jäger besaß der Mann die Waffe der Marke Ceska legal.

Für die Staatsanwaltschaft Bayreuth sind die Ermittlungen nahezu abgeschlossen. Wie Leitender Oberstaatsanwalt Herbert Potzel mitteilt, warte man lediglich noch auf ein ballistisches Gutachten. Dann könne man eine abschließende Gesamtbeurteilung des Tatablaufs abgeben. "Das alles wird noch etwa einen Monat dauern." Weil der Täter bei dem Todesdrama selbst ums Leben kam, wird die Akte anschließend geschlossen.


Der Fall Anneli und die Spur nach Franken

Kaum ein Verbrechen hat die Öffentlichkeit 2015 derart in Atem gehalten wie der Entführungsfall der 17-jährigen Anneli. Im August entführen zwei Männer die Unternehmertochter auf auf einem Feldweg nahe ihres Elternhauses in Robschütz (Landkreis Meißen). Anschließend fordern sie vom Vater des Mädchens 1,2 Millionen Euro Lösegeld. Zu einer Geldübergabe kommt es nicht, die Gymnasiastin wird fünf Tage später tot hinter einer Scheune nahe eines Bauernhofs aufgefunden.

Ein 40-jähriger gelernter Koch, der zuletzt in Burgebrach (Landkreis Bamberg) lebt, gerät ins Visier der Ermittler. Er und ein 62-jähriger Komplize werden verhaftet und sitzen seither in Untersuchungshaft. Im Januar 2016 erhebt die Staatsanwaltschaft Dresden Anklage gegen die Beschuldigten. Der 40-Jährige muss sich wegen Mordes und erpresserischen Menschenraubs mit Todesfolge verantworten. Dem 62-Jährigen wird erpresserischer Menschenraub mit Todesfolge vorgeworfen. Nach den Ermittlungen habe der Tatverdacht wegen Mord auch gegen ihn nicht aufrechterhalten werden können, heißt es von Seiten der Staatsanwaltschaft Dresden. Der ältere Verdächtige hatte den Ermittlern den Hinweis gegeben und auch ein Teilgeständnis abgelegt. Das hat er mittlerweile aber widerrufen. Der 40-Jährige aus Burgebrach, der wegen anderer Delikte in einer DNA-Datenbank erfasst ist, hatte laut Staatsanwaltschaft bisher weder Angaben zu seiner Person noch zu dem Verbrechen gemacht.

Wann es zur Hauptverhandlung kommt, ist derzeit noch offen. Zuständig für den Fall ist das Landgericht Dresden. "Über die Zulassung der Anklage ist noch nicht entschieden. Es gibt zudem auch noch keinen konkreten Zeitrahmen für eine Hauptverhandlung", erklärt der Vorsitzende Richter Ralf Högner auf Anfrage.


Messerattacke auf junge Frau in Wiesentheid

Auch acht Wochen nach der Messerattacke im Schlosspark von Wiesentheid (Landkreis Kitzingen) konnte das 22-jährige Opfer immer noch nicht von der Polizei vernommen werden. Der Zustand der jungen Frau habe sich zwar gebessert, aber ihr sei ein Verhör aufgrund der psychischen Belastung nicht zuzumuten, teilen nun Ermittler mit.

Als sie am Morgen des 5. Januar im Schlosspark entdeckt wurde, hatte sie lebensbedrohliche Stichverletzungen - unter anderem am Hals. Inzwischen ist die Frau langsam auf dem Weg der Besserung. Die Suche nach dem Täter hatte kurz nach dem Gewaltverbrechen zu zwei 18 und 19 Jahre alten Verdächtigen geführt. Ein Sprecher der Würzburger Staatsanwaltschaft betont, dass die Ermittlungen weiter laufen. Die mutmaßlichen Täter sollen ein Mordkomplott gegen das spätere Opfer geschmiedet haben. Die Ermittler haben bislang aber nur öffentlich gemacht, dass sich der 19-Jährige und das Opfer kannten. Der jüngere Mann scheint ein Mittäter zu sein.

Allerdings herrscht selbst in Polizeikreisen Kopfschütteln darüber, dass zwei erst volljährig gewordene junge Männer ein so kaltblütiges Verbrechen geplant und durchgeführt haben sollen. Der 19-Jährige, der als Hauptverdächtiger gilt, galt zudem als äußerst unauffällig und war an seiner Schule als eher schüchterner Musterschüler bekannt. Beide Männer sitzen derzeit in U-Haft wegen des Verdachts des versuchten Mordes.


Silvester-Drama um Janina

Es war ein Fall, der sprachlos macht: Die elfjährige Janina wollte mit ihren Freunden in Unterschleichach (Landkreis Haßberge) Silvester feiern und brach auf der Straße zusammen. In einer Schweinfurter Klinik stellten die Mediziner fest, dass die Schülerin von einem Kleinkaliber-Geschoss getroffen worden war. Janina starb an den Folgen der Verletzung . Elf Tage lang ermittelten Kripo-Beamte in dem Ortsteil von Oberaurach nach dem Schützen. Schließlich verhafteten sie einen 53-Jährigen. Ihm wird Mord vorgeworfen. Er hatte bereits nach seiner Festnahme zugegeben, aus Ärger über die Silvesterböller und aus persönlichem Frust geschossen zu haben.

Doch mit der Verhaftung des Mannes sind die Arbeiten der Ermittler noch lange nicht abgeschlossen, wie der Bamberger Oberstaatsanwalt Christopher Rosenbusch erklärt: "Derzeit werden weiter Gutachten erstellt." Als äußerst aufwendig gestaltet sich vor allem der Versuch, ein 3-D-Modell des Tatorts aus der Luft per Laser-Scan von einem Hubschrauber aus zu erstellen. Nur so sei es möglich, den genauen Standort des Schützen zu rekonstruieren. "Leider war dies bisher nicht möglich, da die Spezialisten dazu absolut klares Wetter benötigen", so Rosenbusch. Daher rechnet der Oberstaatsanwalt damit, dass die Anklageschrift gegen den mutmaßlichen Todesschützen nicht vor Mai oder Juni vorliegen werde. Im Falle einer Verurteilung droht dem Schützen eine lebenslange Haftstrafe.