"Wir haben Schlaglöcher, da kann man sich reinlegen." Ganz so schlimm wie von Bürgermeister Max-Dieter Schneider (SPD) beschrieben verhält es sich nicht, aber zumindest für einen Achsbruch taugen sie schon, die Löcher auf dem Weg ins Handthal. Das könnte sich bald ändern - wenn diese Verbindung nach Westen im Zuge des Kernwegenetzes ausgebaut wird. Von der Umsetzung eines solchen Netzes sollen Landwirtschaft und Erholung Suchende gleichermaßen profitieren. Zu den Ersten, die Derartiges in Oberfranken angehen, gehören Ebrach und Burgwindheim im Rahmen ihrer Kommunalen Allianz.

Diese flankiert und fördert das Amt für ländliche Entwicklung (ALE) Oberfranken. Die Fertigstellung des Konzeptes für Ebrachs Netz folgte dem Burgwindheimer und endete mit einem Abschlusstermin im Ebracher Rathaus. Mit der Konzeptionierung war die BBVLandsiedlung, eine Dienstleistungsgesellschaft des Bayerischen Bauernverbandes, befasst. Für die erklärte Florian Göbet den Ansatz: Es geht darum, landwirtschaftliche Wirtschaftswege und Gemeindeverbindungsstraßen an die aktuellen Bedürfnisse - multifunktional - anzupassen.

Das heißt, in der Landwirtschaft sind Maschinen und Geräte größer und breiter, die Entfernungen zu den jeweiligen Flächen größer geworden. Darauf kann man mit der Etablierung eines Kernwegenetzes reagieren. Entfernungen sollen verkürzt, Wege breiter werden (3,5 Meter plus 75 Zentimeter geschottertes Bankett und Seitengraben). Zu schaffen sind speziell auch Vernetzungen aus bestehenden Wegen und Lückenschlüssen. Profitieren soll neben der Landwirtschaft der Freizeit- und Tourismusbereich - Fußgänger ebenso wie Wanderer, Walker, Radfahrer und Reiter.

Die jeweiligen Wege, bisherige Wirtschafts- aber auch Gemeindeverbindungswege, sollen dabei zwischen eineinhalb und zwei Kilometer von einander entfernt sein sowie übergeordnete Bedeutung haben.

Gemeinsam mit den jeweiligen Gemeinden wurden seit November letzten Jahres durch Mitarbeiter der BBVLandsiedlung in Burgwindheim und Ebrach die bestehenden Wege aufgenommen, untersucht und je nach Entscheidung der jeweiligen Gemeinde in deren Konzept aufgenommen. "Alle wurden mit den Gemeinden durchgesprochen und mit dem Amt für Ländliche Entwicklung auf Förderfähigkeit abgesprochen", so Göbet.

Für Burgwindheim wird das Netz insgesamt 12,4 Kilometer umfassen, für Ebrach 18. Für die Umsetzung des Kernwegenetzes ist ein Zeitraum von 25 Jahren vorgesehen, wobei die Wege bereits kategorisiert wurden in kurzfristig (innerhalb von fünf Jahren), mittelfristig (fünf bis 15 Jahre) und langfristig (20 bis 25 Jahre) umzusetzende.
Dazu erklärte Pius Schmelzer vom Amt für ländliche Entwicklung, dass nur im Konzept enthaltene Wege gefördert werden können, aber nicht alle Wege tatsächlich auch zwingend gemacht werden müssen. Über die Umsetzung jedes einzelnen Weges aus dem Konzept entscheidet die Gemeinde und muss die Förderung beim ALE beantragen. Bereits für die Erstellung des Konzepts für das Kernwegenetz jeder der Partnergemeinden gibt es einen 75-prozentigen Zuschuss. Verwaltungschef Walter Hanslok bezeichnete das Konzept als "eine Grundlage, auf der man aufbauen" könne.


Vorreiter im Landkreis

Stolz zeigt sich Schmelzer ebenso wie Schneider namens der Projektpartner Burgwindheim und Ebrach, dass man dabei landkreisweit Vorreiter und oberfrankenweit an zweiter Stelle sei. "In Unterfranken ist man schon weiter", ließ Projektbetreuer Göbet wissen. In ganz Franken schätzt er die Zahl der Gemeinden, in denen die Vorarbeiten für Kernwegnetze geschaffen wurden, beziehungsweise werden auf 40. Der Weg ins Handthal hat auch deswegen Priorität, weil er Oberfranken mit Unterfranken verbindet. Als "ein Netz für die Zukunft" bezeichnete Allianz-Managerin Eva-Maria Schmitt das Konzept, ehe der Weg ins Handthal besichtigt wurde.