Der vergangene Hitze-Sommer hat laut Mitteilung der städtischen Pressestelle auch im Bamberger Grün seine Spuren hinterlassen. Der wochenlang ausbleibende Regen könnte nach Auffassung von Robert Neuberth, dem Leiter des Garten- und Friedhofsamtes, für eine höhere Ausfallquote im städtischen Baumbestand sorgen als in den vergangenen Jahren. Wie sehr die Bäume und Sträucher tatsächlich unter den Folgen des heißen Sommers gelitten haben, wird nach Aussage des Fachmannes in vollem Umfang erst beim frischen Austrieb richtig sichtbar. Beim Gartenamt wird diese witterungsbedingte Bilanz "sehr bedauert", so Neuberth.

Noch vor Beginn der Vegetationsperiode sollen nun im Zuge der jährlichen Routinearbeiten in den kommenden Wochen diejenigen Gehölze beschnitten werden, die bereits abgestorben, umsturzgefährdet oder von Krankheiten befallen sind. "Die Menge des Baumbeschnitts liegt wegen der Trockenheit des vergangenen Sommers voraussichtlich etwas über dem üblichen Durchschnitt", teilt dazu die Pressestelle mit. Die mit der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmten Arbeiten müssten bis Ende Februar abgeschlossen sein, weil dann die Vegetationszeit beginnt und ein Verbot solcher Maßnahmen greife.

"Sorgfältig und mit Bedacht"

Es geht dabei nicht nur um pflegerische Aspekte. Die Stadt Bamberg müsse aus Rechtsgründen ihrer Verkehrssicherungspflicht nachkommen, Bürger müssten sich sicher und gefahrlos auf öffentlichen Flächen bewegen können. Das gelte im Falle eines Weichholzwäldchens am Cherbonhof in Gaustadt in besonderem Maße, da ein Bolzplatz in unmittelbarer Nähe liege. Dort werden die Mitarbeiter des Gartenamtes mehrere abgestorbene bzw. umsturzgefährdete Bäume "auf Stock setzen", also kappen. Die alten Stämme könnten dann zügig neu austreiben. Dort stehe zum Beispiel eine Pappel kurz davor, am Stamm auseinanderzubrechen. "Der Beschnitt des Wäldchens am Cherbonhof und das Entfernen von Totholz dient der Regeneration", erläutert Gartenamtsleiter Robert Neuberth. "Wir gehen sorgfältig und mit Bedacht vor und pro Jahr pflanzen wir mehr Gehölze als wir fällen."

Für Martin Bücker, den Vorsitzenden der Bund Naturschutz (BN)-Kreisgruppe Bamberg ist "die Entnahme so vieler alter Bäume natürlich schmerzlich, doch auf Grund der Trockenheitsschäden im letzten Sommer wohl weitgehend unvermeidlich, wie das Gartenamt versichert". Er weist jedoch darauf hin, dass abgestorbene oder umsturzgefährdete Bäume nur gefällt werden sollen, wenn tatsächlich öffentliche Plätze, Wege oder Straßen im Fallbereich liegen, also die Verkehrssicherungspflicht greife. Ansonsten sollten sie laut Bücker als "stehendes Totholz" einer Vielzahl von Pilzen und Insekten möglichst lange als Nahrung und Lebensraum dienen. Das gelte insbesondere auch für das Naturwäldchen am Cherbonhof, das sich zu einem kleinen Vogelparadies entwickelt habe.

Gestresste Stadtbäume

Auch BN-Baumexperte Christopher Busch aus Buttenheim bedauert, dass so viele Bäume gefällt werden müssen. Er sieht darin eine Folge des Klimawandels. Die Begründungen für die angekündigten Maßnahmen erscheinen ihm plausibel, allerdings appelliert auch Busch an die Ausführenden, "sich nur auf die tatsächlichen Gefährdungen zu beschränken und einen allgemeinen Kahlschlag zu vermeiden". Was die jüngeren Bäume am Berliner Ring angeht, erinnert er an seinen Aufruf aus dem Sommer, solche Bäume regelmäßig zu gießen. "Gerade Bäume in der Stadt stehen massiv unter Stress", sagt der selbständige Baumpfleger.

Stadtbäume hätten häufig einen sehr eingeschränkten Wurzelraum, wenige Quadratmeter große Baumscheiben würden durch Straßen und Parkplätze eingeschränkt, Versorgungsleitungen und hohe Bodenverdichtung verhinderten das Vordringen der Baumwurzeln bis zum natürlich gewachsenen Boden und zum Grundwasser. Hinzu kämen unter anderem aufgeheizter Beton und Asphalt, Abgase, Verletzungen durch Bauarbeiten und auch der Einsatz von Streusalz.

Wo die Stadt überall Fällungen angekündigt hat:

Luisenhain Zwischen Tennisclub und Festwiese Musikpavillon befindet sich ein abgestorbener, in Richtung Tennishalle geneigter Bergahorn. Dieser sei durch die Rußrindenkrankheit mit fortschreitender Weißfäule im Stammfußbereich befallen, die Stand- und Bruchsicherheit stark beeinträchtigt. Somit sei die Fällung laut Gartenamt "aus Verkehrssicherungsgründen unvermeidbar und zwingend notwendig". Das gilt auch für eine einzelne Rotbuche an der Wegekreuzung beim "Milchhäusle" zwischen Schillerwiese und Hutanger, die stark durch Brandkrustenpilz befallen sei. Gaustadt Neben dem Beschnitt am Cherbonhof (siehe Haupttext) sind in Gaustadt weitere Fällungen vorgesehen. Im Hohlweg bei der Caspersmeyerstraße wurde eine kranke Eiche mit Pilzbefall am Stammfuß, ein stark geneigter Stämmling einer Weide mit hoher Bruchgefahr sowie eine abgestorbene Robinie festgestellt. Im Umfeld von Sylvanersee und Seebach sollen laut Mitteilung der Stadt Bamberg schräge und absterbende Bäume und Totholz entfernt werden, das gilt auch für abgestorbene kleinere Bäume sowie eine stärkere Birke im Parkplatzbereich Sportzentrum.

Joseph-Manger Straße In dieser Straße müssen drei Platanen wegen stärkerer Belagsaufwerfungen auf dem Gehweg weichen, die bereits zu Unfällen geführt hätten.

Volkspark Hier sollen mehrere abgestorbene Bäume im waldartigen Bestand zwischen Festwiese und Moosstraße gefällt werden.

Berliner Ring Schließlich werden noch entlang des Berliner Rings zwischen Jet-Tankstelle und nördlicher Stadtgrenze mehrere abgestorbene kleinere Bäume gefällt.