Wer vor 100 Jahren per Schiff durch das Bamberger Land fuhr, machte sich auf eine wahrhaft romantische Reise. Von Süden aus konnte man auf dem Ludwig-Donau-Main-Kanal gemächlich bis in die Bischofsstadt auf einem Frachtkahn getreidelt werden und dann von dort aus mit dem Kettenschleppschiff "Meekuh" weiter den Main hinab Richtung Würzburg schippern.

Freilich, ganz so romantisch und gemächlich war die Sache nicht, denn schon immer galt beim Transport von Waren und Passagieren das Motto "Zeit ist Geld", und so entwickelten sich auch die Wasserstraßen immer weiter in Richtung Geschwindigkeit. Schon um das Jahr 800 hatte Kaiser Karl der Große geplant, die schiffbaren Wege zwischen der Nordsee und dem Schwarzen Meer zu optimieren und ließ einen Kanal zwischen der Altmühl und der Fränkischen Rezat graben, den sogenannten Karlsgraben. Heute ist davon nur noch ein kleiner See in der Nähe von Treuchtlingen übrig.

Von Kelheim bis Bamberg: So entstand der Ludwig-Donau-Main-Kanal

Dennoch beschäftigte diese Abkürzung die Gemüter über lange Zeit, und der bayerische König Ludwig I., ein großer Freund und Förderer technischer Neuerungen, nahm den Gedanken 1000 Jahre später wieder auf. Er ließ ab 1825 einen Kanal planen, der Altmühl und Main verbinden sollte - von Kelheim in Niederbayern bis Bamberg. Das erste Teilstück des "Ludwig-Donau-Main-Kanals" entstand auf der topographisch günstigen flachen Trasse zwischen Nürnberg und Bamberg und wurde nach zehnjähriger Bauzeit 1846 eröffnet.

Die gesamte Kanalstrecke konnte bei optimalen Bedingungen in sechs bis sieben Tagen bewältig werden. Dabei wurden die Schiffe von Pferden gezogen, also getreidelt. Es liefen Pferde auf einem Pfad am Ufer entlang und zogen die Schiffe an einem Seil hinter sich her. Entlang der 173 Kilometer langen Wasserstraße entstanden außerdem 100 Kammerschleusen, die von den Bewohnern der 69 Schleusenwärterhäuser bedient wurden. Die Schleusen 96 bis 100 befanden sich im Raum Bamberg: 96 in Hirschaid, 97 und 98 in Strullendorf, 99 in Bug und 100 in Bamberg. Die unter der planerischen Aufsicht des berühmten Architekten des Klassizismus Leo von Klenze gestalteten Schleusenwärterhäuschen sind in Hirschaid und Bamberg noch erhalten.

Leider hatte sich die Planung mit den Dimensionen des Kanals als nicht sehr nachhaltig erwiesen, so dass er schon bald angesichts der effizienteren Eisenbahn an Bedeutung verlor. Um 1900 diente der Kanal vornehmlich der einheimischen Bevölkerung als Bade- und Angelgewässer und im Winter zum Schlittschuhlaufen, bevor er in den 1950er Jahren nördlich von Nürnberg trockengelegt wurde.

Von der "Meekuh" zum Containerschiff

Von Bamberg aus nach Westen konnte man auf dem ab dort schiffbaren Main weiterreisen. Allerdings war der Main - ebenso übrigens wie der zu schmal gebaute Ludwigskanal - nicht mit den leistungsfähigen Raddampfern befahrbar, da die Wassertiefe zu gering war. Daher wurden Frachtkähne mit wenig Tiefgang zunächst auch hier getreidelt, bis dann ab 1886 die Kettenschifffahrt einsetzte. An einer gigantischen, im Fluss verlegten Eisenkette konnten sich Kettenschleppschiffe entlang ziehen, die bis zu zehn Frachtkähne im Schlepptau hatten.

Das an Engstellen ertönende Pfeifsignal der Schiffshupe erinnerte an das Muhen einer Kuh, sodass die Schiffe bald den Spitznamen "Meekuh" oder "Maakuh" erhielten. Ab 1912 waren acht solcher Schiffe zwischen Aschaffenburg und Bamberg unterwegs. Doch auch diese Technik war störungsanfällig und hatte keine große Zukunft: 1936 wurde die Kettenschleppschifffahrt auf dem Main eingestellt.

Ab den 1950er Jahren bekam die Schifffahrt im Bamberger Land dann ganz andere Dimensionen. Der Main wurde für Frachtschiffe und die später dominierenden Containerschiffe ausgebaut, und südlich von Bamberg mussten die Reste des Ludwigskanals dem neuen Main-Donau-Kanal weichen. In Viereth entstand am Main eine Staustufe mit Schleuse und Kraftwerk, was sich auf die Erträge der dortigen Fischerei negativ auswirkte. Das schon seit den 1920er Jahren geplante Jahrhundertprojekt "Main-Donau-Großschifffahrtsstraße" wurde nach dem Krieg umgesetzt. Bis zur Fertigstellung 1992 war die Großbaustelle zwischen Bamberg und Kelheim immer wieder Grund für hitzige Diskussionen, und der wirtschaftliche Nutzen war angesichts der ökologisch umstrittenen Eingriffe in die Natur vor allem des Altmühltales heftig in der Kritik. Die Baukosten von 4,2 Milliarden DM taten ihr Übriges.

Jahrelange Baustelle

Für den südlichen Landkreis Bamberg bedeutete der Kanalbau eine jahrelange Baustelle. Die Trassen des alten Ludwigskanals und des 1922 zum Antrieb des Strullendorfer Wasserkraftwerks gegrabenen Werkkanals gingen im neuen Kanalbett auf. 1966 und 1967 entstanden in Bamberg und Strullendorf große Schleusen, die zunächst noch mit technischem Personal bedient wurden, heute aber automatisch laufen. Die Frachtraten des Kanals hatten im Jahr 2000 einen Höhepunkt erreicht, sinken aber seither - die Konkurrenz der Lkw auf Autobahnen ist doch zu groß.

Stetig zugenommen hat allerdings in den vergangenen Jahren (den Corona-Sommer 2020 ausgenommen) das Aufkommen von Flusskreuzfahrtschiffen. Rund 800 schwimmende Luxushotels waren es im Jahr 2019, die auf Main und Kanal die Stadt Bamberg und den Landkreis passierten. Was leider beim Bau der Europäischen Großschifffahrtsstraße definitiv zu kurz kam, war der Gedanke an eine Freizeitnutzung. Der Main-Donau-Kanal ist und bleibt ein Verkehrsweg - Anlegestellen für Hobbykapitäne und Badebuchten werden ein Wunschtraum bleiben. Am Main konnte - trotz der Nutzung als Handels- und Transportweg - ein gewisses Maß an Freizeitqualität erhalten werden, vor allem am oberen Lauf aus Richtung Lichtenfels, wo Kanufahren und das Naturerlebnis in den letzten Jahren immer wichtiger wurden.