Mit einem Spendenscheck über 1200 Euro überraschte Klaus Rüttger, Inhaber des benachbarten E-Centers, die 25 Bewohner des Bad Kissinger Lebenshilfe-Hauses Spitzwiese und deren Betreuer in der Hartmannstraße. Anlass war das 30-jährige Bestehen des Wohnhauses für behinderte Menschen.

"Ich habe am 2. Januar 1990 die Eröffnung des Hauses miterlebt", erzählte Klaus Rüttger bei der Scheckübergabe an Aufsichtsratsvorsitzende Monika Fella, Vorstand Alex Iffert und Hausleiterin Barbara Karkoszka. Damals war er als Edeka-Mitarbeiter hin und wieder beim Bau des E-Centers an der Spitzwiese, wo er inzwischen seit 28 Jahren tätig ist, seit elf Jahren sogar als dessen Inhaber. Sowohl die Betreuer als auch alle Bewohner seien gute Kunden in seinem Einkaufsmarkt auf der anderen Straßenseite. "Ich habe immer viel Spaß mit euch", bedankte sich Rüttger.

Vor 30 Jahren zogen die ersten Bewohner bereits ein, während die Möbelfirmen noch dieses erste von heute drei Wohnhäusern der Bad Kissinger Lebenshilfe bestückten, erzählte Barbara Karkoszka. Damals wohnte Hausleiter-Familie Kalnischkies im Erdgeschoss und kümmerte sich "trotz vieler Aufgaben und Stress um einen schönen Start ins gemeinsame Wohnen". Die Bewohnerzahl wuchs rasch, und da es noch keinen offiziellen Hausmeister gab, wurden die anfallenden Arbeiten kurzerhand von Bewohnern und Mitarbeitern selbst ausgeführt.

Heute beherbergt das Haus Spitzwiese zwei Wohngruppen mit insgesamt 25 Personen im Alter zwischen 30 und 85 Jahren. Zu den Nachbarn besteht ein gutes Verhältnis. "Manche Hausbewohner schippen im Winter sogar Schnee für eine ältere Nachbarin", nannte Karkoszka als Beispiel. Das Zusammenleben im Haus schilderte sie als sehr harmonisch, was sich auch darin zeigt, dass es kaum personelle Wechsel gibt und manche der 14 Mitarbeiter, die im Schichtdienst eingesetzt sind, schon seit Eröffnung im Haus tätig sind. "Rund um die Uhr sind jeweils zwei Betreuer pro Gruppe im Einsatz", ergänzte Aufsichtsratsvorsitzende Fella.

Die freudige Überraschung mit dem Spendenscheck kam gerade zur rechten Zeit, hatten doch die Bewohner wegen der Corona-Pandemie seit Mitte März harte Einschränkungen aushalten müssen. Besuche waren strikt verboten. Erst seit kurzer Zeit sind Begegnungen unter Auflagen im Garten wieder erlaubt. "Unsere Bewohner vermissen ihre Normalität", beschrieb die Hausleiterin den aktuellen Zustand, versicherte aber, dass es zu keinem Zeitpunkt größere Probleme gegeben habe. "Niemand verzagt, alle machen das Beste aus der Situation."

Am meisten fehlt den Bewohnern aber ihre regelmäßige Arbeit in den Nüdlinger Lebenshilfe-Werkstätten. Zwar werden Arbeitsaufträge aus Nüdlingen ins Haus Spitzwiese gebracht, so dass die Bewohner in Heimarbeit beschäftigt sind. Doch ist dies kein Ersatz, fehlen doch auch die sozialen Kontakte zu den anderen Arbeitskollegen. "Unsere Bewohner wollen arbeiten. Mitte August soll es für sie wieder losgehen", machte Karkoszka Hoffnung auf mehr Normalität.

Für das Haus-Jubiläum hatte E-Center-Inhaber Klaus Rüttger ein ganzes Jahr lang seine Kunden gebeten, das Leergutpfand sich nicht auszahlen zu lassen, sondern die Bons an der Kasse in eine Spendenbox zu stecken. "So kamen 1050 Euro zusammen, die ich noch um 150 Euro auf 1 200 Euro aufgestockt habe."

Von dem Geld sollen nun neue Möbel für Haus und Garten angeschafft und vielleicht auch mal ein Ausflug mit Kaffee und Kuchen gemacht werden, schlug die Hausleiterin zur Freude der Bewohner vor. Dies sei nur ein bescheidener Ersatz für das eigentlich geplante Jubiläumsfest. "Aber das werden wir im kommenden Sommer zünftig nachholen", versprach Aufsichtsratsvorsitzende Monika Fella. Auch Vorsitzender Alex Iffert bedankte sich bei Klaus Rüttger für die Spende: "So soll gute Nachbarschaft sein. Dann kommen wir gern weiterhin regelmäßig zu Ihnen ins E-Center." Als Zeichen ihrer Dankbarkeit wollen die Spitzwiese-Bewohner ein großes Bild malen, das Rüttger im Edeka-Markt auszustellen versprach.