"Nachfrage erschreckend groß": Fake-Shops für Kinderpornos lahmgelegt

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Jahrelang werten Ermittler akribisch Spuren aus, folgen verschleierten Pfaden im Darknet. Am Ende legen sie mehr als 373.000 kriminelle Seiten lahm. Die Verbrecher nutzten das Leid von Kindern aus.

Ermittler haben ein großangelegtes Betrugsnetzwerk im Darknet mit oftmals kinderpornografischen Inhalten stillgelegt. Mehr als 373.000 Seiten wurden abgeschaltet, 440 der rund 600 Tatverdächtigen wurden bereits identifiziert, wie das bayerische Landeskriminalamt, die Generalstaatsanwaltschaft Bamberg und das bayerische Justizministerium in München mitteilten. Nach dem Kopf hinter dem Ganzen werde international gefahndet: Es handele sich um einen 35-jährigen Chinesen mit Wohnsitz in der Volksrepublik.

Seit über vier Jahren hatten die bayerischen Ermittler eine Darknet-Plattform im Visier, auf der in letztlich betrügerischer Absicht vorrangig Abbildungen schwerer sexualisierter Gewalt gegen Kinder angepriesen wurden, um Interessierte zum Kauf weiterer Fotos und Videos zu bewegen. An dem Verfahren beteiligt waren vorwiegend die Zentralstelle Cybercrime Bayern und das Zentrum zur Bekämpfung von Kinderpornografie und sexuellem Missbrauch im Internet (ZKI) mit Sitz in Bamberg.

Fake-Shops für Kinderpornografie: LKA deckt riesiges Betrugsnetzwerk auf

Auch wenn diese letztlich nicht geliefert wurden: "Die Fake-Shops warben mit echtem kinderpornografischem Material", betonte Bayerns Justizminister Georg Eisenreich (CSU). "Man darf nicht vergessen: Hinter jedem Bild, hinter jedem Video steht das unfassbare Leid eines Kindes." Das Verfahren zeige auch, wie erschreckend groß die Nachfrage sei.

Es handelte sich in dem Fall nicht nur um eine Plattform, sondern ein ganzes Netzwerk. Der Betreiber hatte hunderttausende Internetseiten im Darknet, die mehr als hundert Varianten der Plattform zeigten. Neben Abbildungen von Kindesmissbrauch wurden auch andere kriminelle Leistungen zum Schein angeboten, darunter gestohlene Kreditkartendaten und Login-Informationen. "Ziel war dabei stets, potentielle Kunden ohne Gegenleistung zu einer Zahlung zu animieren", so die Ermittler.

Trotz Versuchen, die Identität der Käufer zu verschleiern, konnten die Beamten bislang 440 Tatverdächtige weltweit identifizieren. Die Zahlungen wurden zwar in Bitcoin getätigt, doch die Auswertung der Kryptowährungsströme führte zu einem legalen Zahlungsdienstleister. Mithilfe der dort gespeicherten Daten, konnten die Zugriffe der Beschuldigten auf die Plattform bestätigt und den jeweils gekauften Datenpaketen zugeordnet werden.

Kinder schützen: So geht die Polizei gegen Verdächtige vor

Wenn etwa festgestellt wurde, dass Kinder bei Tatverdächtigen wohnen, wurde das Verfahren an die zuständigen Justiz- und Polizeibehörden gemeldet. So konnten unmittelbar Maßnahmen zum Wohle des Kindes ergriffen werden.

Zum Beispiel wurde bereits 2023 die Wohnung eines 31-jährigen Familienvaters in Starnberg durchsucht, der Geld für Missbrauchsmaterial auf einer der Seiten gekauft hatte. Der Mann hatte zudem einen sogenannten Totmannschalter verbaut, der sofort den Strom abstellt und dadurch Daten löschen soll. Polizeibeamte konnten das durch sofortigen Zugriff verhindern und der 31-Jährige ist inzwischen rechtskräftig verurteilt.

Ermittelt wird derzeit weltweit gegen rund 600 Nutzer, die zwischen Februar 2020 und Juli 2025 auf kinderpornografischen Plattformen Zahlungen getätigt haben. An der "Operation Alice" beteiligten sich weltweit 23 Staaten, koordiniert von Europol. In Deutschland fanden Durchsuchungen gegen 14 Verdächtige in neun Bundesländern statt (Bayern, Berlin, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen) statt. Insgesamt wurden im gesamten Ermittlungskomplex Verfahren gegen 89 Beschuldigte aus Deutschland geführt.

Fake-Shop-Netzwerk: Server vorwiegend in Deutschland

Dem gesuchten Chinesen wiederum werfen die Ermittler vor, von November 2019 bis zuletzt ein in der Spitze aus bis zu 287 Servern bestehendes Netzwerk betrieben zu haben - samt einschlägiger Linksammlungen und Darknet-Suchmaschinen, um auf die Seiten aufmerksam zu machen.

Die Server mietete er demnach überwiegend bei deutschen Serverprovidern an, zuletzt waren es 105 aktive Server mit Standort in der Bundesrepublik. Sie wurden am Dienstag beschlagnahmt und die Webseiten mit einem entsprechenden Banner versehen. Die Behörden gehen davon aus, dass deutsche Server wegen ihrer Zuverlässigkeit und Ausfallsicherheit ausgewählt wurden, sagte ein LKA-Sprecher. 

Die Ermittlungen werden den Angaben zufolge noch einige Zeit andauern, zumal im Rahmen der polizeilichen Maßnahmen eine Vielzahl von elektronischen Datenträgern, Mobiltelefonen und Computern sichergestellt wurde.

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