Mit ihr standen 31 weitere Absolventen und Doktoranden bayerischer Universitäten, Hochschulen für angewandte Wissenschaften und staatlicher Kunsthochschulen auf der Bühne, die in unterschiedlichen Sparten für herausragende Leistungen geehrt wurden. Der vom Bayernwerk gestiftete Kulturpreis wird seit 2005 als Impuls zum Erhalt der kulturellen Vielfalt jährlich verliehen.

"Ich war schon etwas aufgeregt", gesteht die 25-Jährige, nachdem sie im August von der bevorstehenden Auszeichnung erfahren hatte, obwohl sie bereits Wochen zuvor von ihrer Professorin Jana Wiske über diese Möglichkeit vorgewarnt worden war. Die Aufregung nahm zu, als sie dann am 28. Oktober auf der Bühne stand und vor den Augen ihrer Mutter und 150 weiterer Gäste vom Vorstandsvorsitzenden der Bayernwerk AG, Egon Leo Westphal, und dem bayerischen Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, Bernd Sibler (CSU), die vom Schwandorfer Bildhauer geschaffene Bronzestatue als Zeichen ihrer Auszeichnung in Empfang nehmen durfte. "Ich bin kein Fan von Aufmerksamkeit", begründete sie ihre Aufregung, zumal viele Fernsehkameras auf sie gerichtet waren. "Eigentlich konnte ich es immer noch nicht wahrhaben, aber am Ende war ich doch stolz."

Accounts von Spitzenpolitikern untersucht

Ausgezeichnet wurde die Jahrgangsbeste der Hochschule Ansbach für ihre Master-Arbeit zum Thema "Wie setzen politische Akteure in Deutschland Social Media ein, um sich in der akuten Anfangsphase der Corona-Krise Gehör zu verschaffen?" Als politisch Interessierte hatte sich Müller dieses Thema selbst gewählt, nachdem schon im März 2020 in ihrem Master-Studiengang "Public Relations und Unternehmenskommunikation" das Forschungsprojekt "Krisenkommunikation in der Pandemie" gestartet worden war. Im Oktober 2020 begann sie dann, auf den offiziellen Facebook- und Instagram-Accounts von Angela Merkel, Olaf Scholz, Jens Spahn und Markus Söder sowie der Bundesregierung, des Bundesgesundheits- und des Bundesbildungsministeriums sowie des Auswärtigen Amts deren Posts zu Corona in den zurückliegenden zwei Wochen vom 11. bis 25. März 2020 zu untersuchen.

In Pandemie Gehör verschaffen

Am 11. März hatte die Weltgesundheitsorganisation Covid-19 zur Pandemie erklärt und am 25. März die Bundesregierung als erste Maßnahme das "Gesetz zum Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite" erlassen. Müllers Frage bei den in jedem Zeitraum auf diesen acht Accounts gefundenen 391 Posts lautete: Wie versuchten diese Akteure in den ersten zwei Wochen der Pandemie sich in der Bevölkerung Gehör zu verschaffen? Dabei untersuchte sie fünf Kriterien: Sachliche Information der Bevölkerung versus eigener Profilierung, direkter Dialog mit den Lesern dieser Kanäle, audiovisuelle Appelle an die Bevölkerung, Reaktionsschnelligkeit auf Ereignisse in der Krise sowie die sachliche Thematisierung von Maßnahmen und Anliegen der Bevölkerung. Die Ergebnisse ihrer Analyse bewertete Müller anschließend mit Hilfe von Experten-Interviews und ordnete sie entsprechend ein.

Recht gut, aber mit Verbesserungsbedarf

So zeigte sich zum Beispiel, dass vor allem politische Amtsträger die Möglichkeiten des direkten Dialogs in der Anfangsphase der Pandemie zwar nicht ausreichend genutzt hatten, generell aber "doch recht gut auf die damals unbekannte Extremsituation reagiert wurde". In manchen Punkten habe sich allerdings Verbesserungsbedarf gezeigt. Kernpunkte und Erkenntnisse aus Müllers halbjähriger Forschungsarbeit sowie die daraus erarbeiteten Handlungsempfehlungen der 25-Jährigen für politische Akteure werden demnächst als eigenständiges Kapitel in ein Fachbuch ihrer Professorin Jana Wiske aufgenommen, das wohl im Herbst 2022 erscheinen soll.

Zu keinem Zeitpunkt ihrer Master-Arbeit hatte Luisa Müller an die nun erfolgte Auszeichnung mit dem Kulturpreis Bayern gedacht. "Für mich war es nur der Abschluss meines Master-Studiums." Nach dem Abitur am Jack-Steinberger-Gymnasium im Jahr 2015 hatte sie an der Hochschule Ansbach zunächst einen Bachelor-Studiengang im Bereich Energie- und Umwelt-Journalismus belegt. Im Master-Studiengang wechselte sie dann zur Unternehmenskommunikation. Nach ihrem mit Bestnote absolvierten Studium arbeitet Müller seit August als Junior Marketing & Communications Managerin bei der Firma Belectric, einem im Bau von Solarparks weltweit tätigen Unternehmen. "Ich wollte in einem Bereich arbeiten, in dem ich meinen Bachelor gemacht habe." Sie sei zwar eher eine Theoretikerin, sagt die Junior Managerin über sich selbst. "Aber für mich ist auch die Erfahrung in der Praxis wichtig."

Preisgeld für Kanada-Urlaub

Ob sie irgendwann in ihren späteren Berufsjahren vielleicht mal als Dozentin an die Hochschule gehen wird, weiß die 25-Jährige noch nicht, will es aber auch nicht grundsätzlich ausschließen. Im Moment hat sie nur einen konkreten Plan: "Sobald es die pandemische Lage irgendwann zulässt, will ich Urlaub in Kanada machen und die dortige Natur in den Rocky Mountains und am Yukon River erleben." Dafür kommen ihr die mit dem Kulturpreis Bayern verbundenen 2000 Euro Preisgeld gerade recht.