Zwei Brötchen beim Bäcker mit der Karte bezahlen. Was bis vor kurzem von einer entschuldigenden Geste begleitet worden wäre, ist nun das Gebot der Stunde: Die Hygiene bestimmt das Zahlungsmittel. Scheine und Münzen haben derzeit ebenso Kontaktverbot wie die Menschen, die bis vor kurzem noch munter mit ihnen gezahlt haben. Könnte das auch nach der Krise so bleiben? Thomas Schmidt (Mitglied des Vorstands der Sparkasse Bamberg) und Gregor Scheller (Vorstandsvorsitzender der VR Bank Bamberg-Forchheim) geben Einblick in aktuelle Zahlen und Entwicklungen.

Wie gerne zahlen Ihre Kunden bereits kontaktlos?

Thomas Schmidt: Der Trend zu kontaktlosem Bezahlen ging schon in den beiden letzten Jahren steil nach oben. Von 6000 Bezahlvorgängen im Januar 2018 auf 174 000 im Dezember 2019. Der Trend wird sich weiter fortsetzen, zumal das Limit für Kartenzahlungen ohne PIN-Eingabe mit der Girocard von 25 auf 50 Euro heraufgesetzt wird.

Gregor Scheller: Wir sehen eine starke Zunahme an kontaktlosen Zahlungen. Die Quote der berührungsfreien Zahlungen lag im März 2020 bei circa 50 Prozent. Eine Verdoppelung im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Kunden sind derzeit aufgrund der Infektionsgefahr aufgefordert, sofern möglich kontaktlos zu bezahlen. Wie bewerten Sie diese Option allgemein?

Thomas Schmidt: Wie auch die Weltgesundheitsorganisation WHO empfehlen die Sparkassen kontaktloses oder mobiles Bezahlen (mit Smartphone oder Smartwatch). Außerdem verringert sich der Bargeldumlauf, der mit sehr hohem Aufwand verbunden ist.

Gregor Scheller: Wir sehen die Option sehr positiv und zukunftsweisend. Bezahlvorgänge lassen sich deutlich schneller abschließen. Sie sind einfacher und hygienischer. So kann jeder dazu beitragen, den Einzelhandel in Zeiten der Coronavirus-Pandemie zu entlasten und sich und die Mitarbeiter an der Supermarktkasse zu schützen. Zudem reduziert mobiles Bezahlen die Wartezeit im Laden.

Wie lange dauert es noch bis zur bargeldlosen Zukunft?

Gregor Scheller: Aktuell halten sich bargeldlose Zahlungen und Barzahlungen die Waage. Eine komplett bargeldlose Zukunft ist unseres Erachtens noch nicht absehbar. Wir werden weiterhin Bargeld zur Verfügung stellen, damit wir alle unsere Kunden nach ihren Wünschen bedienen können.

Thomas Schmidt: Es gibt europäische Länder wie zum Beispiel Norwegen, in denen Bargeld fast verschwunden ist. Deutschland liegt bei bargeldlosen Transaktionen in Europa auf Platz 15. Dabei ist es nicht nur die jüngere Generation, die einfache Bezahlmöglichkeiten erwartet. Auch die ältere Generation weiß es zunehmend zu schätzen, wenn Zählen von Kleingeld wegfällt, wie uns Kunden erzählen. Die Corona-Krise könnte eine Trendwende hin zu mehr bargeldlosem Zahlungsverkehr einleiten.

Würden die Banken eine solche Entwicklung begrüßen?

Gregor Scheller: Die Bargeldbe- und -entsorgung ist für unsere Bank ein sehr aufwendiger Prozess, den wir unseren Kunden so nicht eins zu eins in Rechnung stellen. Das heißt unsere Kosten hierfür sind nicht gedeckt. Daher sind wir an neuen Technologien und Möglichkeiten interessiert.

Thomas Schmidt: Die Digitalisierung bringt viele neue Möglichkeiten, beim Bezahlen auf Bargeld zu verzichten. Es ist vor allem die Kartenzahlung, sei es kontaktlos oder mobil, die ein bequemes und sicheres Bezahlverfahren darstellt. Es wäre schön, wenn damit mehr bezahlt wird, da wir dadurch die aufwendige Bargeldlogistik reduzieren könnten.

Wie sieht kontaktloses Zahlen in der nahen Zukunft aus?

Thomas Schmidt: Bezahlen soll bequem und sicher sein, deswegen werden zunehmend alltägliche Gegenstände entwickelt, so dass man sie zum Bezahlen einsetzen kann - zum Beispiel Uhren oder Ringe. Es gibt auch schon interessante Lösungen für In-Car-Payment oder Einkaufen in einem Laden ohne Kasse.

Gregor Scheller: Wir erwarten, dass sich die Zahlungsform des Mobile Payments (kontaktlose Bezahlen mit der digitalen Karte per Smartphone) stärker entwickelt. Dabei wird das Smartphone einfach vor das Kassenterminal gehalten und der Einkauf sekundenschnell bezahlt.

Wie steht es um die Sicherheit neuer Technologien?

Gregor Scheller: Der erforderliche Abstand zwischen Terminal und Karte ist so gering, dass eine unbeabsichtigte Zahlung verhindert wird. Allein durch Vorbeigehen an einem Lesegerät lässt sich kein Geld abbuchen. Zudem ist der Höchstbetrag zum mehrmaligen, kontaktlosen Bezahlen ohne Pin begrenzt. Zusätzlich greift noch ein weiterer Sicherheitsmechanismus: Nach mehreren aufeinanderfolgenden Transaktionen ohne Pin-Eingabe muss der Kunde die Zahlung via Pin legitimieren.