Gerald Betz als begnadeten Fußballer zu beschreiben, ist sicher nicht übertrieben. Schnell, quirlig, trickreich waren die Attribute des 56-Jährigen in seiner aktiven Zeit. Sich selbst nimmt der Diplom-Kaufmann allerdings nicht so wichtig, dafür ist der Obererthaler viel zu bescheiden. Umso wichtiger sind gut getimte Fragen, um doch etwas mehr in die Tiefe des Raums vorzustoßen...

Wer hat Sie angespielt?

Gerald Betz: Das war der Uwe Müller. Mit Uwe habe ich zum einen die Schulzeit bis zum Abitur am Gymnasium in Hammelburg verbracht und zum anderen knapp 20 Jahre beim FC 1913 Hammelburg gekickt. Uwe ist ein treuer Freund mit einem großen Herz, auf den ich mich immer blind verlassen konnte und kann.

Wie sieht Ihr Laufweg aus?

Von 1975 bis 1994 habe ich für den FC Hammelburg gespielt, mit dem ich 1992 in die Bezirksliga aufstieg. Bis ins Jahr 2000 kickte ich dann für den FC Fuchsstadt, mit dem es als Spielertrainer 1995 auch hoch in die Bezirksliga ging. Als Spieler habe ich am Kohlenberg 1999 sogar Bezirksoberliga spielen dürfen. Von 2014 bis 2021 war ich Jugendtrainer bei der SG Erthal/Thulba. Zu den Höhepunkten dieser Tätigkeit gehörten die Aufstiege in die Bezirksoberliga mit der U13 und U17 sowie die Ausbildung von Hussein Akbari, der später zum FC Ingolstadt wechselte, und Elias Wehner, der zur SpVgg Greuther Fürth ging. Seit Februar diesen Jahres bin ich Interimstrainer beim FC Thulba.

Sie wohnen seit geraumer Zeit in Obererthal, haben aber nie das rot-weiße Trikot getragen. Warum eigentlich nicht?

Ich habe mit 34 das Kicken in Fuchsstadt aufgehört, dann kamen unsere Kinder Paula, David und Samuel. Die Zeit, als die Kinder klein waren, habe ich besonders genossen und wollte da nicht mehr dreimal die Woche am Fußballplatz sein und das Kicken in Obererthal ausklingen lassen. Meinen sozialen Beitrag fürs Dorfleben und den RWO habe ich dann durch die Jugendarbeit erbringen können.

Ihre Frau Andrea hat früher selbst Fußball gespielt und soll sich für die schönste Nebensache der Welt mindestens genauso begeistern können wie Sie. Stimmt das?

Ja, Andrea ist voll dabei und hat da viel Freude dran. Bis zur U11 hat Andrea auch die Jugendmannschaften selbst trainiert, dann bin ich so langsam eingestiegen. Organisatorisch war und ist sie immer die Antreiberin: Die tollen Jugendturniere, wie das Finalturnier um den VW-Cup, die wir in München im Olympiastadion und am FCB-Gelände spielen durften, hatten die Jungs zum Beispiel ihr zu verdanken

Schauen Sie denn auch mal beim Frauenfußball zu?

Ja, Länderspiele oder Champions-League, wenn das spannende Spiele sind, leider ist die Leistungsdichte oft nicht gegeben. Dieser Frauenfußball ist technisch hochwertig und die Damen spielen in allen Ligen fairer. Die Härte und Rohheit ist im männlichen Amateurfußball teilweise nur schwer erträglich, man muss sich nur die Verletztenlisten anschauen und die daraus entstehenden volkswirtschaftlichen Kosten.

In Obererthal gibt es ja sogar die Betz-Arena. Was hat es denn damit auf sich?

Das ist der ehemalige Kartoffelacker neben unserem Haus von meinem leider verstorbenen Schwiegerpapa Heribert, der zum Bolzplatz umgewidmet wurde. Früher war da Hochbetrieb mit meinen beiden Jungs und ihren Freunden und ich durfte selbst häufig mitkicken. Heute freuen wir uns, wenn die leider zu wenigen Dorfkinder dort bolzen. Dort ist jeder willkommen, zur Zeit spielen dort zwei Flüchtlingskinder aus der Ukraine.

Sie haben für den FC Hammelburg gespielt, aber auch für den FC Fuchsstadt. Sind Sie mehr ein "Waddele" oder ein Kohlenbergler?

Beides. Ich hatte bei beiden Vereinen eine sehr schöne Zeit. In Hammelburg gemeinsam mit meinem großen Bruder Jürgen und vielen Jugendfreunden unter dem tollen Vorstand Heinrich Nöll. Dann durfte ich in Fuchsstadt nochmal das Kicken in einem fußballverrückten Dorf genießen. Und dort insbesondere mit Bernd Heid auf einen Freund treffen, dem wir während meiner Leukämieerkrankung vor rund 15 Jahren unendlich viel zu verdanken haben.

Viele Leute kennen Sie nur als Fußballer und/oder Trainer. Haben Sie noch andere sportliche Seiten?

Ich versuche dreimal die Woche durch die Fluren im Thulbatal zu laufen und fahre ansonsten in den Sommermonaten gerne Rad

Man sagt Ihnen nach, Sie bevorzugen privat wie beruflich eher das Understatement als dass Sie den Lautsprecher geben. Stimmt das?

Ja, ich bin wohl eher ein zurückhaltender Mensch und versuche ein Thema erstmal zu durchdenken. Erst dann äußere ich meine Sicht der Dinge. Lautsprecher gibt es mittlerweile eh zu viele, besonders jene, die mit flachen und unwahren Botschaften in den sozialen Medien auf fruchtbaren Boden stoßen und die Menschen scharf machen. Das macht mir Sorgen im Hinblick auf das Zusammenleben unserer Kinder.

Und sind Sie als aktueller Trainer des Bezirksligisten FC Thulba auch mehr der kommunikative Typ?

Führung ohne Kommunikation geht heute nicht mehr, diese Zeiten sind Gott sei Dank vorbei. Nur Vereine, die auf die jungen Menschen eingehen und in der Lage sind diese zu begeistern werden auf Dauer überleben. Dazu ist die Konkurrenz aus vielfältigen Freizeitangeboten viel zu groß. Es sei denn, man schafft finanzielle Anreize, aber das ist nicht unser Weg und auch gut so.

Was hat denn den Ausschlag gegeben, dass Sie in der Winterpause das Traineramt in Thulba übernommen haben?

Der Verein ist aktuell in einer schwierigen Lage nach der verkorksten Vorrunde und Olli Mützels kurzfristigem Rücktritt. Da helfe ich gerne für ein Vierteljahr aus, um zu stabilisieren, bis mit Dominic Hugo ein hervorragender Trainer übernimmt. Zudem können wir langsam die Früchte unserer Jugendarbeit einfahren. Im Sommer rücken mit Elias Pump, Linus Schießer und Felix Vogel drei weitere sehr talentierte Jugendspieler nach.

Trainieren Sie eigentlich aktuell noch eine Jugendmannschaft?

Da ich im Moment die Herrenmannschaft trainiere, nein. Mit Julian Brönner haben wir für die U17 einen prima Ersatz gefunden. Ich denke, ab Sommer werde ich mich dann wieder der Jugendarbeit zu wenden. Vom Verband wünsche ich mir dann wieder bessere Angebote für die Jugend, aktuell haben viele Teams nur etwa 15 Pflichtspiele im Kalenderjahr, und die in vier bis fünf Monaten. Wie soll man da die Jungs bei Laune halten und weiter bringen.

Ihr Sohn Samuel pfeift als Schiedsrichter für den SV Obererthal, David spielt beim FC Thulba. Wie würden Sie die jeweiligen Talente beurteilen?

Als Vater seine Kinder zu beurteilen, ist nicht einfach, da ist man immer ein wenig befangen. Samuel (17) ist sowohl Schiedsrichter als auch U17-Kicker; mal sehen, für welchen Weg er sich entscheidet. Samuel ist für sein Alter ein sehr cleverer Spieler, der ein Spiel lenken kann. Als Schiedsrichter hat er jetzt schon eine souveräne Spielführung. David (20) hat nach seiner schweren Knieverletzung mit fast zweijähriger Pause nie aufgegeben und ist mit seinen Dribblings, Pässen und Abschlüssen mittlerweile ein wichtiger Faktor für den Offensivbereich des FC Thulba.

An wen spielen Sie weiter?

An Dominic Hugo. Dominic ist seit Jahren in der Jugendarbeit hoch engagiert, aktuell als U16-Trainer des FC 05 Schweinfurt. Dominic ist ein feiner Mensch, immer hilfsbereit und ein fuß