Mit einem Werk des Rhöner Komponisten Valentin Rathgeber eröffneten Regionalkantor Peter Rottmann (Münnerstadt) und Diplom Musiker Jürgen Weyer (Brendlorenzen) die Vernissage "Nivard II" der Galerie Thomas Pfarr aus Münnerstadt im Haus Nivard im Rindhof von Maria Bildhausen. Thomas Pfarr selbst konnte zur Eröffnung von Nivard II viele Gäste begrüßen - was wohl auch dem Erfolg der Ausstellung Nivard I vor zwei Jahren zu verdanken ist.

Die Ausstellung befindet sich im historischen Gebäude des letzten Abtes von Bildhausen. Das klassizistische Gebäude, das noch vollständig erhalten ist, stehe im Gegensatz zum Inneren, sagte Thomas Pfarr. Das Haus wurde zuletzt als Wohnraum, Refektorium und als Großküche genutzt. Für ihn sei es deshalb auch eine Herausforderung gewesen, diese Räume mit entsprechenden Kunstwerken zu gestalten.

Zeit mitbringen

Diesmal wollte der Galerist seinen Gästen seinen Gästen die ganze Vielfalt der zeitgenössischen Kunst zeigen und die verschiedenen Materialien, mit denen gearbeitet wird. Fünf Künstler aus Deutschland zeigen ihre Werke in dem historischen Ambiente. Die Materialien, mit denen Stefanie Brehm, Paul Diestel, Heike Kleinlein, Norbert Kleinlein und Kornelia Thümmel arbeiten, reichen von Holz über Metall bis hin zu Glas, Stein und Kunststoffen. Kunstliebhaber sollten Zeit mitbringen, um jedes einzelne Kunstwerk auf sich wirken zu lassen. Sein Dank galt Rudolf Weigand (Bad Königshofen), ein bekennender Kunstliebhaber, der mit Thomas Pfarr Kunst am Rindhof präsentieren möchte. Ihm dankte er ebenso wie auch Benjamin Jorns vom Fränkischen Theater Maßbach, der die von Stefan Hoffmann, Journalist und Theologe in Bamberg, verfasste Einführung las.

Besucher können entdecken

Er nannte den Rindhof einen besonderen Ort, umgeben von renovierten Gebäuden und weit entfernt vom Lärm des Alltags. Das Haus selbst biete sich, wenn man es genauer betrachte, nicht unbedingt für eine Ausstellung an und trotzdem habe es seine Reize. Ausgetretene Treppen, niedrige Türstöcke und altes Linoleum prägen die Räume. "Diese alte Raumhülle ist eine Repräsentantin des Alltags, des ausdrücklich Unfeierlichen und genau deshalb berufen, hier Kunstwerke zu feiern." Die Ausstellungsräume würden den Bildern und Skulpturen zutrauen, auch ohne Lichtführung auf den Besucher zu wirken. Die Werke befinden sich in Kammern, auf Dachböden oder auch im Bad, in Ecken und Winkeln, die nicht dafür vorgesehen sind. Damit würden die Besucher selbst zu Entdeckern. "Das Moment der Überraschung öffnet die Sinne für eine gespannte Erwartung und erhöhte Aufmerksamkeit."

Polyurethan ist der Werkstoff, aus dem Stefanie Brehm Kunst macht. Bilder, deren Farbigkeit und Formensprache verblüffen, so als ob die Künstlerin den Betrachter daran teilhaben lassen wollte. Paul Diestels hauptsächlicher Werkstoff ist Holz, wobei das Außergewöhnliche seine Leitidee ist, die man als "Vergrößerungskunst" bezeichnen könne. Ausschnitte aus der Natur nimmt er zum Ausgangspunkt, so arbeitet er Blattknospen, Larven eines Falters oder Samen in das Holz von Linden und Pappeln ein. Die Keramiken von Heike Kleinlein wiederum erinnern an Vasen oder Vorratsbehälter. Dabei stelle sich die Frage, was hier aufbewahrt werden soll und weshalb die auffällige Farbgebung. Stefan Hoffmann nennt die Klarheit und Frische der Werke, die mit der Patina der Kellerräume, mit den Spuren von Gebrauch und Abnutzung korrespondieren.

Mit Objekten und Malerei ist Norbert Kleinlein vertreten. "Seine Art, Abstraktion zu interpretieren, nötigt mir immer aufs Neue Bewunderung ab, denn für mich sind hier Augenblicke und ihre Gefühle aufbewahrt, so dass eine formal nicht eingegrenzten Darstellung in der Klarheit dem Betrachter zugänglich gemacht wird," schriebt Stefan Hoffmann. Dann geht er auf die Gipsarbeiten von Kornelia Thümmels ein. "Hier wird man regelrecht Augenzeuge, wie ein schöpferischer Gedanke den Stoff durchwirkt." So könne man erahnen, was "Macht der Fantasie" bedeuten kann." Die gebürtige Leipzigerin zeigt außerdem ihre Arbeiten Tierleben und Tiertage in der Ausstellung am Rindhof, womit sie den menschlichen Blick auf die Tiere thematisiert.

Schließlich wirft Stefan Hoffmann in seiner Einführung auch einen Blick auf die Einladungskarte, die einen Abendhimmel zeigt. Abendlich könne mit einem Andachtsraum gleich gesetzt werden. Dies könne auch für die Ausstellung Nivard II gelten, die ein solcher Andachtsraum ist. Die Ausstellung "Nivard I" ist vom 20. September bis 25. Oktober im Haus Nivard am Rindhof in Maria Bildhausen zu sehen. Geöffnet ist sie von Dienstag bis Sonntag von 14 bis 17 Uhr.