Aufseßhöflein: Schmuckstück statt Schandfleck
Autor: Marion Krüger-Hundrup
Bamberg, Donnerstag, 24. Sept. 2015
Das Ehepaar Fiedler hat dem einstigen "Geisterhaus" Aufseßhöflein neues Leben eingehaucht. Gestern wurde das generalsanierte Schlösschen offiziell eingeweiht - auch als neue kulturelle Veranstaltungsstätte in Bamberg.
Jahrzehntelang war das Aufseßhöflein inmitten des Gleisdreiecks in der Bamberger Nordflur eines der größten Sorgenkinder der Denkmalpflege: ein stetig verfallendes "Geisterhaus", wie es die "Schutzgemeinschaft Alt Bamberg" einmal bezeichnete. Über die Jahre als Gärtnerhaus, Stall und Scheune missbraucht, von Leerstand und Vandalismus gezeichnet, zuletzt vom Einsturz bedroht und durch ein Notdach gesichert, war kaum noch zu erahnen, welch barockes Lustschlösschen sich hier verbarg.
Als Ruine gekauft
Das Ehepaar Stephan und Andrea Fiedler hatten wohl diese Ahnung und vor allem die Vorstellungskraft, was aus dieser Unzierde entstehen kann.
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Die Fiedlers erwarben die Ruine 2011 von seinem privaten Vorbesitzer - und gaben dem Aufseßhöflein seinen alten Charme zurück: "Ein wunderbares, einzigartiges Kleinod!" schwärmte Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) über das gerettete und wieder instand gesetzte Schlösschen im gestrigen Festakt, mit dem der Abschluss der Generalsanierung gefeiert wurde. Und zwar im repräsentativen, lichtdurchfluteten Gartensaal mit Rokoko-Stuck, der künftig auch für öffentliche kulturelle Veranstaltungen genutzt werden kann. Die Eheleute Fiedler, die mit ihrer Tochter im Aufseßhöflein auch wohnen, haben mit der Stadt Bamberg eine entsprechende Vereinbarung für die nächsten 25 Jahre geschlossen.
Außerdem gewinnt die Stadt mit dem Rokoko-Saal des Aufseßhöfleins einen neuen weiteren Trauungssaal hinzu.OB Starke nannte es "einen Glücksfall für die Stadt Bamberg", dass das Ehepaar Fiedler "mit viel Herzblut" aus dem einstigen Schandfleck dieses Schmuckstück gemacht habe. So eine erfolgreiche Sanierung sei nur mit einem hohen Maß an Liebe und Engagement, einer guten Zusammenarbeit mit der Denkmalbehörde und "mit viel Köpfchen und Rechnerei" zu meistern. Die Familie Fiedler habe es geschafft, allein sechs Fördertöpfe miteinander zu koordinieren: die Stiftung Weltkulturerbe Bamberg, die Oberfrankenstiftung, die Bayerische Landesstiftung, der Entschädigungsfond des Landesamtes für Denkmalpflege, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und sogar die Bundesregierung aus einem Sonderprogramm Denkmalschutz.
9000 Stunden Eigenleistung
Diesen Förderern galt denn
auch der Dank von Bauherrn Stephan Fiedler, aber ebenso der Familie und den Freunden "für die moralische Unterstützung" in der vierjährigen Planungs- und Sanierungsphase. Aufmunternde Worte waren sicher notwendig in den 9000 Stunden, in denen Eigenleistung erbracht wurde - kein unerheblicher Posten bei der veranschlagten Bausumme von 1,5 Millionen Euro.Finanz- und Stiftungsreferent Bertram Felix würdigte das "überdurchschnittliche Engagement der Familie Fiedler zur Rettung dieser historischen Bausubstanz und auch in vielen anderen Ecken unserer Weltkulturerbestadt Bamberg". Mit dem Aufseßhöflein hätten die Fiedlers "ihr bisheriges persönliches Meisterstück abgeliefert".
Annette Faber vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege nannte das neu erstrahlte Aufseßhöflein "ein echtes Wunder der Denkmalpflege", nachdem Stadtbehörden das Gebäude schon 1953 förmlich aufgegeben hätten. Die Familie Fiedler habe sich getraut, "aus einer Ruine ein Denkmal zu machen, in dem jedes Detail stimmt", betonte Annette Faber.
Karin Dengler-Schreiber bot einen Exkurs zur Geschichte von Aufseßhöflein und beschrieb den Weg vom Landschlösschen des Philipp Friedrich von Aufseß im 18. Jahrhundert zum "Geisterhaus". Marcus Wolf, Pfarrer der St. Otto-Gemeinde, freute sich über dieses "beeindruckende Einzeldenkmal, das aus dem Dornröschenschlaf erwacht und mit neuem Leben erfüllt ist". Nach einer Lesung aus dem Matthäus-Evangelium, nach Fürbitten und Gebet stellte Pfarrer Wolf "das Haus und alle, die ein- und ausgehen" unter Gottes Schutz und Segen.
Architekt Michael Schelz (Scheßlitz) übergab dem Ehepaar Fiedler den symbolischen Schlüssel: "Gebäude und Bauherren haben sich gefunden und bewiesen, dass ein Denkmal kein Fluch sein muss", resümierte Schelz.
Das musikalische i-Tüpfelchen setzte Susanne Globisch auf den Festakt. An ihrer keltischen Harfe brachte sie zu Herzen gehende Stücke des irischen Barock-Komponisten Turlough O'Carolan zu Gehör.