Timbersport kann jeder machen, der etwas Geschick hat, findet Phillip Vielwerth. Wenn man auf die muskelbepackten Arme des 51-jährigen schaut, mag man das allerdings nicht ganz glauben. Doch Vielwerth muss es wissen. Er hat sich voll und ganz dem Sportholzfällen verschrieben und lebt heute als einziger Deutscher auch von diesem Sport. Längst ist er allerdings vom Aktivenlager in den Hintergrund gewechselt.

Vielwerth gehört zu den Pionieren des Sportholzfällens in Deutschland. Als die Sportart 2001 von den USA, Kanada und Neuseeland auch nach Deutschland kam, besuchte er aus Interesse einen Kurs. Vielwerth kam vom Fach. Er arbeitete zu dieser Zeit schon viele Jahre als Waldarbeiter in der Rhön.

Damals hätten ihm die Fachleute Talent bescheinigt, erinnert er sich. "Es hat Spaß gemacht", ergänzt er. Kraft und Gefühl für die Wettkämpfe mit Säge und Axt hatte Vielwerth zwar, aber nicht die Nerven, die man im Wettkampf braucht, um Bestzeiten zu erzielen. "Ich war immer total aufgeregt", erinnert er sich - schlechte Voraussetzungen für den Sport, wie er fand. Als 2006 ein Helfer der Bühnencrew ausgefallen ist und Vielwerth einsprang, merkte er, dass er am richtigen Platz war. Er gab seine Aktiven-Laufbahn auf und organisierte Wettkämpfe und Trainingscamps.

Daraus entwickelte er die Idee eines festen Trainingsstützpunktes, in dem alle Fäden für diesen Sport zusammenlaufen können. Das Projekt hat Vielwerth zügig umsetzen können.

Seit 2006 ist er jetzt Chef des Stihl-Timbersports-Series-Trainingsstützpunkt. Die Stihl-Timbersports-Series sind die nationale und internationale Meisterschafts-Wettbewerbe. Seit eineinhalb Jahren ist der Stützpunkt von Stockheim nach Mellrichstadt verlegt. Dort konnte Vielwerth im ehemaligen Gelände der Hainberg-Kaserne ein großes Grundstück erwerben. Mit eigenen Händen hat er die große Trainingshalle errichtet - natürlich alles aus Holz. Dort können die aktiven Sportler Trainingscamps absolvieren. Es gibt aber auch Schnupperkurse für Anfänger. "Der Timbersport wächst jeden Tag", sagt Phillip Vielwerth.

Wie eine große Familie

Seit einigen Jahren ist der gebürtige Münnerstädter auch Captain der deutschen Timbersport-Nationalmannschaft. Im vergangenen Jahr landete das Team bei den Weltmeisterschaften auf Platz 5 hinter den großen Holzfäller-Nationen aus Übersee. Für Vielwerth ist das eine Bestätigung seiner Arbeit. Trotzdem ist Sportholzfällen in Deutschland eine echte Nischen-Sportart. Nur rund 30 aktive Sportler gibt es derzeit. Weitere 15 befinden sich im Aufbautraining. "Es ist wie eine große Familie", findet Vielwerth. Danny Mahr aus Bad Brückenau oder Robert Ebner aus Ottelmannshausen sind erfolgreiche Aktive aus der Region.

Im Juni sind die Wettkämpfe der Stihl-Timbersports-Series wieder angelaufen. Phillip Vielwerth wird in den nächsten Wochen häufig unterwegs sein. Er kümmert sich mit einer Crew um den Wettkampf-Aufbau und ist bei Show-Veranstaltungen dabei. In den Sommermonaten bestimmt der Rhythmus der Wettkämpfe die Aufgaben des 51-jährigen. Doch schon in den Wintermonaten muss Phillip Vielwerth den Grundstein für die Wettkämpfe legen.

Holz nach Maß

Fürs Sportholzfällen wird viel Holz benötigt. Darum kümmert sich Vielwerth. Das Wettkampfholz ist in der Regel die Pappel. 250 Festmeter verarbeitet Vielwerth pro Jahr. Er kauft Pappeln im Bestand, fällt sie selbst, transportiert sie auf sein Gelände in Mellrichstadt und verarbeitet sie zu Wettkampfholz. Die Stämme müssen auf genormte Maße getrimmt werden. Bei der Lagerung achtet Vielwerth auf die optimale Feuchtigkeit. Deshalb werden die fertigen Blöcke auch in Folie verpackt. "Die Sportler werden immer besser und sie verlangen immer besseres Holz", erklärt Vielwerth. Abfallholz, das reichlich anfällt, werde als regenerative Energie weiter verwendet.

Im Stützpunkt lagern die Trainingsgeräte fürs Sportholzfällen: Äxte, Trittbretter, Motorsägen oder die zwei Meter langen Zugsägen, die sogenannten Single Bucks. Nur ganz vorsichtig streicht Vielwerth mit dem Finger über das Sägeblatt. "Unheimlich scharf" seien die, meint er. Für Anfänger gibt es spezielle Übungsäxte. Man sieht mancher zerfurchten Schneide an, dass auch im Timbersport noch kein Meister vom Himmel gefallen ist.

In sechs Disziplinen muss jeder Timbersportler antreten. Die Techniken haben ihren Ursprung alle in der Holzfällerpraxis, erläutert Vielwerth. Phillip Vielwerth faszinieren die Disziplinen, wo es auf reine Handarbeit ankommt. "Kraft entscheidet, Präzision gewinnt", sagt der Fachmann. Die besten Europäer benötigen nicht einmal 20 Sekunden, um einen 32 Zentimeter dicken Holzstamm mit der Axt zu zerteilen.




Hintergrund: Timbersport