Bamberg: Kinderschänder gesteht 42 Taten - er wohnte im Zimmer eines Opfers
Autor: Isabel Schaffner
Bamberg, Freitag, 26. November 2021
Am Landgericht Bamberg ist ein 22-Jähriger wegen sexuellen Missbrauchs in über 40 Fällen schuldig gesprochen worden. Unter den Opfern ist ein Junge, dessen Familie den Täter zeitweise aufgenommen hatte.
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Bereits im Mai 2020 hatte das Landgericht Bamberg den 22-Jährigen wegen sexuellen Missbrauchs zwischen Anfang 2017 und Juni 2018 verurteilt. In dieser Zeit wurden allerdings nicht alle Taten aufgedeckt. Um gänzlich abschließen zu können, gestand der junge Mann weitere Vergehen an drei minderjährigen Jungen in diesem Zeitraum in Rheinland-Pfalz und im Landkreis Bamberg, woraufhin es zu einer erneuten Gerichtsverhandlung am Mittwoch (24. November 2021) kam. Er wurde des schweren sexuellen Missbrauchs in 40 Fällen und des sexuellen Missbrauchs in zwei Fällen schuldig gesprochen. Das Gericht urteilte nach Jugendstrafrecht.
Kinderschänder vor Landgericht Bamberg: Opfer sind kleine Jungen
Der Verurteilte sitzt während der gesamten Verhandlung ruhig neben seinem Verteidiger Thomas Drehsen und nimmt teil an der Aufarbeitung seiner Taten. Seit er zwölf Jahre alt sei, habe er "praktisch durchgängig sexuelle Kontakte" zu Minderjährigen - bis auf wenige Ausnahmen - Jungen gehabt, fasst die Psychiaterin Monika Vilsmeier aus einem Gespräch mit ihm zusammen.
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Bis er dreizehn oder vierzehn gewesen sei, habe er mit Gleichaltrigen zu tun gehabt, doch danach sei er "im Entwicklungsstand steckengeblieben", erklärt der junge Mann. Seine Opfer seien jung geblieben. Das Bedürfnis nach den Handlungen habe ihn regelmäßig "überrannt".
Der 22-Jährige habe genaue Präferenzen, was seine Opfer betreffe, stellt sich im Lauf der Verhandlung heraus: So suche er für seine Taten vor allem Jungen im Alter von elf Jahren aus, bei denen die Pubertät noch nicht eingesetzt habe. Braunhaarig oder blond müssten sie sein, erklärt Vilsmeier.
Tat im Landkreis Bamberg besonders perfide
In den meisten Fällen habe er elektronisch Kontakt zu den Kindern aufgenommen, erklärt der junge Mann, beispielsweise über eine Online-Spiele-Plattform. So auch bei einem seiner Opfer, dessen Fall während der Verhandlung am meisten hervorsticht.
Mehrere Male wechselte der Verurteilte in seinem Leben den Wohnort, lebte mit seinen Eltern und den Geschwistern etwa in Hessen, dann mal alleine, mal bei einem Bekannten oder seinem Bruder in Rheinland-Pfalz, bis er nach Bayern kam. Hier, im Landkreis Bamberg, habe er eine Beziehung zu einer Familie aufgebaut, die ihn übergangsweise bei sich aufgenommen habe. Das Fatale: Die Mutter habe ihn im Zimmer seines Opfers, dem Sohn, schlafen lassen, ohne die Taten zu bemerken, erklärt sie dem Gericht. Mehrfach habe er sich an dem Minderjährigen vergangen oder sexuelle Handlungen bei sich vorgenommen, die der Junge beobachtet habe. "Es ging sicher ein bis zwei Jahre", erklärte ein geladener Beamter der Kriminalpolizei Bamberg.