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Bamberg
Kultur

Bands brauchen Raum

Immer noch fehlen Bamberger Bands genügend Proberäume. Die Stadt hat derweil mehrere Optionen im Blick.
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Nach dem Aus für das "House of music" suchen viele Bands weiter nach Proberäumen.  Archivfoto: Markus Klein
Nach dem Aus für das "House of music" suchen viele Bands weiter nach Proberäumen. Archivfoto: Markus Klein

"Die Leute befürchten, dass sich die Lage durch Corona noch eher verschlechtert als verbessert", erzählt Maximilian Mende am Telefon. Gemeint ist die Situation der Bandprobenräume in der Stadt Bamberg. Das Vorstandsmitglied der Bamberger Festivals e.V. muss es wissen: Seit dem Ende des "House of Music" in der Böttgerstraße im März 2019 - was den Verlust von 50 Proberäumen bedeutete - organisiert er die Bandszene bei Livetreffen, spricht mit der Politik und hat nach einer Umfrage im vergangenen Herbst eine erneute Runde gestartet. Bis Ende Juni kamen 60 Antworten zusammen.

"Aktuell suchen immer noch 50 Teilnehmer nach einem Bandprobenraum für sich", hält Mende fest. Das deckt sich mit der Erfahrung im Herbst. Bemerkenswert sei jedoch, dass mehr als die Hälfte der Befragten beim letzten Mal noch gar nicht dabei war. Wer einen Proberaum gefunden habe, könne dort oft nicht dauerhaft bleiben oder die Bedingungen seien schlecht. Konkret heißt das: kein Klo, schlechte Stromanbindung oder miese Lüftungsmöglichkeiten.

Organisator Mende hat den ungefähren Platzbedarf hochgerechnet: Nach den Angaben aus der aktuellen Umfrage fordern die Bands rund 1000 Quadratmeter Platz. Bei einer Wunschgröße von 20 Quadratmetern im Schnitt bräuchte es 25 einzelne Räume. Möglicherweise haben die Musiker ihre Wünsche bereits an die Realität angepasst oder Bands haben sich verkleinert: Im Herbst kamen ganz 1500 Quadratmeter Bedarf zusammen. "Hauptsache ist, dass wir ein Haus mit Fenster haben, wo wir die Nachbarn nicht stören. Egal wo", zitiert Mende aus einem Kommentar der Umfrage.

Die große Frage bleibt: Wie will man ein Bandprobenhaus auf finanziell sichere Beine stellen? Die Zahlungsfähigkeit der jungen Bands habe natürlich Grenzen. Dafür würden aber umso mehr tatkräftig anpacken wollen: "20 Menschen haben uns geschrieben, dass sie sogar bei einer Sanierung eines Objektes dabei wären", betont Mende. Zwölf Personen würden auch die Verwaltung eines solchen Projekts unterstützen. Der Festivalorganisator könnte sich auch eine gemeinnützige GmbH in gemeinsamer Trägerschaft von Stadt und Landkreis Bamberg vorstellen. Denn nicht zuletzt kommen von den Befragten 45 Prozent aus der Stadt und 36 Prozent haben ihren Sitz im Landkreis. Die Frage strahlt somit weit über die Grenzen der Weltkulturerbestadt.

Mehrere Objekte begutachtet

In Gesprächen mit der Stadt Bamberg wurden schon mehrere Objekte begutachtet. Oberbürgermeister Andreas Starke und Landrat Johann Kalb haben gemeinsam die Landkreiskommunen um Objektvorschläge gebeten. Zur Fachsenatssitzung stehen in einem breitgefächerten Antragspaket zur generell und besonders durch Corona gebeutelten Szene der Kulturschaffenden auch die Proberäume auf der Tagesordnung.

"Ich bin guter Dinge, dass wir zeitnah neue Bandprobenräume in der Stadt einrichten können." Die neue Kulturreferentin Ulrike Siebenhaar ist optimistisch: In den vergangenen Tagen sei nochmals mehr Dynamik ins Thema gekommen. Dabei stünden vier Immobilien im Raum - drei in privater Hand sowie eine städtische, welche zuvor noch keine Beachtung gefunden habe. Für alle Räume gelte: "Brandschutz, Lärmschutz und Sicherheit müssen entsprechend gewährleistet sein." Schließlich wolle man nicht, dass sich eine Situation wie im House of Music wiederhole. Bei manchen Sanierungsarbeiten könnte die Stadt auch hilfsbereite Musiker nach Abstimmung hinzuziehen.

Dabei schwanken die Immobilen weniger in der Anzahl von rund 30 Räumen für die Proben, als vielmehr in der Möglichkeit, noch Gemeinschaftsräume wie zum Beispiel ein Aufnahmestudio oder auch eine kleine Bühne zu integrieren. Die kostengünstigste Variante wäre die städtische Immobilie. Allerdings sei dies nur eine mittelfristige Lösung. "Am besten wäre es natürlich, zwei Immobilen nutzen zu können, aber gut wäre schon eine", findet Siebenhaar in dem Wissen, dass sich mit einem Standort nicht der komplette Bedarf der Bands abdecken lässt.

Mit dem Rücken zur Wand

Und das bleibt nicht die einzige Herausforderung: "Ich bin erschüttert, wie viele Künstler mit dem Rücken zur Wand stehen", betont die Kulturreferentin mit Blick auf die Corona-Krise. Jetzt gehe es darum, die Kulturszene in ihrer Vielfalt zu erhalten und zu retten.