Seit Herbst hat das Büro für den Theaterring eigentlich nur ständig Termine absagen, verschieben, neu festlegen müssen. Doch jetzt kommt die Erlaubnis von der Bayerischen Staatsregierung ganz plötzlich: Ab Donnerstag, 19. Mai 2021 sind Theaterveranstaltungen möglich, wenn die Coronalage in der betreffenden Gegend das zulässt.

Und so ist der Theaterring nach Pfingsten geballt im Doppelpack zurück mit zwei Stücken, die lange schon geplant sind, aber immer wieder verschoben werden mussten: Am Dienstag, 25. Mai, gastiert das Theater Hof in Bad Kissingen mit "Mutter Courage und ihre Kinder" von Bertolt Brecht in der musikalischen Gestaltung von Paul Dessau und am Mittwoch, dem 26. Mai, kommt das Theater Schloss Maßbach mit Christian Schidlowskys nach der Premiere von der Presse gefeierten Novellenadaption von Theodor Storms "Der Schimmelreiter". Beide Aufführungen beginnen um 19.30 Uhr.

Leider bedeutet dieser Spielbeginn für den Theaterring noch nicht, dass er mit seinen langjährigen Besuchern wieder ins altvertraute Kurtheater einziehen kann, da das Kurtheater nicht den Abstands- und Hygieneregeln, die die Pandemie uns einzuhalten gelehrt hat, entsprechen kann. So muss wie bei den beiden ersten Aufführungen der Spielzeit im Herbst 2020 die damals neu konzipierte Schauspielbühne im Max-Littmannsaal benutzt werden, wo distanziertes Sitzen und eine ausreichende Durchlüftung gewährleistet sind. Außerdem müssen die Besucher einen PCR-Test vorweisen, der 48 Stunden gültig ist (für beide Veranstaltungen) oder jeweils einen Schnelltest, der 24 Stunden gilt. Beim Einlass, auf dem Weg bis zum Platz und bei allen Bewegungen im Raum muss eine FFP2-Maske getragen werden, die man am Platz abnehmen kann, wenn die Abstandsregeln eingehalten sind.

Angesichts der vielen Aufführungen, die aus dem Programm des Theaterrings 2020/21 abgesagt werden mussten, ist es aber ein Glücksfall, dass nun zwei der interessantesten des einstmals geplanten Programms nun doch nach Bad Kissingen kommen können. Beide zeigen keine Wohnzimmerprobleme, sondern kleine Weltausschnitte mit Menschen in Krisensituationen, die durchaus an unsere aktuellen Probleme erinnern. Es handelt sich außerdem nicht um die so beliebten Filmadaptionen fürs Theater, sondern um die Bühnenfassung des berühmten Stoffes von Theodor Storms Novelle "Der Schimmelreiter" und Bertolt Brechts Anti-Kriegsstück "Mutter Courage und ihre Kinder", zwei Klassiker der deutschen Literatur.

Obwohl die beiden Stücke uns in fremde Zeiten und Räume führen, den ganz Deutschland erfassenden Dreißigjährigen Krieg bei der Courage und ein Dorf an der Nordseeküste im 19. Jahrhundert, zeigen sie beide die fatalen Auswirkungen von selbstherrlicher Dummheit (und die altert nicht): Die Courage verliert alles, weil sie sich einbildet, raffiniert genug zu sein, den Krieg für sich nutzbar machen zu können, ihren Reibach mit ihm zu machen; die Bewohner von Hauke Haiens Dorf hindern ihn aus Aberglauben und in ihrer abergläubischen Angst vor Veränderungen daran, seine naturwissenschaftlichen Erkenntnisse zum Schutz gegen die verheerenden Sturmfluten der Nordsee einzusetzen. Das erinnert an die Kurzsichtigkeit so mancher Demonstranten unserer Tage.

Sowohl Brecht als auch Storm führen direkt in die Welt der kleinen, machtlosen Menschen, zeigen die Gründe für deren oft kurzsichtigen Fehleinschätzungen gefährlicher Situationen. Storms Hauke Haien ist gegen diese machtlos trotz seiner Klugheit, die Courage begeht sie aufgrund ihrer selbstherrlichen Gewinnsucht.

Den Machern am Theater Hof war es wichtig, unsere sichere Distanz zum 30-Jährigen Krieg in eine Erfahrung des Wiedererkennens zu verwandeln: Schließlich leben wir in einer Zeit, in der weltweit Konflikte toben von Myanmar bis Syrien. Doch sie wollten unter der musikalischen Leitung von Willi Haselbek und durch die Regie Kay Neumanns den Krieg nicht nur ins 20. Jahrhundert holen, sondern auch die groteske Absurdheit aller Kriege und der menschlichen Verhaltensweisen in dieser Ausnahmesituation zeigen.