Seit einem halben Jahr ist die Stelle des Wirtschaftsförderers in Bad Kissingen unbesetzt. Der Stadtrat trifft dazu am Mittwoch einen Grundsatzbeschluss.
Es ist ruhig geworden um das Thema Wirtschaftsförderung bei der Stadt. Im Herbst hatte Wirtschaftsförderer Michael Wieden seinen Abschied verkündet, die Stelle wurde im September ausgeschrieben und trotzdem ist sie seit mehr als einem halben Jahr unbesetzt. Wieden selbst ist weiter auf Honorarbasis als externer Berater für die Stadt in Sachen Chronocity tätig.
Niemand neues beauftragt
Warum hat sich noch kein Nachfolger gefunden? Will keiner die Wirtschaftsförderung in
Bad Kissingen machen? Nein, antwortet Thomas Hack, Leiter der Pressereferats im Rathaus. Es habe immer wieder Interessenten gegeben - etwa Agenturen oder Freiberufliche wie Wieden - die als externe Berater den Job übernommen hätten. Nur: "Der Stadtrat konnte sich nicht entschließen, jemanden zu beauftragen", berichtet er.
Grundsatzberatung im Stadtrat
Das Thema wurde öfters nichtöffentlich in dem Gremium behandelt, in der Sitzung heute Abend (
Beginn um 18 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses) steht es auf dem öffentlichen Teil der Tagesordnung. "Es bestand der Wunsch, einen Grundsatzbeschluss zu fassen. Gerade vor dem Hintergrund der Haushaltskonsolidierung soll jetzt entschieden werden, ob Bad Kissingen eine Wirtschaftsförderung braucht oder nicht", erklärt Hack weiter.
Streit über Aufgaben
In den vergangenen zehn Jahren hat es mit Hans-Joachim Greiner, Malte Tiedemann und Michael Wieden drei verschiedene Wirtschaftsförderer bei der Stadt gegeben, wobei Wieden mit etwas mehr als vier Jahren am längsten im Amt war. Alle drei haben zwar letzten Endes aus persönlichen Gründen die Stadt wieder verlassen, dennoch hatte es immer wieder Auseinandersetzungen darüber gegeben, welche Aufgaben die Wirtschaftsförderung übernehmen sollte.
"Wir werden hoffentlich den Grundsatzbeschluss so fassen, dass es eine kommunale Wirtschaftsförderung gibt", sagt Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) vorab. Entscheidet der Stadtrate heute in diesem Sinne, soll ein Konzept erarbeitet werden, als Arbeitsgrundlage für einen künftigen Wirtschaftsförderer.
Heinz Stempfle, Kreisvorsitzender des Hotel und Gaststättenverbandes (Dehoga), spricht sich für den Posten aus."Wichtig ist er in erster Linie für den Einzelhandel", meint er. Er erwartet sich, dass Firmen nach Bad Kissingen geholt, die Straßen in der
Innenstadt belebt und die Kaufkraft erhöht werden. Außerdem müsse ein Wirtschaftsförderer den Bad Kissingen als Gesundheitsstandort voranbringen. "Da haben dann auch die Hotels und Gastwirtschaften etwas davon", sagt Stempfle.
Kooperation mit Geschäftsleuten
Dass es die Funktion in der Stadt braucht, findet auch Heiko Grom, Einzelhändler und kommissarischer Vorsitzender der Werbegemeinschaft Pro Bad Kissingen. Aber: "Weil das Stadtmarketing neu aufgebaut wird, muss geklärt werden, inwieweit es da Verflechtungen gibt", sagt er. Bei der Stadt kümmert sich zwar das Kissinger Sommer Büro in gewissem Umfang um Stadtmarketing, der große Teil der Werbearbeit wird von aber Pro Bad Kissingen organisiert. Der Verein kümmert sich etwa den Gästepass, den Geschenkgutschein, den Lichterglanz und andere Aktionen in der Innenstadt.
Pro Bad Kissingen in der Schwebe
Die Werbegemeinschaft hat allerdings seit mehr als eineinhalb Jahren keinen gewählten Vorstand mehr und soll neu ausgerichtet werden. Grom hatte sie zuletzt mit seinem Stellvertreter Michael Pal ehrenamtlich geführt. Er setzt sich dafür ein, eine künftige Marketinggesellschaft mit einem Geschäftsführer auszustatten. "Inhaltlich funktioniert das nur, wenn es professionalisiert wird", betont er. Wie die neue Gesellschaft aussehen soll, steht noch nicht fest, allerdings hat es bereits einige Gespräche zwischen Geschäftsleuten, Beratern vom Einzelhandelsverband und der Stadt gegeben. Die Finanzierung ist laut Grom noch ungeklärt. Außerdem müsse geregelt werden, welche Aufgabengebiete im Stadtmarketing und welche in einer eventuellen Wirtschaftsförderung angesiedelt werden. "Das muss die Stadt entscheiden", sagt er.
Blankenburg zeigt sich generell offen: "Für mich ist eine Option, in Zukunft stärker bei gemeinsamen Interessen mit Pro Bad Kissingen zu kooperieren", so der Oberbürgermeister.
Die Aussage des Pressesprechers Thomas Hack ist eindeutig: Es habe immer wieder Interessenten gegeben - Agenturen, Freiberufliche oder externe Berater die den Job übernommen hätten. Nur: "Der Stadtrat konnte sich nicht entschließen, jemanden zu beauftragen", berichtet er.Das liegt daran, dass bis auf 2 Ausnahmen kein Stadtrat Ahnung darüber hat, was ein Wirtschaftsprüfer tatsächlich leisten muss. Vielleicht sollten die Stadträte anstelle ihrer Bäderfahrten, die meist in Marienbad statfinden und wo man eigentlich nichts mehr lernen kann, außer gemütlichen feuchten Abenden, lieber mal ein 2 tägiges Seminar über Wirtschaftförderung aufsuchen.
Herr Wieden ist ja immer noch externer Berater der Stadt..Er könnte mit Sicherheit den Stadträten Tipps zu solchen Seminaren geben. Kostet aber Honorar und Geld hat die Stadt ja nicht. Was für ein Dilemma!!