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Bamberg: Traditionsbäckerei Loskarn schließt nach 36 Jahren - "zu knapp besetzt"


Autor: Isabel Schaffner

Bamberg, Montag, 04. April 2022

Wie viele andere Handwerksbetriebe ist auch die Bamberger Bäckerei Loskarn von Personalnot betroffen. Die Schließung einer Filiale sei unausweichlich gewesen, um die Belegschaft nicht zu überfordern.
Im "Lädäla" der Bamberger Bäckerei Loskarn sind keine Backwaren mehr zu finden. Der Laden kann aufgrund von Personalmangel nicht mehr gehalten werden.


  • Bamberger Bäckerei Loskarn muss Filiale schließen
  • "Zu knapp besetzt" - intensive Suche nach neuem Personal in vollem Gange
  • Bamberg, Hallstadt, Hirschaid und Co.: Welche Filialen erhalten bleiben 
  • "Jetzt erst recht die Ärmel hochkrempeln": Wie die Familienbäckerei ihre Zukunft sichern will

In zweiter Generation besteht der "Lecker-Bäcker" Loskarn in Bamberg bereits. Vor allem für ihre Schnäggla Brötchen, die gefüllten Plunderstückchen und mit mediterranem Gemüse belegte Brötchen seien sie bekannt, erklärt Inhaber Thomas Loskarn. Weil die Personalsituation allerdings "momentan extrem" angespannt sei, könne "Loskarn's Bäckn Lädäla" gegenüber der Heinrichskirche nicht mehr geöffnet bleiben. "Wir müssen nach vorne schauen und das Beste draus machen", sagt der 58-Jährige und reagiert mit diesem Motto in seinem Unternehmen auf die Herausforderungen der Zeit.

Bamberger Bäckerei Loskarn reduziert Zahl der Standorte - ansonsten drohe Überforderung

Die Entwicklung habe sich bereits in den vergangenen Wochen abgezeichnet. Zuletzt sei das "Lädäla" nur vormittags geöffnet gewesen, dann vor drei Wochen habe es ganz schließen müssen, erklärt Loskarn. Zunächst nur vorübergehend, doch nun auf absehbare Zeit. Zwar habe das Team neue Mitarbeiter*innen finden können, dennoch sei die Bäckerei "zu knapp besetzt", um stetig zu öffnen. "Wir hätten es zwar geschafft, diese und vergangene Woche wieder zu öffnen, doch es bringt nichts, den Laden zwei Wochen auf und drei Wochen geschlossen zu haben. Das ist für die Kundschaft ganz schwer greifbar", erklärt Loskarn.

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Vor allem in Hinblick auf die Urlaubszeit um Ostern, sei eine weitere Öffnung nicht zu stemmen. "Wir wollen ja auch unseren Mitarbeitern ihre Freizeit gewähren und sie nicht überfordern", so der Bäckereibetreiber. Daher würde das "Lädäla"-Personal auf die anderen Standorte verteilt, wodurch regelmäßige Öffnungszeiten gewährleistet werden könnten. "Begeistert sind wir auch nicht, aber die Schließung war das geringste Übel, um die Verkaufsstunden wieder aufeinander abzustimmen."

Wie für viele andere Bäckereien sei es in diesen Zeiten schwierig, Menschen für Bäckereiberufe zu gewinnen. Dabei könne es in einer Bäckerei "wahnsinnig Spaß machen", betont Loskarn. "Wir suchen sehr intensiv nach zuverlässigem und engagierten Fachpersonal." Damit seien auch Branchenfremde gemeint, die "an die Hand genommen" und an den Beruf herangeführt würden. Darin habe Familie Loskarn inzwischen Übung und sei froh über zwei hinzugewonnene Fahrer. Doch seien nach wie vor Ausbildungsplätze zum Bäcker, Konditor und Bäckereifachverkäufer zu besetzen. 

Kundschaft zeigt sich traurig: "War Teil der Familie"

Manche Fans der Bäckerei reagierten traurig auf die Facebook-Ankündigung am Freitag (1. April 2022): "War gefühlt ein Teil der Familie. Wie traurig", schreibt eine Nutzerin. "Das Lädla ist so viel für uns Anwohner, bis hin zum sozialen Treffpunkt. Wir brauchen das!", kommentiert ein anderer Nutzer und bittet das Team, die Entscheidung zu überdenken.

Diesen bedrückten Reaktionen entgegnet Thomas Loskarn allerdings: Die nächste Filiale ist gleich um die Ecke. Nur 300 Meter entfernt liege nämlich die Verkaufsstelle am Troppauplatz. Diese ist laut Webseite von Montag bis Freitag von 5.30 Uhr bis 18 Uhr, samstags von 5.30 Uhr bis 14 Uhr und sonntags von 8 Uhr bis 13 Uhr geöffnet.

Hier fände die Kundschaft das gesamte gewohnte Sortiment, bei dem Loskarn sichergehe, dass dieses in seinem Umfang auch in Zukunft erhalten bleibe. Daneben ist eine Filiale in der Erlichstraße 54 und das Café Niko am Heinrichsdamm 6 zu finden. Mit Hallstadt, Hirschaid, Memmelsdorf, Neuses, Oberhaid kommen die Loskarns auf insgesamt acht Filialen.

"Mehr auf das Wesentliche konzentrieren": Bäckerei reagiert auf äußere Entwicklungen 

Thomas Loskarn schaut trotz so mancher Herausforderung zuversichtlich in die Zukunft. Auch seine Bäckerei habe sich gezwungen gesehen, die Verkaufspreise zum 1. April etwas anzuheben. Immerhin koste das Mehl inzwischen 8500 Euro mehr pro Monat. Doch Loskarn versichert: "Uns wird es in den nächsten Jahren in der Art sicher geben." 

Loskarn merke, dass Corona-Pandemie, Klimawandel und Ukraine-Krieg die Gesellschaft zum Umdenken brächten, was auch notwendig sei. "Vielleicht ist es ganz gut, wenn man sich wieder mehr auf das Wesentliche konzentriert. Das heißt, mit dem, was verfügbar ist, zu haushalten. Freilich ist alles, was um uns herum passiert, absolut nicht ohne, aber dann heißt es 'Jetzt erst recht die Ärmel hochkrempeln'".