Wer drängelt, outet sich, dass er nichts verstanden hat
Hektik ist auf dem Keller so unpassend, wie ein Bierpfurz im Aufzug oder eine Bratwurst mit Ketchup. "Einfach den Abend genießen und den Stress in der Arbeit lassen", rät Besucherin Helga Freibott.
Drängler in der Schlange sind genauso schlimm wie motzende Gäste, die auf eine Bedienung warten. "Wenn einer das Nörgeln anfängt, dann steckt das die anderen an", berichtet der Huppendorfer Brauer Grasser. "Die Fast-Food-Generation ist das so gewohnt, dass es innerhalb von fünf Minuten Essen gibt." Gegen Stress in der Schlange helfen Maßkrüge und - man ahnt es schon - häufiges Anstoßen. Wer Bier verschüttet, muss den Krug auf einen Zug leer trinken.
Schlechter Empfang als Qualitätsmerkmal
"Manche jungen Rentner benehmen sich noch döller als die Teenys, wenn sie mit den Handys rumspielen", meint Johannes Grasser zum Thema Smartphones. "In einen Biergarten gehört das nicht." Grasser hat einen Trumpf im Ärmel - wie sein Kollege in Lohndorf: "Wir haben einen ganz schlechten Empfang. Und das ist auch gut so."
Kinder sind die Biertrinker von morgen.
Biergärten sind ein Treffpunkt für alle Generationen. Viele Wirte haben extra einen Spielplatz - immerhin lernt der Nachwuchs, indem er erwachsenen Vorbildern nacheifert. Ein Grund mehr für die Großen, sich anständig aufzuführen. Übrigens: Schon Einjährige haben einen Riesenspaß, wenn sie mit ihrem Trinkfläschchen mit anstoßen dürfen.
"Oft ist das Haustier der Herr über das Herrchen."
Hunde sind in Biergärten und Kellern nicht immer erlaubt. "Ich habe kein Problem, wenn die Hunde erzogen sind", sagt Grasser dazu. "Aber mittlerweile ist das Haustier oft Herr über das Herrchen." Spätestens wenn die Tiere ihre eigenen Gespräche über mehrere Tische hinweg führen, sollten die menschlichen Begleiter ein Machtwort sprechen, sagt der Brauer.
Darf man betrunken am Tisch einschlafen?
Schlafende verhalten sich bekanntlich eher ruhig. Ein Nickerchen ist gesund - und bei den Wirten deutlich lieber gesehen, als grölende oder pöbelnde Betrunkene. "Junggesellenabschiede sind für mich ein rotes Tuch", sagt Grasser. "Wenn sie früh kommen, führen sie sich meistens noch gut auf. Aber wenn sie um Viere oder Fünfe eindonnern. Au weh!" Ähnlich sieht es sein Kollege Hölzlein. Er berichtet von Männern, die mitten in seinen Hof gespien und/oder uriniert hätten. Als noch schlimmere Respektlosigkeit wertet es der Brauer aber, wenn jemand ein Fremdbier mitbringt und in seinem Keller trinkt. "Ich sag immer: Du bringst daheim ja auch nicht deine Freundin mit zu Deiner Frau."
Der Schnitt wird bezahlt, die Trampelmaß ist eine Ehre
Vor dem Gehen meldet sich plötzlich erneut der Durst? Dafür gibt es Abhilfe. "Der Schnitt muss bezahlt werden, die Trampelmaß zahle ich", erklärt Schmitt. Was eine Trampelmaß ist? Der Alptraum jedes Fahrers! Denn während er schon mit den Füßen trampelt und alle zum Heimgehen animiert, stellt der Wirt überraschend eine Gratismaß auf den Tisch. "Wenn ein Haufen zammsitzt, obliegt es dem Hausherren, das auszuschenken", stellt Hölzlein klar.