Die Farbe Weiß dominiert. Kein einziges Trikot in Rot, keines in Schwarz-Gelb oder Königsblau ist zu sehen. Fünfunddreißig Kinder zwischen sieben und vierzehn trainieren in der Farbe des königlichen Fußballclubs aus Madrid. Auch Ball und Trinkflasche für die Talente sind aus Spanien. Die Jungs dürfen am Ende alles mit nach Hause nehmen. Selbst die Rückennummern durften sich die angehenden Dribbelkönige aussuchen. Felix, Simon und Nico ist da zu lesen, aber auch Ronaldo, Kroos oder Benzema. Die Fußballschule des berühmtesten Clubs der Welt hat eines von rund 150 Trainingscamps in Deutschland auf dem Sportplatz an den Gößleswiesen aufgeschlagen. Vermittelt vom Trainer des TSV, Jochen Habele, der für die "Real Madrid Foundation Clinics Germany" unterwegs ist, die das Reiterswiesener Trainingscamp organisiert hat.


Werte des Vereins

"Es ist die Fußballschule, nach der auch Real seinen Nachwuchs ausbildet", beschreibt der Camp-Leiter die Philosophie der fünf Tage mit je zwei Trainingseinheiten. Schon den ganz jungen Fußballern wird dort neben der Freude am Spiel auch Fairness, Ordnung und Teamgeist vermittelt. "Real" ist eine besondere "Marke", und so wird auch auf die sozialen, kulturellen und sportlichen Werte des Vereins geachtet. "Ein Spieler von Real setzt sich nicht auf den Boden", ruft Habele dem kleinen Nico zu, der einen Moment unkonzentriert ins Gas gesunken ist. "Ohne Disziplin wird niemand ein guter Fußballer", ermuntert er den Jungen aus Garitz und zieht ihn hoch.


Mehr als nur Fußball

Zwei Altersgruppen haben der Fußballlehrer und seine drei Assistenten gebildet, üben Torschuss, Dribblings und Eins-zu-eins-Situationen nach den innovativen Methoden der Real-Jugendakademie. "Den Jungs wird mehr als nur Fußball vermittelt", meint der "Teamchef". Die Kinder, überwiegend aus dem Landkreis, sind mit Begeisterung bei der Sache.
So wie der zehnjährige Leo Renninger aus Reiterswiesen. "Das Training geht ganz schön auf die Knochen" sagt er, als die Übungseinheit des Vormittags beendet ist. Aber dass es riesigen Spaß macht, steht ihm ins Gesicht geschrieben. Kroos steht auf seinem Trikot. "So präzise und taktisch gut" wie sein Vorbild will er mal spielen und eilt ins Zelt vor dem Sportheim. Spagetti und viel Obst stehen auf dem Tisch, und als es ein wenig laut wird, mahnt der Trainer: "Wir sind auch beim Essen diszipliniert." Von Muskelkater berichtet Thaddäus Keßler - er spielt in der U11 in Stangenroth - am dritten Tag des Camps. Mama Yvonne nimmt die tägliche Fahrt gerne in Kauf, "weil Erfahrungen außerhalb des gewohnten Umfelds stark machen".


Imagegewinn für den Verein

TSV-Vorstand Egon Göbel ist angetan von der hohen Professionalität der Fußballschule. "Die Veranstaltung ist schon eine Ehre für uns, und der Aufwand hält sich in Grenzen", zieht er ein Fazit. "Wir haben die Werbung unterstützt, stellen Platz, Umkleidekabinen und Duschen zur Verfügung. Auch das Zelt für die Kinder haben wir aufgestellt und helfen bei der Essensausgabe. Alles andere ist Sache von Real", meint er.
Die besten Nachwuchs-Kicker des Camps qualifizierten sich für die regionalen Ausscheidungscamps, an deren Ende für die herausragenden Kids in Sachen Talent und sozialer Kompetenz eine Reise in die Jugendakademie nach Madrid winkt.
"Fußball ist auch eine nachhaltige Schule fürs Leben", meint Stefan Renninger vom TSV Reiterswiesen und holt seinen Sohn Leo ab, der einmal so präzise spielen will wie Toni Kroos.