E s ist ein Heimspiel und ein Familientreffen: Die Bambergerin Bettina Göschl begleitet beim Literaturfestival in Haßfurt am 21. April ihren Mann Klaus-Peter Wolf - auch musikalisch. Mit dabei sind ihre Neffen Konstantin und Maximilian Raabs aus Bamberg. Sie bringen den "Ostfriesentod" nach Franken und damit eine der angesagtesten Krimireihen aus deutscher Feder.
Klaus-Peter Wolf, geboren in Gelsenkirchen, lebt als freier Schriftsteller in der ostfriesischen Stadt Norden. 2003 vertauschte seine Frau Bettina Göschl die Ufer der Regnitz mit den Nordseestränden. Wolfs Bücher sind in 24 Sprachen übersetzt worden, mehr als 60 seiner Drehbücher wurden verfilmt, darunter viele für die Krimireihen "Tatort" und "Polizeiruf 110".


Gänsehaut ist garantiert

"Ostfriesentod" ist der elfte Band in einer Reihe von Krimis, in denen die Kommissarin Ann Kathrin Klaasen ermittelt. Die Polizistin ist zur Kultfigur für Ostfriesland geworden. Der "Ostfriesentod" ist im Februar auf Platz eins der Spiegel-Bestsellerliste gestartet. Wenn Wolf liest, macht seine Frau oft die Musik zum Mord - ein spannendes Zusammenspiel mit Gänsehaut-Garantie, auf das man sich auch in der "Wolfstunde" in Haßfurt freuen kann. Bettina Göschl verrät vorab einiges.

Sibylle Kneuer: Frau Göschl, zusammen mit Ihrem Mann, dem Krimiautor Klaus-Peter Wolf, haben sie bereits viele erfolgreiche literarisch-musikalische Lesereisen gestaltet. Seit wann stehen sie in dieser Art und Weise zusammen auf der Bühne?
Bettina Göschl: Wir arbeiten seit 15 Jahren künstlerisch zusammen. In dieser Zeit sind viele Bücher und CDs entstanden, auch ein Musical fürs Fernsehen: Piraten-Jenny und Käpt"n Rotbart. Seit Klaus-Peter mit den Ostfriesenkrimis begonnen hat, lebe ich intensiv mit den Hauptfiguren zusammen (lacht). So sind die Kommissarin Ann-Kathrin Klaasen, ihr Chef Ubbo Heide und auch der Macho Rupert bei uns Zuhause sehr präsent. Da lag es nahe irgendwann Lieder darüber zu machen. So entstand zum zehnten Jubiläum der Krimireihe die erste Krimilieder-CD deutscher Sprache mit dem Titel "Ostfriesenblues". Seither treten wir gemeinsam auf.

Wie darf sich der "eingefleischte" Krimifan diese Abende vorstellen?
Klaus-Peter liest aus seinem neuen Roman vor und erzählt auch viel über die Figuren und die Entstehung der Krimireihe. Ich kommentiere das Ganze musikalisch und mit einem Augenzwinkern. Es gibt an den Abend zum Beispiel Lieder darüber, wie ich es als Ehefrau erlebe, wenn mein Mann beim Entwickeln seiner Krimis in andere Rollen schlüpft. So kann es passieren, dass ich beim Frühstückstisch nicht mehr meinem liebevollen Ehemann gegenübersitze, sondern dem Macho-Kommissar Rupert (grinst) - oder aber auch einem Serienkiller. Und was liegt näher, als das in einem Lied zu verarbeiten. Das Publikum liebt diesen musikalischen Blick durchs Schlüsselloch. Darüber hinaus ist es mir an den Abenden wichtig Krimiklassiker wie "Mackie Messer" von Brecht und Weill zu interpretieren.


Sie sind geboren in Bamberg und haben bereits in der Grundschule musiziert, Querflöte und Gitarre gelernt. Von 1983-1989 haben sie eine Ausbildung als Erzieherin an der Fachakademie für Sozialpädagogik in Bamberg absolviert, anschließend 10 Jahre lang als Erzieherin in Bamberg, Litzendorf und Herzogenaurach gearbeitet. Schwerpunkt damals war die Förderung von allgemein- und sprachentwicklungsgestörten Kindern mit Liedern und Geschichten. Nebenbei sammelten Sie fast 10 Jahre lang Banderfahrung im Raum Bamberg, komponierten Lieder für Kinder.
Wie verlief ihr beruflicher Weg hin zu dem zu dem, was Sie jetzt tun?
Im Laufe der zehn Berufsjahre als Erzieherin und innerhalb der Band sind viele Lieder, aber auch Geschichten für Kinder entstanden. Als ich Klaus-Peter Wolf kennenlernte, war das für mich wie ein Lottogewinn. Er war damals bereits ein bekannter und erfolgreicher Drehbuchautor, dennoch war er bodenständig und sehr sympathisch geblieben. Ein Profi mit Herz . Er unterstützte mich von Anfang an in meiner künstlerischen Entwicklung und bot mir seine Zusammenarbeit zunächst im Kinderbuchbereich an. Klaus-Peter glaubte mehr an mich, als ich an mich selbst, was für meinen Weg letztendlich sehr wichtig war. Er zeigte mir Möglichkeiten auf, wie ich mich als freie Künstlerin durchsetzen konnte. So erhielt ich eine Filmförderung für ein Drehbuch, das war unglaublich für mich. Und ich konnte bald erste Bücher und CDs veröffentlichen, mit denen ich dann auf Tournee ging. Man braucht sehr viel Mut und entsprechende Unterstützung, um den Sprung ins freie Künstlerleben zu realisieren. Ein modernes Märchen begann.
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Wie hat es sie von Bamberg an die Nordsee verschlagen, wo, nebenbei gesagt, nicht nur Ihre Kinderkrimis, sondern auch die Krimis von Klaus-Peter Wolf (Ostfriesenreihe) spielen?
War der Umzug aus Franken ans Meer ein "Kulturschock"?
Obwohl ich die bayerischen Berge sehr liebe, war für Klaus-Peter und mich die Nordsee immer ein Sehnsuchtsort. Ich war dort mehrmals im Urlaub, auch schon bevor ich Klaus-Peter kannte. Die Weite, die Ruhe und der Wechsel der Gezeiten taten uns beiden immer gut, so lag es nahe, dass wir an der Nordsee leben und dort unsere Zelte aufschlagen wollten.
Als Fränkin lebt es sich sehr gut in Ostfriesland. Wobei ich Franken nach wie vor sehr in meinem Herzen habe. Unschlagbar sind in Franken die gemütlichen Bierkeller und mein Lieblingsessen, der fränkische Sauerbraten mit Klößen. Da es den an der Nordsee einfach nicht gibt, koche ich ihn hin und wieder für meine ostfriesischen Freunde.


Was sind die Schwerpunkte Ihrer Arbeit heute?
Mir ist es sehr wichtig die Sprachentwicklung bei Kindern zu fördern und zu unterstützen. Dabei helfen mir meine Lieder und Geschichten. So gehe ich mit meinen Programmen in Schulen und Kindergärten, lese ihnen vor, singe und musiziere mit ihnen. Das macht mir große Freude. Ein schöner Kontrast ist es für mich auch für Erwachsene zu schreiben und für sie aufzutreten. Das hat sich durch die Ostfriesenkrimis einfach angeboten. Zudem lieben wir es gemeinsam auf der Bühne zu stehen und können unser gemeinsames Künstlerleben zusammen gestalten.

Ist es Zufall, dass der Mörder in dem im Juni 2017 erscheinende Krimi von K.P. Wolf mit dem Titel "Totenstille im Watt" (man darf gespannt sein!) aus Bamberg stammt? Oder haben Sie als Fränkin Ihren Mann hier bereits "infiziert"?
Klar habe ich ihn infiziert (lacht). Bamberg ist ja eine wunderschöne Stadt. Und wenn er eine Landschaft liebt, dann begeht er dort literarisch schlimme Verbrechen. Sein Grundprinzip ist: Leichen nur an schöne Orte zu legen. Er hat durch mich Franken als Schauplatz für seine Kriminalromane für sich entdeckt. Da wird noch einiges passieren...

Zurück zum Auftritt am 21.April 2017 in Haßfurt:
Wie ist es dazu gekommen, dass Ihre beiden Neffen, Konstantin und Maximilian Raab, mit Ihnen am 21.04. auf der Bühne stehen? Gab es das schon einmal?
An den Krimiabenden trete ich alleine auf oder es begleiten mich meine musikalischen Komplizen, mit denen ich seit vielen Jahren zusammenarbeite.
Als ich an einem Abend in Franken bei meiner Schwester das Lied "Ostfriesenblues" vorsang, setzte sich mein Neffe Konstantin spontan ans Klavier und spielte mit. Er liebt Blues. Maximilian schnappte sich seine Gitarre und schon spielten wir das Lied zu dritt. So entstand die Idee, dass mich die beiden in Haßfurt auf der Bühne begleiten.
Konstantin und Maximilian spielen beide in Bands. Konstantin arbeitet in einem fränkischen Musikhandel und Maximilian studiert Musik. Der Auftritt am 21.4. ist eine Premiere und wir alle sind sehr gespannt.


Was bedeutet Ihnen der Auftritt in Haßfurt persönlich?
Wir sind seit vielen Wochen auf einer sehr intensiven Tournee durch Deutschland und die Schweiz unterwegs. Da ist es sehr schön mal wieder in meiner alten Heimat Franken aufzutreten. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Nachhause kommen.
Ich freu mich sehr, dass meine Familie und liebe Freunde an dem Abend dabei sein werden.

Weitere Informationen unter www.haslit.de
Karten gibt es an allen bekannten Vorverkaufsstellen, in allen gängigen Vorverkaufssystemen, an den Geschäftsstellen des Haßfurter Tagblatts, telefonisch unter der Hotline 0951-23837 oder unter www.kartenkiosk-bamberg.de
Am Samstag, den 1. April 2017 , 20.15 Uhr,wird der erste Ostfriesenkrimi "Ostfriesenkiller" im ZDF ausgestrahlt, in der Hauptrolle: Christiane Paul

Sibylle Kneuer M.A. ist freiberufliche Kulturwissenschaftlerin und betreut neben anderen Projekten das Haßfurter Literaturfestival.