Welterbe

Das Haus ist winzig, aber wichtig

Als einziges privates Sanierungsvorhaben in Bamberg gibt es für die Tocklergasse 1 Zuschüsse aus dem Konjunkturpaket für Welterbestätten. Ein Ehepaar aus Baunach will das "Hexenhäuschen" im Gärtnerland retten.
Thomas Beese (Stadtplanungsamt), Bauherr Peter Fröhlich und Zimmerermeister Thilo Walter bei ihrer letzten Baustellenbesprechung vor der Winterpause (von links).
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"Einer muss es machen" findet Peter Fröhlich - und er macht es, zusammen mit Ehefrau Birgit: Sie wollen dem Anwesen Tocklergasse 1 zu neuem Leben verhelfen. Von einer Nachbarin weiß der neue Eigentümer, dass das Haus seit mindestens 30 Jahren nicht mehr bewohnt war, vielleicht länger. Thomas Beese, stellvertretender Leiter des Stadtplanungsamtes, fällt kein anderes Förderprojekt der vergangenen zehn Jahre ein, das länger leer gestanden hätte.

Gerade dieser rekordverdächtige Leerstand macht das vermutlich im 17. oder 18. Jahrhundert errichtete Gärtnerhaus für die Stadtsanierung so interessant. Laut Beese ist es "an sich nichts Spektakuläres. Aber weil es so lange unbewohnt war, ist noch viel Originales da".

Von diesem Argument hat sich auch das Bundesbauministerium überzeugen lassen.
Der Sanierungsfall mitten in der Gärtnerstadt und damit in einem Herzstück des Welterbes Bamberg, ist das einzige von mehreren privaten Vorhaben, für die das Baureferat 2010 Geld aus dem so genannten Konjunkturpaket für Welterbestätten beantragt und erhalten hat.

Der "eingeschossige Satteldachbau mit Fachwerk-Giebel" (Text der Bamberger Denkmalliste) befindet sich damit in allerbester Gesellschaft: Der Bund stellt der Stadt Bamberg (nach 8,15 Millionen Euro in der ersten Förderrunde 2009) weitere 3,25 Millionen Euro für Arbeiten am ehemaligen Kloster Michaelsberg, an der Kapelle St. Johannis am Stephansberg und die Neue Residenz zur Verfügung.

Nachdem die öffentlichen Zuschüsse sicher waren, hat sich das Ehepaar Fröhlich zum Kauf des "Hexenhäuschens" (Peter Fröhlich) entschlossen. Die Familie gehörte zu den wenigen Interessenten für die Tocklergasse 1, die sich nicht vom ersten Augenschein abschrecken ließen. Viele hat Beese "nur ein Mal gesehen".

Als Inhaber eines Steinrestaurierungsbetriebs falle es ihm vielleicht leichter als anderen, sich vorzustellen, wie schön das Wohnen in diesem Einzeldenkmal werden kann, antwortet Fröhlich auf die Frage, warum er sich in das Abenteuer dieser Sanierung stürzt. Die Pläne gehen von 148 Quadratmeter Nutzfläche aus.

Auf Überraschungen gefasst

Die Bauherren sind nach eigenen Angaben darauf gefasst, dass es nicht nur angenehme Überraschungen geben wird, wenn die Instandsetzung Anfang 2011 los geht. Was die Zimmerleute in den vergangenen Wochen erledigt haben, diente nur dazu, das Haus winterfest zu machen. Schnee und Eis sollen das Anwesen nicht noch zusätzlich schädigen. In der Vergangenheit waren schon mehrere Notsicherungen erforderlich.

Das historische Gärtnerhaus ragt samt seinem jüngeren Anbau wie ein Schiffsbug in den öffentlichen Raum und "teilt" quasi die Mittelstraße und Tocklergasse. Diese ungewöhnliche Lage hat laut Beese dazu beigetragen, dass es so lange leer stand und unverkäuflich schien. Die Tocklergasse 1 sei ein typisches Beispiel für eine Reihe Bamberger Einzeldenkmäler, deren schlechter Zustand von ihrem exponierten Standort herrührt: Ihre Besitzer stecken oft Jahrzehnte lang kein Geld in die Sanierung. Was das Problem ist, erklärt der stellvertretende Planungsamtsleiter so: Häuser an einer Straßenecke, die auf zwei oder gar drei Seiten an die öffentliche Verkehrsfläche grenzen, sind einerseits einer hohen Verkehrsbelastung ausgesetzt, andererseits haben sie oft keine Freiflächen. Zum Verkehr kommt noch die Belastung der Fassade durch Spritzwasser dazu, erhöhte Verpflichtungen beim Winterdienst, höhere Gebühren für die Straßenreinigung, unter Umständen auch bei einem Straßenausbau.

Auch die Stadt zahlt etwas zu

In seinen Zuschuss-Antrag an das Bundesbauministerium hat das Stadtplanungsamt auch diese Aspekte herausgearbeitet und kam zu dem Schluss, dass die Sanierung des Häuschens nicht ohne öffentliche Zuschuss in Höhe von 150 000 Euro gelingen wird. Nun also steuert "Berlin" 115 000 Euro zu. Die Stadt übernimmt die übrigen 35 000 Euro.
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