Bamberger Innenstadt: Stärken und Schwächen
Autor: Jann Weckel
Bamberg, Freitag, 13. April 2018
Die Innenstadt ist für das Gewerbe attraktiv, obwohl die Umsätze des E-Commerce steigen. Bamberg hat viel zu bieten, aber auch Raum für Verbesserungen.
Seit der Onlinehandel boomt, haben viele Einzelhändler zu kämpfen. Die weitere Entwicklung ist auch laut Experten kaum vorhersehbar: Hat der Handel im Internet so langsam seinen Höhepunkt erreicht oder gräbt er weiterhin den Geschäften in den Städten das Wasser ab? In Bambergs Innenstadt ist trotzdem regelmäßig viel Betrieb, leere Gewerbeflächen sind selten. Ein klares Zeichen für die Stärken des Stadtzentrums, doch es gibt auch Schwächen.
Auslastung sehr gut
Die Bamberger Innenstadt sei für den Handel attraktiv, sagt Ruth Vollmar, Leiterin der Wirtschaftsförderung der Stadt Bamberg. "Das Problem der langen Leerstände haben wir hier auf keinen Fall." Das liege daran, dass der Kernbereich der Innenstadt - allen gelegentlichen Unkenrufen zum Trotz - alles andere als tot sei: "Wir haben eine sehr hohe Frequenz in der Fußgängerzone", sagt Vollmar. Zwar seien viele Passanten keine Garantie für erfolgreichen Handel, "aber ohne geht es ja auch nicht." Alfons Distler, Vorsitzender des Stadtmarketings und Geschäftsführer von Karstadt Bamberg, teilt diese Meinung: "Wir haben in der Bamberger Innenstadt eine sehr gute Auslastung." Nur im Ergänzungsbereich, wie der Königs- oder Luitpoldstraße, gebe es gelegentliche Leerstände.Was Bambergs Innenstadt von anderen unterscheide, sei laut Vollmar die Mischung aus Filialen größerer Ketten und inhabergeführten Läden. "Eine Stadt braucht beides. Das Publikum erwartet ein gewisses Angebot an sogenannten Filialisten", erklärt Ruth Vollmar. Als Beispiel führt sie Fürth an, wo in den vergangenen Jahren durch verschiedene Maßnahmen lange dafür gekämpft wurde, dass große Handelsunternehmen dort Filialen eröffnen. Durch die Nähe zu Nürnberg und Erlangen drohte Fürths Innenstadt in die Bedeutungslosigkeit zu rutschen. Doch damit allein sei es nicht getan: "Die individuellen Geschäfte machen den Charakter eine Stadt aus. Beides ist enorm wichtig."
Ein weiterer Baustein des Branchenmixes in Bambergs Zentrum sind die vielen Dienstleistungen, wie Anwälte, Ärzte, Banken oder Reisebüros. Ein Aspekt, wo die Innenstadt gegenüber Gewerbegebieten wie am Laubanger punkten kann: "Diese Dienstleistungen findet man eher in der Innenstadt", sagt Alfons Distler. "Dadurch herrscht dort ein anderes Flair." Das sieht Ruth Vollmar ähnlich: "Dieses ergänzende Angebot holt die Frequenz in die Innenstadt. Viele möchten einen Arztbesuch gerne damit verbinden, ein bisschen durch die Stadt zu bummeln."
Damit das möglich ist, müsse eine Stadt aber auch erreichbar sein. "Die Innenstadt ist umzingelt von Parkhäusern", sagt Vollmar. Hinzu komme der ZOB und die Park-and-Ride-Anlagen etwas außerhalb. "Es gibt ausreichend Möglichkeiten. Was in der Stadt nicht geht, ist der Parkplatz vor der Haustür."
Im "Einzelhandelsentwicklungskonzept für das Oberzentrum Bamberg", dass die Stadt 2015 in Auftrag gegeben hatte, wurde auf Defizite der Innenstadt hingewiesen. Zum Beispiel wurde der geringe Anteil an Lebensmittelgeschäften bemängelt. "Im Bereich Lebensmittel gibt es in der Innenstadt definitiv zu wenig. Da sehe ich den größten Handlungsbedarf, was die Nahversorgung angeht", sagt auch Alfons Distler.
Lange Straße wird aufgewertet
Umso erfreulicher sei es, dass im Quartier an den Stadtmauern ein Rewe-Markt untergebracht sein wird. "Dass da etwas fehlt, das war uns durchaus bewusst", sagt Ruth Vollmar. Doch die in der Innenstadt vorhandenen Flächen hätten nicht den Anforderungen der Branche entsprochen. Bis zu 1200 Quadratmeter seien für Supermärkte üblich gewesen. "Die Vollsortimenter haben aber mittlerweile gemerkt, dass eine Art Reurbanisierung stattfindet und das Auto beim Einkaufen keine so große Rolle mehr spielt. Nun haben sie auch kleinere Formate im Angebot."Das fertige Quartier an den Stadtmauern wird sehnsüchtig erwartet: "Wir freuen uns sehr auf die Lange Straße ohne Baustellen", sagt Ruth Vollmar. "Das wird eine sehr aktive Einzelhandelsstraße." Auch Alfons Distler betont: "Die Lange Straße ist das A und O."
Auf einen deutlichen Rückgang der Ladenflächen im Bereich Bücher-, Schreib- und Spielwaren wurde im Einzelhandelsentwicklungskonzept vor drei Jahren ebenfalls hingewiesen. Seit nun auch noch das Schreibwarengeschäft Metzner in der Hauptwachstraße geschlossen hat, fehle laut Ruth Vollmar gerade im Schreibwarensektor "etwas im hochpreisigen Bereich. Es ist aber schwierig, da auf die Suche zu gehen." Durch das Sortiment von Karstadt und der Drogerie Müller sei dieser Bereich sonst aber noch gut abgedeckt.
"Ein Multimediaanbieter würde der Stadt gut tun", findet Alfons Distler. Auf ein fehlendes Angebot im Elektronikbereich hätten Gutachten in der Vergangenheit auch aufmerksam gemacht, sagt Ruth Vollmar. Aber: "Das wäre wünschenswert, doch so etwas wird man nicht mehr in die Innenstadt bekommen. Die Kunden wollen dort dann auch wenigstens zehn Waschmaschinen zur Auswahl sehen. Die Flächen dafür haben wir nicht."
Inhaber werden unterstützt
Die Wirtschaftsförderung bemüht sich außerdem sehr darum, den inhabergeführten Geschäften mit Vorträgen und Workshops in Bereichen wie Digitalisierung oder Ladengestaltung unter die Arme zu greifen."Wir finden diese Läden sehr wichtig. Manches kommt aber einfach ein bisschen altmodisch rüber", sagt Ruth Vollmar. "Diese Läden müssen über das Internet zumindest auffindbar sein. Das Potenzial durch die Touristen ist riesig. Die lieben diese Läden. Gleichzeitig leiden sie aber am meisten unter dem Onlinehandel."