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Es geht um die goldene Pompfe


Autor: Andreas Thamm

Bamberg, Montag, 13. August 2018

Bereits zum vierten Mal fand in Bamberg ein Jugger-Turnier statt. Der Sport, der an eine Mischung aus Fechten und Rugby erinnert, ist weitgehend unbekannt.
Foto: Barbara Herbst


Trommelschläge dröhnen über das Feld des B.C. Bamberg wie über eine römische Galeere. Auf drei Feldern stehen sich sechs Teams gegenüber, fünf gegen fünf. Manche tragen lange Stäbe, die an übergroße Q-Tips erinnern, andere einen Ball an einer Kette, einer prescht durch die Reihen. "Noch fünf Steine!", ruft der Schiedsrichter.
Fotografin Barbara: "Ich versteh' nur Bahnhof." Und so geht es sicher den meisten, die zum ersten Mal ein Jugger-Spiel (sprich: Tschagga) verfolgen. Am Samstagnachmittag geht es in Bamberg um die goldene Pompfe. "Pompfe" heißt das Q-Tip-artigen Spielgerät. Der "Jug" ist der Ball, den gilt es in einem Mal auf der gegnerischen Seite zu versenken.


Ursprung Streetwork-Projekt

"Im Prinzip ist es eine Mischung aus Fechten und Rugby", sagt Tobias Scheinost, erster Vorsitzender des Bamberger Jugger-Vereins. Der Verein existiert seit 2014 und ging aus einem Streetwork-Projekt hervor. Die recht kleine und junge Szene vernetzt sich im Internet. Es ist bereits das vierte Turnier, das in Bamberg stattfindet. Angereist sind unter anderem Teams aus Nürnberg, Bayreuth und Ilmenau.
Zum Sport gehört aber nicht nur der Wettkampf, sondern auch das Anfertigen der gepolsterten Pompfen und Schilde. Tobias spielt meistens mit der Kette, die er über dem Kopf rotieren lässt. Getroffene Gegner gehen auf die Knie und sind acht Trommelschläge lang aus dem Spiel. Allerdings darf jede Mannschaft nur eine solche Kette einsetzen.


Schnelles Spiel

Tobias muss ran. Mit der ersten gegen die zweite Bamberger Mannschaft. Das Spiel ist schnell, oft weiß man nicht, wo sich der Jug gerade befindet, alle rufen durcheinander. Der Schiedsrichter lacht: "Absolutes Chaos, typisch Bamberg." Zur Pause führt die erste Mannschaft bereits zehn zu null. Auf dem Nebenfeld beackern sich derweil Ilmenau und Laufen.
Für die Laufener geht es im Anschluss noch um Platz vier bis sechs. Manuel ist mit 19 Jahren der älteste im Team. Deshalb habe man lange nicht an Turnieren teilnehmen können: Kein Führerschein. "Wir haben den Sport auf einer Jugendfreizeit kennengelernt. Da hat uns das ein Klostermönch beigebracht", erzählt er. "Wir waren begeistert und haben sofort angefangen, unsere eigenen Pompfen zu bauen. Die ersten waren dann auch sehr experimentell und eigentlich nicht spielbar."


Taktik entscheidet

Tobias hingegen wird am Nachmittag noch um die ersten drei Plätze spielen. Für ihn ist beim Jugger nicht Stärke oder Schnelligkeit, sondern die Taktik entscheidend.
"Das beste Beispiel ist Anton", sagt Tobias, "der ist erst zehn, aber spielt jetzt bereits sein 23. Turnier. Und der ist richtig gut."