Bamberg
Archäologie

Bamberger Forscher tauen 1300 Jahre altes Kindergrab auf - Was steckt hinter dem "Eisprinzen"?

Im Bamberger Depot des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege tauen Forscher in diesen Tagen ein 1300 Jahre altes Kindergrab auf. Anschließend soll der mit wertvollen Schätzen bestattete Junge genauer untersucht werden.
Bamberg: Forscher tauen tiefgefrorenes Grab aus 7. Jahrhundert auf - Junge soll untersucht werden
Die Grabkammer bevor diese ausgegraben und nach Bamberg transportiert wurde. Foto: BLfD
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  • Bamberg: Tiefgefrorenes Kindergrab aus 7. Jahrhundert wird von Eis befreit
  • Junge wurde mit Hund und wertvollen Beigaben bestattet
  • Grab trat 2021 in Tussenhausen (Unterallgäu) zutage
  • Was steckt hinter dem "Eisprinzen"? Forscher erhoffen sich Antworten auf verschiedene Fragen

Seit dieser Woche befreien Forscher im Bamberger Depot des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege (BLfD) einen im 7. Jahrhundert bestatteten Jungen von seinem Eispanzer. Im Zuge der Erschließung eines neuen Baugebiets im Tussenhausener Ortsteil Mattsies (Landkreis Unterallgäu) war die Grabkammer mit außergewöhnlich gut erhaltenem Kindergrab vergangenes Jahr zutage getreten. Durch eine neu entwickelte Methode - inFranken.de berichtete - schützte Eis die Bestattung beim Transport in die archäologische Restaurierungswerkstatt.

"Eisprinz" wird in aufwendigem Verfahren in Bamberg aufgetaut 

Archäologen hatten den Boden der Grabkammer einschließlich der Überreste des reich bestatteten Knaben im Oktober 2021 im Ganzen gehoben, wie das BLfD in einer Pressemitteilung am Mittwoch (29. Juni 2022) zusammenfasst. Das Besondere daran: Die steinerne Kammer war offensichtlich so dicht, dass anders als sonst üblich keine Sedimente ins Innere gedrungen waren.

Dies erkläre den außergewöhnlich guten Zustand der Funde. Ein Team des BLfD hatte den Kammerinhalt zur Stabilisierung Lage für Lage mit Wasser benetzt und diese mit Flüssig-Stickstoff schockgefrostet. "Nun ist der Spitzname unseres kleinen Eisprinzen bald obsolet. Sein schützender Eispanzer wird behutsam und sukzessive durch gezieltes Erwärmen abgebaut", erklärt Generalkonservator Mathias Pfeil, Leiter des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege.

Das Auftauen soll voraussichtlich mehrere Tage dauern, heißt es weiter. Die Restauratorinnen und Restauratoren arbeiteten dafür mit Heißluft und Lötkolben. "Damit das frei werdende Tauwasser die Funde nicht beschädigt, wird es über einen speziellen Sauger abgeleitet", teilt das Amt mit. In den Bearbeitungspausen sorge eine Kühlhaube für eine konstante Temperatur von minus vier Grad.

Leder, Kleidung, Schmuck - zahlreiche Materialien erhalten

Im Anschluss werden unter anderem Anthropologen und Archäobotaniker erste Materialproben analysieren. Später sollen die in den letzten Monaten geplanten detaillierteren Untersuchungs- und Dokumentationsarbeiten beginnen. Diese sollen dann die Umstände der Bestattung, die Todesursache und das Alter des Kindes klären. Das maximal zehn Jahre alte Kind, begraben mit einem Hund zu seinen Füßen, stamme vermutlich aus wohlhabenden Kreisen.

Die Grabbeigaben sprechen dafür: etwa ein Schwert mit einem mit Goldbeschlägen verzierten Gurt und reicher Schmuck wie Goldblattkreuze und Armreifen aus Silber. Für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von besonderer Bedeutung seien aber vor allem die organischen Reste.

"Zahlreiche Stoff- und Lederreste beispielsweise von der Schwertscheide, dem Waffengurt sowie der Kleidung sind erhalten. Sie versprechen hochinteressante Einblicke in die Grabausstattung und in die frühmittelalterliche Textiltechnologie", sagt Britt Nowak-Böck, Leiterin der archäologischen Restaurierungswerkstätten des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege.