Erste Hilfe für Ersthelfer - Rettung in Bamberg
Autor: Markus Klein
Bamberg, Donnerstag, 07. Februar 2019
Die Geschäftsführerin der Rettungszentrale erklärt die telefonisch angeleitete Reanimation - und was der Klimawandel für den Rettungsdienst bedeutet.
Eine junge Frau kommt ins Zimmer und sieht ihren Vater regungslos auf dem Sofa liegen. "Papa? Wach auf!", wiederholt sie mehrfach, immer verzweifelter. Dann ruft sie nach ihrer Schwester. Nach kurzer Überlegung kommen die beiden auf die europaweit einheitliche Notrufnummer 112. Die Schwester ruft an. Videoschnitt zur Integrierten Leitstelle (ILS). Der Mitarbeiter am Telefon klärt zunächst die wichtigen "W-Fragen": Wo? Was ist passiert? Wie viele Personen sind verletzt? Welche Verletzungen? Warten auf Rückfragen. Als der Mitarbeiter den Ort angegeben hat, schickt er die Information schon an den Notarzt, während er weiterspricht. Er koordiniert den Einsatz an sechs Bildschirmern. Er bittet die Frauen, ihren Vater vom Sofa auf den Boden zu legen und leitet sie bei der Wiederbelebung an. Weiche Untergründe geben nach, deshalb der Boden. An einem Bildschirm tickt der Takt, den er an die Ersthelferin übermittelt.
Mitarbeiter leiden mit
"Zum Merken: Die Melodie vom Bee-Gees-Song ,Stayin Alive' passt zur Reanimation - auch textlich", erklärt Matthias Böhmer, Leiter der Integrierten Leitstelle Bamberg-Forchheim. Dann wird er ernster: "Pro Minute kann man zehn Prozent Gehirnmasse verlieren. Zeit ist wichtig." Deshalb wurde die T-CPR (telefonisch angeleitete Cardio-Pulmonale Reanimation) 2013 bayernweit eingeführt.
Reanimation from Dennis Banemann on Vimeo.
Auch wenn der Notarzt eingetroffen ist, unterstützen die Ersthelfer weiter, um möglichst wenig Zeit zu verlieren. Was in dem Erklärvideo, das Böhmer zeigt, nicht zu sehen ist: "Die Mitarbeiter leiden am Telefon mit." In der Bamberger ILS arbeiten 22 Angestellte am Telefon. Sie sind gut ausgebildet: "Alle haben neben der Ausbildung sowohl einen Sanitäter- als auch einen Feuerwehr-Hintergrund", erklärt Böhmer. Die meisten würden gerne ins Auto steigen und selbst anpacken, wenn der Ersthelfer am Telefon zu unsicher oder nervös ist.
"Jeder kann und sollte helfen. Es ist besser, nicht richtig zu reanimieren als gar nicht. Aber die Helfenden brauchen auch moralische Unterstützung. Deshalb ist die T-CPR so wichtig", sagt Christine Feldbauer, die neue Geschäftsführerin des Zweckverbandes für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Bamberg-Forchheim (ZRF). Unterstützung brauchen auch ihre Mitarbeiter am Telefon, die häufig schlimme Situationen miterleben. "Meistens bekommen sie nur Rückmeldung, wenn es schlecht ausgeht", sagt ILS-Leiter Böhmer. "Umso schöner, wenn sich Menschen bei uns bedanken." Schon oft seien Angehörige zur Zentrale im Bamberger Berggebiet gekommen, die sich mit einem Blumenstraus bei den Helfern bedankten, weil der Rettungseinsatz erfolgreich war.
Die Struktur aus Krankenhäusern, Ärzten und Helfern in der Region sei laut Feldbauer ausreichend - noch: "Die Herausforderungen steigen. Die Personalknappheit nimmt immer mehr zu." Drei bis vier Mitarbeiter sitzen in der Regel an den Bildschirmen und Hörern der Leitstelle, bei besonderen Anlässen wie der Bamberger Sandkerwa oder dem Forchheimer Annafest sind es zwei Leute mehr. "Das kann man planen", erzählt Feldbauer.