Wer in diesem Sommer den Stephansberg bis hoch zum Spezi-Keller erklimmt, den erwartet eine erfrischende Überraschung. Dort steht gerade mitten auf der Wiese ein Ausschankwagen samt Sitzgelegenheiten. Ein Blick aufs Logo verrät: dieser Cocktailgarten wird vom "Schwarzen Schaf" betrieben.

Richtig bunt ist der Cocktailgarten geworden. Zwischen grünen Gartentischen und -stühlen, roten Strandliegen, holzfarbenen Sitzbänken und schwarzen Schirmen guckt das "Schwarze Schaf" quer über die Wiese. Sein Ausblick reicht einmal quer über Bamberg. Für diesen Sommer hat es sich das Logo-Tier der gleichnamigen Bamberger Bar hier oben auf dem Spezi-Keller in seinem eigenen Cocktail-Garten bequem gemacht.

Spontane Idee funktioniert: "Cocktailgarten" direkt neben Spezi-Keller

Sven Goller ist höchst zufrieden. Der Besitzer des "Schwarzen Schafs" weist die zahlreichen Kunden zu ihren Plätzen und bittet sie, sich per Barcode zu registrieren. Danach kann bestellt und wenig später Cocktails getrunken werden. Das spontane Format "Cocktailgarten" funktioniert: "Den Gästen scheint's gut zu gefallen und uns vom Team auch", sagt Sven Goller.

Die Idee dazu hatte die Familie Löhr, Inhaber und Betreiber des Spezi-Kellers. "Aufgrund der Corona-Krise durften wir unsere Freischankfläche erweitern, doch wegen der langen Laufwege, die so entstanden wären, hätte sich das für uns nicht gelohnt", erklärt Nina Löhr. Stattdessen wollten sie das Grundstück einem anderen Bamberger Gastronomiebetrieb anbieten und so ihre Solidarität zeigen. "Es geht gerade vielen Betrieben der Branche wirklich nicht gut, wir haben zumindest unser großes Grundstück, aber auf so eine Fläche können natürlich nicht alle zurückgreifen", sagt sie weiter.

So kamen die Löhrs schließlich auf das "Schwarze Schaf" und binnen weniger Nachrichten über SMS und WhatsApp wurde aus der Idee ein fester Plan. "Wir haben das Angebot sofort angenommen und uns riesig darüber gefreut", sagt Sven Goller. Knapp sechs Wochen später war der Ausschankwagen gemietet, das Grundstück für den Cocktailgarten abgesteckt und die Erlaubnis der Stadt eingeholt. "Es ging wirklich sehr fix; dass wir aber zum Beispiel überhaupt einen Ausschankwagen ohne lange Voranmeldung bekommen haben, ist natürlich auch ein Nebeneffekt der Coronakrise - der wäre sonst jetzt wahrscheinlich auf einem Festival", erklärt der Barbesitzer.

Gute Zusammenarbeit: "Die Kooperation klappt wirklich hervorragend"

Nach dem erfolgreichen Saisonbeginn ziehen nun sowohl das "Schwarze Schaf" als auch der Spezi-Keller ein positives Zwischenfazit. "Die Kooperation klappt wirklich hervorragend, die Sortimente ergänzen sich sehr gut", sagt Nina Löhr erfreut. Neben dem Gelände teilen sich die beiden Gastro-Betriebe auch die Küche. "Wir haben einen sogenannten Runner im Team, der immer wieder nach oben geht und vom Spezi-Keller Brotzeiten für den Cocktail-Garten holt oder unser Geschirr zum Spülen hochbringt", erklärt Sven Goller.

Auch wenn der Bier- und der Cocktailgarten sehr gut harmonieren, ist das Format coronabedingt auf vorerst nur eine Saison begrenzt. "Wir haben strenge Vorschriften von der Stadt, bis zum 30. September dürfen wir erstmal hierbleiben, nächstes Jahr hängt es dann von der Corona-Lage ab, ob es weitergeht", erklärt Sven Goller. Und obwohl beide Betriebe die Kooperation schätzen, so ist natürlich dennoch ein Krisenende erstrebenswerter. "Wir konnten in dieser Saison weniger als die Hälfte unserer Belegschaft beschäftigen" sagt Ninas Schwester Johanna Löhr. So kommt es, dass der Spezi-Keller gerade von etwa 30 statt 70 Mitarbeitern geführt wird.

Und auch Sven Goller musste sein Team reduzieren und vor allem auf die eigentliche Bar am Fuß des Stephansbergs und den Cocktailgarten aufteilen. "Für uns ist vor allem schlimm, dass die Stimmung in der Bar ja eigentlich von einer gewissen Zwanglosigkeit lebt, die wir gerade aber nicht so praktizieren dürfen", erklärt er. Außerdem würden sowohl er als auch die Löhr-Schwestern gerne keine Gäste mehr zur Einhaltung der Corona-Maßnahmen ermahnen müssen. "Es ist natürlich nur ein geringer Anteil der Kunden, der die Hygienevorschriften missachtet, aber es ist trotzdem sehr anstrengend ‚Kindergärtner spielen‘ zu müssen", sagt Johanna Löhr.

Nichtsdestotrotz sind beide Betriebe sehr froh, überhaupt öffnen zu können. "Wir arbeiten so hygienisch wie möglich, damit wir einen Lockdown möglichst vermeiden können", sagt Johanna Löhr. "Und es ist schön, wie gut die Bamberger Gastronomie zurzeit miteinander kommuniziert, sodass man sich über die Umsetzung aller Maßnahmen und Ähnliches in diesen Zeiten austauschen kann", ergänzt Nina Löhr.

Schöne Aussicht

Den Gästen gefällt es im Cocktailgarten sichtlich gut. Die Studierenden Madeleine und Jakob genießen gerade ihre Pausa vom Lernen. "Ich find's wirklich sehr schön umgesetzt, besonders die Aussicht ist natürlich wunderschön", sagt Madeleine. "Besonders an den heißen Tagen gerade ist so ein entspannter Abend hier oben echt super", ergänzt Jakob.

Ein weiterer Beleg für die Beliebtheit des Cocktailgartens ist seine hohe Kundenzahl. Besonders beim Hochbetrieb zwischen 19.30 und 21 Uhr sind meistens alle Plätze besetzt. "Vor allem wenn Gäste nach 20 Uhr kommen wollen, empfehlen wir eine Online-Reservierung", sagt Sven Goller. Telefonisch sei es gerade schwierig, weil das Personal meistens während der Öffnungszeiten vollkommen ausgelastet ist. "Trotzdem buchen wir den Garten nie vorab voll aus, damit immer noch ein paar Tische spontan vergeben werden können", sagt er.