Zu den Details mochte sich Werner Dippold gestern morgen nicht festlegen. Weil die Polizei noch ermittelte. Fest stand aus seiner Sicht nur, dass zwei Bewohner eines Zimmers des Breitengüßbacher Awo-Seniorenzentrums - der eine 88, der andere 90 Jahre alt - letzte Woche Streit hatten. Möglicherweise hat einer den anderen geschlagen oder geschubst Wie sich im Verlauf des Nachmittags herausstellte, war der Ältere offenbar mit Faustschlägen so traktiert worden, dass er blutete und Rippenbrüche davongetragen hatte. Wohl mit tödlichen Folgen. Zwei Tage später starb der Mann im Klinikum.


Obduktion angeordnet

Am späten Montagnachmittag brachte der Bericht der Polizei-Pressestelle aus Bayreuth weitere Brisanz: Die von der Staatsanwaltschaft angeordnete Obduktion "ergab den Verdacht, dass der 90-Jährige in Folge ausgedehnter Rippenbrüche verstorben sein dürfte". Noch am Vormittag war Dippold, geschäftsführender Awo-Vorstand überzeugt, dass der Senior eines "natürlichen Todes" gestorben war. "Der genaue Hergang ist noch nicht bekannt", stand für Dippold da fest. Die Polizei berichtete von einer handfesten Auseinandersetzung am späten Abend des Zweiten Advents.

Nach dem Skandal in Gleusdorf reagiert die Öffentlichkeit in Sachen Senioreneinrichtungen äußerst sensibilisiert. Das kann Dippold gut nachvollziehen. Deswegen sei es für ihn umso wichtiger, dass die Polizei ihm mehrfach vorbildliches Handeln der Awo-Mitarbeiter bestätigte und: Dass die Mitarbeiter nicht involviert waren. Innerhalb kürzester Zeit hätten sie den Krankentransport organisiert. Wie es nach Stürzen üblich sei, erklärt der Chef von sechs Seniorenzentren, in denen rund 750 ältere Menschen betreut werden.

Der 88-Jährige jedenfalls ist inzwischen in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht, wo er untersucht und behandelt wird, berichtete die Polizei. Im Übrigen komme derartige Gewalt zwischen Senioren "eher selten vor", sagte Pressesprecher Peter Müller aus 18-jähriger Erfahrung.


Keine Auffälligkeiten bislang

Werner Dippold jedenfalls hat in Breitengüßbach nachgefragt und erfahren, dass sich die beiden Kontrahenten seit längerem im Heim befanden und es bislang bei ihnen keine Auffälligkeiten gegeben habe.

Rund ein Drittel der Zimmer sind Doppelzimmer. Bevor zwei Bewohner eines teilen, werden diese, deren Angehörige und Mitarbeiter dazu befragt. "Man muss ja zusammenpassen", so Dippold. Einen derartigen Fall habe er freilich noch nicht gehabt. Wohl auch, weil es viel Präventionsarbeit gebe und Schulungen gehalten würden.
In der vor zwölf Jahren in Breitengüßbach eröffneten Einrichtung werden 75 Bewohner von 82 Voll- und Teilzeitmitarbeitern betreut.

Wie geht es nun weiter? Die Kripo ermittelt jedenfalls wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Die vom Staatsanwalt angeordnete Obduktion hatte den Verdacht ergeben, dass die Rippenbrüche eine Todesursache sein könnten. Das hohe Alter des 88-Jährigen schützt ihn übrigens nicht vor Strafe, sollte er schuldfähig und im Anschluss haftfähig sein, ergab unsere Nachfrage.