"Man kann alles auf der Welt nachahmen und fälschen, nur die Liebe nicht. Liebe kann man nicht stehlen, nicht nachahmen, sie wohnt nur in dem Herzen, das sich ganz zu geben weiß. Das ist die Quelle jeder Kunst." Aus dieser von Hermann Hesse beschriebenen Quelle hat ohne Frage auch die Stegauracher Künstlerwerkstatt getrunken, und ihre neue Musical-Gala ganz und gar dem Thema Liebe gewidmet - "Lovestorys" aus 22 Musicals, bekannte und auch weniger bekannte Melodien, auf die Bühne gezaubert von 25 Darstellern und einer fünfköpfigen, großartigen Band unter der Leitung von Markus Eckert.

Die Lovestorys vereinen Gesang, Tanz und Schauspiel, Fantasie und Einfühlungsvermögen, wobei letztere ja nichts anderes sind als Formen der Liebe, in einer zeitgleich traumhaften und wuchtigen Show, wunderbar komponiert von Lisa Stößel und Sabine Barth (Projektleitung), assistiert von Georg Graefe und Katharina Stamp.


Frösche geküsst

Nach einem bewusst "verschwommenen" Intro werden auf der Suche nach Liebe reihenweise Frösche geküsst, von "Sister Act" bis "Mamma Mia!" Dann, endlich, endlich flattern sie los, die Schmetterlinge im Bauch. Der Himmel hängt voller Geigen und aus einer Liebelei wird Liebe, nicht nur hetero, sondern auch gleichgeschlechtlich, oder Freundschaft pur. "Kann es wirklich Liebe sein?", fragen Sabine Weile, Philipp Spittel und das gesamte, spielfreudige Ensemble ("Der König der Löwen"). "Summer nights, We go together ("Grease")". Sie haben verdammt viel Spaß auf der Bühne, und der Funke springt über. Das Publikum im voll besetzten Baunacher Bürgerhaus "Lechner Bräu" geht begeistert mit.

Die einzelnen Bausteine der Gala sind lose miteinander verknüpft, brillant moderiert und
kommentiert von Christian Haag.

Es ist ja so selten nicht, dass die eben noch munteren Schmetterlinge müde werden, und die vorher rosa angehauchte Welt plötzlich nur noch in Grautönen versinkt. Die Ursachen können vielfältig sein, so Haag. Das reiche von der mittig ausgedrückten Zahnpastatube, dem nicht geschlossenen Klodeckel bis zu der kleinen Brünetten, bei deren Anblick Papa deutliche Anzeichen einer psychosomatischen Störung zeigt. Was Mama aus verständlichen Gründen durchaus missfällt.


Herz, Schmerz und Drama

"Männer ("3 Musketiere")" - ein Fehler der Natur? Das behaupten jedenfalls Sabine Barth und Katharina Stamp. Das Böse entsteht immer da, wo die Liebe nicht mehr ausreicht. Es folgen fast unweigerlich Herz-Schmerz und Drama - "Roxanne ("Moulin Rouge")". Cristina Szlopps rauchige Stimme kann man nicht nur hören und fühlen, sondern auch schmecken. Was bleibt ist die Hoffnung, zum Beispiel "Wahres Glück" aus "Rocky (Pia und Martin Kaufmann)", sind Stationen und Episoden rund um die universelle Macht der Liebe, ein fulminantes Finale und selbstverständlich stürmisch geforderte Zugaben.

Georg Graefe sorgte für das Bühnen- und Lichtdesign, Roland Eichhorn für den perfekten
Ton und die Technik. Laura Waldmann war gleichermaßen Backstage wie auch auf der Bühne zu finden, und richtig gut drauf. Um die Haare der Protagonisten kümmerten sich Heike Böhnlein (Mühlendorf) und Karin Eminger (Baunach).

"Wenn wir einen Menschen glücklicher und heiterer machen können, so sollten wir es in jedem Fall tun." Die Werkstattkünstler haben diese Aufforderung von Hermann Hesse wahr werden lassen. Weitere Vorstellungen finden an den Wochenenden 15./16. sowie 22./23. April statt.