Druckartikel: Staksiger Neuzugang: Die Rhön-Alpakas in Waldfenster haben süßen Nachwuchs

Staksiger Neuzugang: Die Rhön-Alpakas in Waldfenster haben süßen Nachwuchs


Autor: Teresa Hirschberg

Waldfenster, Freitag, 17. August 2018

Fünf kleine Stuten und ein Hengst mischen neuerdings die Alpaka-Herde der Familie Wehner in Waldfenster auf. Und die Truppe ist noch nicht komplett.
Versuch eines Familienporträts: Sonja und Friedhard Wehner mit ihrem agilen Alpaka-Nachwuchs. Fotos: Teresa Hirschberg


Cleo Wehner quält sich schon seit Tagen. Der dicke Bauch plagt bei jedem Schritt, vor allem in der Sommerhitze. Immer wieder lässt sie sich für eine Verschnaufpause im Heu niedersinken. Schon fünf Tage ist sie mittlerweile über dem errechneten Geburtstermin. Und dabei warten Kana, Celestine, Monique, Jaime, Cindy und Lossario schon sehnlichst auf einen Spielgefährten.

Sechsmal begrüßten Sonja und Friedhard Wehner in diesem Jahr wolligen Nachwuchs. Das Paar betreibt seine Farm mit rund 40 Rhön-Alpakas in Waldfenster. Zehn Jahre Paarhufer-Erfahrung und dennoch: Jedes Mal ein Lotteriespiel, jedes Mal ein Überraschungs-Ei sei die Geburt, sagt Sonja Wehner. Während es beim Geschlecht nur auf zwei Möglichkeiten hinauslaufen kann, sind die Farbkombinationen komplexer.

Dreifarbige Alpakas sind selten

"Wir achten beim Decken schon auf die Fellfarben von Mutter und Vater", erklärt Sonja Wehner, während sie mit Hütehund Lucky zwischen den Alpakaweibchen im Stall steht. Dreifarbiges Fell ist bei den Alpakas besonders rar. "Cleo ist die einzige, die ein bisschen bunt macht. Und das weiße Gesicht vererbt sie immer." Die richtige Fellfarbe lasse sich sowieso erst nach dem ersten Scheren erkennen.

1#googleAds#100x100

Zwischen März und Ende Juli sind die Alpakajungen zur Welt gekommen, zwei Weibchen sind derzeit noch schwanger. Die zwölf Monate Tragzeit sind bei beiden bald abgelaufen.

Auf der Farm der Wehners wird gezielt gedeckt, damit das Geburtsdatum immer im Frühling oder Sommer liegt. Dann sind die Muttertiere mit frischem Gras versorgt und ihre Milch enthält mehr Eiweiß. "So können wir auch sichergehen, dass die Tiere vor dem Winter stabil genug sind", erklärt Friedhard We hner. Die beiden Rassen Huacaya und Suri untereinander zu paaren, mache allerdings keinen Sinn. "Das ergibt keine gescheite Wolle."

Risiko Nabelbruch bei Alpakageburt

Etwa eine Stunde nach der Geburt stehen die Jungen auf eigenen, wackeligen Beinen. Sobald das Fell getrocknet ist, hat es seine typische weiche Struktur. "Wir passen auf, dass sie trinken und keinen Nabelbruch haben", sagt Friedhard Wehner. "Wenn man nicht darauf achtet, können sie verbluten." Sechs Monate lang trinkt das Junge Muttermilch. "Danach wird es Zeit, dass es von der Mutter wegkommt. Sonst wird sie immer dürrer."

Sie sei jedes Mal froh, wenn kein Tierarzt bei der Geburt hinzugezogen werden müsse, sagt Sonja Wehner. Denn ärztliche Hilfe bedeute häufig auch Komplikationen. Wie im Fall der Totgeburt, die die 39-Jährige vor einigen Wochen im Stall entdeckt hatte. Die Tierärztin habe noch versucht, es mit einer Herzmassage und künstlicher Beatmung zu retten. "Aber die Augen waren schon ganz trüb", erinnert sich Sonja Wehner. "Wahrscheinlich ist es schon in der Nacht gestorben."

Totgeburt unter Alpakajungen

Einen halben Tag lang haben sie das tote Fohlen noch im Stall liegen lassen, damit sich die Mutter verabschieden konnte. So lange, bis sie es nicht mehr angestupst und dabei gesummt habe - das typische Geräusch, mit dem Alpakas miteinander kommunizieren. "Dann hat sie wohl gemerkt, dass kein Leben mehr drin war", meint Sonja Wehner.

Anders als Schafe nehmen Alpakaweibchen ihre Jungen auch wieder an, wenn sie zeitweise voneinander getrennt waren oder mit der Flasche aufgezogen werden mussten - wie bei einer dreitägigen Aufpäppelaktion der Wehners. Mutter und Kind erkennen sich auch noch nach Jahren, wenn andere Züchter beispielsweise ihre Tiere zum Scheren nach Waldfenster bringen.

Alpakatraining mit Halfter

Die ersten fünf Monate lassen die Wehners den Nachwuchs möglichst in Ruhe: "Wir fassen sie nur ab und zu an, damit sie sich an den Kontakt mit Menschen gewöhnen." Danach begleiten die Alpakajungen Sonja und Friedhard Wehner auf den Weihnachtsmarkt. Dafür müssen sie im Vorfeld darauf trainiert werden, am Halfter zu laufen.

"Wieso wir uns ausgerechnet für Alpakas entschieden haben? Weil wir verrückt sind", sagt Sonja Wehner und lacht. "Wir wollten was anderes als Schafe. Außerdem sind sie pflegeleicht und machen den Boden nicht kaputt." Generell seien Alpakas sehr aufmerksame, ruhige Tiere, könnten aber hin und wieder ihre temperamentvolle Seite zeigen. "Sie sind eben keine Kuscheltiere", stellt Sonja Wehner klar. "Auch wenn sie so aussehen."

Kurioses und Feierliches über Alpakas

Lippenbekenntnisse Als sicherer Schwangerschaftstest unter Alpakas gilt die Spuckfreudigkeit der weiblichen Tiere gegenüber den Hengsten: Spuckt sie ihn bei jeglichem Annäherungsversuch abweisend an, ist das Weibchen tragend und möchte lieber Ruhe.

Termin Am Samstag, 25.8, und Sonntag, 26.8., feiert die Rhön-Alpaka-Farm ihr zehnjähriges Jubiläum mit einem Hoffest. Ab 16 bzw. 10 Uhr können Besucher beispielsweise einen Kamelritt wagen. Mehr Infos zum Festprogramm gibt es unter www.rhoen-alpakas.de.