Eine Bürgerbefragung der "Initiative Kennzeichenliberalisierung" war laut Pressemeldung der Hochschule Heilbronn für Samstagvormittag auf dem Marktplatz von Bad Brückenau vorgesehen. Solche Umfragen wurden bereits in rund 200 Städten veranstaltet, um herauszufinden, wie die lokale Bevölkerung der Wiedereinführung alter Kfz-Nummernschilder gegenübersteht.

Jedoch war das Team der Hochschule zur angekündigten Zeit nicht immer vor dem Rathaus anzutreffen. Die Befrager postierten sich auch vor mehreren Supermärkten. "Wir wollten zwischen 200 und 250 Bad Brückenauer befragen. Nur auf dem Marktplatz wäre dies nicht möglich", sagte Forschungsleiter Ralf Bochert am Sonntag auf telefonische Nachfrage. Die Ergebnisse der Umfrage werden der Stadt in den kommenden Wochen mitgeteilt.

Zum Hintergrund: Nach den Landkreisreformen hat eine Vielzahl deutscher Städte in den vergangenen 40 Jahren ihr Kfz-Kennzeichen verloren. Nach Ansicht von Bochert verzichten diese damit auf ein wichtiges Identitätsmerkmal. Die wirtschaftliche und touristische Vermarktung gestalte sich schwieriger. "Städte verloren mit dem eigenen Kfz-Kennzeichen einen Teil ihrer Außenwirkung, aber auch ein Stück innerer Identität", formulierte es Borchert in einer Pressemitteilung der Hochschule. Im Zeitraum von 2010 bis 2012 wurden mehr als 40.000 Personen in über 175 deutschen Städten im Rahmen des Projekts befragt. Demnach äußerten gut 74 Prozent der Befragten in den Städten den Wunsch auf Rückkehr zu ihrem alten Kfz-Kennzeichen, zwölf Prozent sprachen sich für die Beibehaltung der aktuellen Situation aus.

Änderung im September beschlossen


Laut Bochert habe der Bundesrat im September die Änderung der Fahrzeugordnung beschlossen. Danach sei die Wiedereinführung der alten Kennzeichen in allen Bundesländern möglich, aber Sache der Länder. In Bayern werde noch auf einen Beschluss der Staatsregierung gewartet. Bochert erläuterte, es sei etwa vorstellbar, dass die bayerische Regierung dem Beispiel anderer Bundesländer, wie etwa Hessen oder Rheinland-Pfalz, folge und die Entscheidung in die Hände der Landkreise lege.

Er sehe es im Falle des Landkreises Bad Kissingen förderlich, dass mit Bad Brückenau und Hammelburg zwei touristische Städte betroffen seien. Es sei für beide Orte aus vermarktungstechnischer Sicht "sub optimal", ein KG-Kennzeichen zu haben, da Bad Kissingen ebenfalls auf Fremdenverkehr ausgerichtet sei.

"Drei touristische Marken"


Nach der Wiedereinführung der alten Kennzeichen gäbe es in einem Landkreis drei touristische Marken. "Das ist eine einmalige Situation in ganz Bayern", urteilte Bochert.Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU) sagte, sie selbst stehe dem Projekt neutral gegenüber. "Solange für die Stadt durch die Wiedereinführung der BRK-Kennzeichen keine Kosten entstehen, habe ich keine Einwände vorzubringen", sagte sie. Den Fuhrpark der Stadt wolle sie - im Falle der Fälle - deshalb nur Stück für Stück mit Bad-Brückenau-Nummernschildern ausstatten und nicht alle auf einen Schlag austauschen.

Der Oberleichtersbacher Bürgermeister Walter Müller (CSU) betonte, das Thema Kennzeichenliberalisierung sei in seiner Gemeinde kein Thema. "Das ist mit 30 Jahren einfach schon zu lange her", sagte er. Für das Umland sei die Identifikation mit dem BRK-Kennzeichen ohnehin nicht so wichtig wie für Bad Brückenau selbst. Das bestätigte auch Meyerdierks. "Bei Bad Brückenau steht einfach die Marke dahinter", das mache ihrer Ansicht nach den Reiz aus.