Franken hat die Hose(n) an
Autor: Günter Flegel
Buttenheim, Dienstag, 28. April 2020
Pure Not vertrieb Löb Strauss 1848 aus seiner Heimat Buttenheim. In San Francisco schuf er eine Weltmarke - das Kulturgut "Jeans"
Kann eine Hose Rockgeschichte schreiben? Ja, sie kann. Die Blue Jeans aus den Schneiderwerkstatt des Buttenheimer Emigranten Löb (Levi) Strauss ist ein Paradebeispiel dafür, dass simple praktische Dinge zu einem gigantischen Erfolg werden können, wenn man eben nicht nur das Ding verkauft.
Im Fall dieser besonderen Hose kauft man auch den amerikanischen Traum, den Glauben an die Freiheit und an unbegrenzte Möglichkeiten, es ist ein bisschen Wilder Westen und Flower Power, ein Traum, der nach Pferd riecht, nach Asphalt und Benzin, der wie ein Achtzylinder klingt und wie der Auspuff der Harley in der kalifornischen Sonne funkelt ...
Der Bub aus Buttenheim schaffte es mit dem Fetzen Stoff vom Tellerwäscher zum Millionär, ein Traum, den die allerallermeisten heute vergeblich träumen, die Strauss' Werk an den Nähmaschinen in Bangladesh weiterführen. Wie es wohl überhaupt mehr Millionäre gibt, die zu Tellerwäschern werden als umgekehrt ...
Eine Hose macht den Gedanken Beine: Die Jeans ist heute in vielerlei Hinsicht ein Kulturgut: Basisausstattung im Kleiderschrank längst nicht mehr nur der Jugend, teures Designerstück und Massenware auf dem Wühltisch, ins Gerede gekommen wegen der Arbeitsbedingungen in den Herstellerländern, wegen des Wasserverbrauchs und umweltschädlicher Farbstoffe und Bleichmittel ...
Die Flucht nach Amerika
Das alles war weit, weit weg, als das Schiff mit Familie Strauss aus Buttenheim 1848 in Rotterdam die Segel setzte - Kurs Westen, Ziel Amerika. Der Beginn dieses amerikanischen Traums war alles andere als sonnig, es ist eine der ungezählten tragischen Geschichten dieser Zeit: Löb Strauss, so sein ursprünglicher Name, wurde am 26. Februar 1829 als jüngster Sohn von Hirsch und Rebecca Strauss in Buttenheim geboren. Sein Vater betrieb wie viele fränkische Landjuden einen Hausierhandel mit Tuch und Kurzwaren, der für die neunköpfige Familie gerade das Nötigste abwarf.
1846 starb Hirsch Strauss an Tuberkulose. Sein Tod brachte die Familie in Not. Deshalb entschied sich die Mutter 1848 mit den drei jüngsten Kindern nach Amerika auszuwandern. Dort hatten sich bereits einige Jahre früher die beiden ältesten Söhne niedergelassen und einen Textilhandel gegründet. Die Familie fasste in New York Fuß (Quelle: Levi Strauss Museum).
Der entscheidende Wendepunkt im Leben vom Levi Strauss waren die Nachrichten von den Goldfunden in Kalifornien, die sich wie ein Lauffeuer im ganzen Land verbreiteten. Damals hatte der gar nicht mehr so Wilde Westen seinen Mythos zu einem guten Teil verloren. Siedler und Soldaten hatten die Indianer aus ihrem angestammten Land verdrängt, die Büffelherden waren verschwunden.