Bamberg
Konzerte

Ein Kapitel Jazzgeschichte lebt auf

Sein 40-jähriges Bestehen feiert der Jazzclub in diesem Jahr: Ein runder Geburtstag, zu dem Größen wie Don Menza, der legendäre Tenorsaxofonist, nach Bamberg kommen. Konzerte von Random/Control und der Soul Jazz Alliance sind weitere Highlights in der Oberen Sandstraße im Februar.
Don Menza kommt mit seinem Organ Trio am 15. Februar in den Bamberger Jazzkeller. Foto: PR
Don Menza kommt mit seinem Organ Trio am 15. Februar in den Bamberger Jazzkeller. Foto: PR
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Wer erinnert sich noch an Lou van Burgs "Gol denen Schuss"? Eine Spielshow aus den Pionierjahren des ZDF, bei der Don Menza schon im Orchester von Max Greger spielte und Fernsehzuschauer quer durch die Republik erreichte. Den Sound der legendären Schwabinger Sessions prägte der heute 77-Jährige in den Sixites, als die Jazzszene an der Isar boomte.



Seit über einem halben Jahrhundert steht der Saxophonist auf der Bühne, der mit seinem Trio nun am 15. Februar in Bamberg gastiert, um zum 40-jährigen Bestehen des Jazzclubs zu spielen. Und gleich am 22. Februar steht das nächste Jubiläums-Konzert mit einem renommierten Ensemble an: Die Soul Jazz Alliance von Vincent Herring und Joris Dudli betritt die Bühne.


Als Soldat der Armee nach Deutschland
Aber zurück zu Don Menza, der als New Yorker Musiker fern der Heimat ein eigenes Kapitel Jazzgeschichte schrieb.
Zwei Jahre vor Elvis kam der damals 20-Jährige als Soldat der Armee über den großen Teich und engagierte sich in Stuttgart ab 1956 als Mitglied der "7. Army Jazzband", in der zu dieser Zeit auch Leo Wright, Don Ellis und Cedar Walton spielten. Wieder in den Staaten profilierte sich Menza in Maynard Fergusons und Stan Kentons Formationen, bevor ihn Max Greger in den Sixties erneut nach Deutschland zog. Henry Mancini, Leonard Cohen, Buddy Rich, Louie Bellson: Große Namen verbinden sich mit dem Saxophonisten, der jahrelang auch zur Formation gehörte, die in der ersten Late Night Show der Welt den Ton angab - Johnny Carsons "Tonight Show". Seinem Sohn Nick legte Menza die Liebe zur Musik übrigens in die Wiege, nur glänzte der nicht mit Jazz oder Soul, sondern Heavy Metal: Als Schlagzeuger von Megadeth.



In Bamberg wird Don Menza von Renato Chicco begleitet: Einem Pianisten und Organisten, der seine Liebe zum Jazz als Professor für Improvisation an der Kunstuniversität Graz an die nächste Generation weitergibt. Als Schlagzeuger mit im Bund ist Bernd Reiter, der 2006 mit dem österreichischen Jazzpreis ausgezeichnet wurde. Großen Anklang hatte vor zwei Jahren bereits die Live-CD des Trios gefunden, das nun das fränkische Publikum am 15. Februar in der Oberen Sandstraße erwartet, wenn's für Fans Don Menzas wieder heißt: "Close your Eyes and Open your Ears!"


Morgen Random/Control
Eine Band, die für die junge europäische Jazzszene steht, besucht am 8. Februar den Jazzkeller. Allen voran David Helbock als Komponist und Pianist, der seit 2001 eine ganze Reihe von Auszeichnungen einheimste, darunter Publikums- und Jurypreise des weltgrößten Jazz-Piano-Solo-Wettbewerbs des Jazzfestivals Montreux. Etliche Kritiker schwärmten von der Originalität des Österreichers mit dem Strickkäppi: Den "Horizont erweitere" seine Musik, die quirlig, quicklebendig und alles andere als verkopft sei.



Wobei der 30-Jährige unter eigenem Namen schon elf CDs auf den Markt warf. Mit seinem Trio Random/Control verheißt Helbock eine Achterbahnfahrt durch alle erdenklichen Genres des Jazz, aber auch andere Richtungen. Über alle Kulturen, Distanzen und Stile hinweg fegt der Sound des Pianisten, den Johannes Bär, Andi Broger und ein gewaltiges Instrumentarium ("gefühlte 30 Instrumente") begleiten.


Mit Austropoppern
Zuletzt noch unser Blick aufs Konzert der Soul Jazz Alliance, die der österreichische Drummer Joris Dudli schmiedete: Ein Musiker, der als Newcomer mit Austropoppern wie Wolfgang Ambros, Rainhard Fendrich und Georg Danzer arbeitete. Mit Vincent Herring als amerikanischem Jazz-Saxophonisten, der in der Oberen Sandstraße schon mehrfach auftrat, spielt Dudli seit 1999, der sich in den vergangenen Jahren als Komponist profilierte.



Dazu noch Sachal Vasandini als Sänger, der 2010 den "Downbeat Kritiker Poll" als Rising Star gewann, Jeremy Pelt als Trompeter, Jared Gold als Organist und Freddie Bryant als Gitarrist - schon legt die Alliance los, um Seelenbalsam für Genrefans zu bieten: Energiegeladene Titel und mit Bläserriffs gespickte Funkstatements stellt das Ensemble Konzertbesuchern in Aussicht. Und wer's nicht glauben will, kann sich im Netz einhören.