Müllsammler im Erba-Park wollen ein Zeichen setzen und sensibilisieren. Die Müllberge im Erba-Park und anderswo sehen sie als Folge sozialer Verwahrlosung.
Es war ein sonniges Frühlingswochenende in Bamberg; auch im Erba-Park scheint es wieder hoch hergegangen zu sein. Die Folgen hat Florian Schlund mit seinem Fahrradanhänger zum Bauhof des Gartenamts in der Coburger Straße transportiert. Berge von Müll, die noch in den Morgenstunden auf der Halbinsel verstreut lagen, stecken jetzt im blauen Plastiksack. Zehn Abfallsäcke sind zusammengekommen.
Einem Müll-Sammel-Aufruf von Schlund (55), der sich selbst als Aktivist bezeichnet, waren rund 20 Menschen an zwei Tagen gefolgt. Vom siebenjährigen Mädchen bis zum 70-Jährigen Rentner scheint das Thema die Menschen zu bewegen. Am ehemaligen Schleusenwärtershäuschen, bekannt auch als Cafe Zuckerl, trafen sie sich, um aufzuräumen, was in den Nächten zuvor achtlos weggeworfen worden war.
"Wir möchten etwas tun und nicht nur motzen", beschreibt der seit kurzem in Memmelsdorf lebende Exil-Münchner und ehemalige Zahnarzt Schlund die Motivation, die ihn und andere antreibt. Doch ebenso sei es das Ziel, zu sensibilisieren, dass hier etwas schiefläuft. Denn hört man Schuld, dann ist der Dreck, den Feierwütigen hinterlassen, nicht nur ein logistisches Problem für die Beschäftigten des Gartenamtes, sondern ein grundsätzliches Zeichen "asozialen, gegen die Gemeinschaft gerichteten Verhaltens". "Das ist fehlende Erziehung. Da ist etwas kaputt, tief in unserer Gesellschaft. "
Von der Rotweinflasche bis zum Wegwerfgrill, Plastikbecher und immer wieder Papier- und Kunststoffverpackungen: Auch am vergangenen Wochenende stapelten sich wieder unappetitliche Müllberge rund um die städtischen Abfallbehälter, die zum Großteil nicht einmal voll waren.
Offenbar ist es den Leuten, die hier feiern, zu anstrengend, den Müll in die städtischen Abfallbehälter zu stopfen.
Schlund, der ähnliche Aktionen schon im München durchgeführt hat, geht es nicht darum persönliche Aufmerksamkeit zu erzielen. Er möchte darauf hinwirken, dass der Missstand gar nicht erst entsteht. Verbessern könne man die Situation aus seiner Sicht schon durch ein paar technische Maßnahmen. Die Reinigungsintervalle könnten erhöht, an den neuralgischen Punkten Abfallbehälter mit größeren Öffnungen aufgestellt werden.
Doch wird das reichen? Und wird die Stadt auf Dauer das Geld dafür aufwenden wollen? Wohl kaum: Für Robert Neuberth vom Gartenamt reicht das Budget heute schon kaum mehr für die Vielzahl der Aufgaben des Gartenamts. 100 Müllbehälter gibt es ihm zufolge auf der Erba-Insel. Zwei Mal die Woche werden sie vom Gartenamt gereinigt, einmal von den Mitarbeitern der Lebenshilfe. Er glaubt nicht daran, dass sich durch häufigere Leerungen die Sauberkeitsmoral der feiernden Leute bessert. Zudem hat die Stadt die Erfahrung gemacht, dass in Abfalleimern mit größeren Einwurföffnungen am Ende sogar ganz gewöhnlicher Haushaltsmüll landet
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Doch damit geben sich Schlund und seine Mitstreiter nicht zufrieden: So könne das Ordnungsamt seiner Kernaufgabe nachkommen und etwa die Einhaltung des Grillverbots überwachen. Auch ein runder Tisch mit Vertretern von Schülern und Studenten, Gewerkschaften und Migrationsbeiräten, könne helfen, einen Dialog in Gang zu setzen.
Ob es dazu kommt? Die Müllberge auf der Erba-Insel sind jetzt schon ein Dauerbrenner. Sie ärgern viele, die den Park am Tag nutzen wollen. "Ein Spaziergang auf der Erba-Insel sollte kein Eierlauf zwischen Müll, Glasscherben, Hundekotbeuteln und Windeln sein", schreibt Stephanie Feuerpfeil auf dem Portal inFrankenmelder.
Ein großes Lob an die freiwilligen Helfer, ich finde das toll.
Strafen wären wirklich angepracht, denn diese Verschmutzungen sind kein Kavaliersdelikt. Denn nur wenns im Geldbeutel weh tut kommen diese Menschen wahrscheinlich zum nachdenken.
Diese Menschen die ihren Müll so entsorgen werden sich mit Sicherheit keine Gedanken machen zwecks Müllvermeidung.
Das einzige was hier hilft sind Richtige Strafen wie z.B. in Singapur. Da geht es mit ca. 311 Euro los für achtloses Müll wegwerfen. Als Ersatzstrafe wäre 4 Wochen Grünanlagen Reinigung auch ok. Das müsste halt dann auch entsprechend Kontrolliert und durchgesetzt werden.
Das Problem mit dem Müll gibts ja nicht nur auf der Erba, das finden wir im Hain, auf der Unteren Brücke, in der Innenstadt bei diversen Veranstaltungen, in den Grünanlagen vom Troppauplatz usw. usw.
Es ist gut, dass es menschen gibt, die sich darum kümmern, es können nicht immer nur die Mitarbeiter der Stadt sein, die den Dreck wegmachen, allerdings habe ich die Befürchtung, dass der Müll und die Müllberge dadurch noch größer werden, denn wenn so eine Aktion häufiger durchgeführt wird, wird der müllproduzierende Mensch vielleicht auf die Idee kommen, er bräuchte gar nichts mehr wegzuräumen.
Die Sensibilisierung der Menschen für das Müllproblem muss verstärkt werden, es muss jedem klar werden, dass es sinnvoller und verantwortungsbewusster ist, seinen Müll wieder mitzunehmen oder gar nicht erst mitzubringen. Lebensmittel kann ich zu Hause schon in entsprechende Schüsseln packen oder ich kann schon beim Einkaufen darauf achten, dass sie nicht zu viel verpackt sind. Die Plastiktüten wurden mit großem Tamtam verboten, Bananen oder Äpfel bekomme ich aber immer noch in Folie verpackt, manchmal sogar einzeln verpackt oder es werden geschälte Mandarinen in Plastik angeboten.
Allgemein müsste das Verständnis und der verantwortungsvolle Umgang mit der Umwelt im Vordergrund stehen, dann würde sich auch das Müllproblem lösen, aber leider jammern viele über den Müll, aber sie tun nichts zur Müllvermeidung und interessieren sich auch nicht dafür, dass es Abfallbehälter gibt bzw. dass man auch eine Mülltonne zu Hause hat.
Schon seit vielen Jahren höre ich, wenn ich das achtlose Wegwerfen bzw. Liegenlassen von Zigarettenkippen und -schachteln, Bonbonpapieren und -tüten etc. moniere, immer wieder: "Das wird doch weggeräumt."
In meiner Heimat haben sich deshalb beispielsweise die großen Umweltverbände seinerzeit entschieden gehabt, keine Müllsammelaktionen in der Landschaft durchzuführen. Abgesehen davon, werden bei den meist im Frühjahr stattfindenden Kampagnen viele Tiere gerade in der Frühzeit ihrer Brutvorbereitung bzw. Jungenaufzucht massiv gestört, was im Herbst weniger der Fall wäre.