Philipp Metz geht mit Oberthulba durch dick und dünn

5 Min
Philipp Metz vom TSV Oberthulba hatte zum Fototermin sein erstes Torwart-Trikot dabei. Steffen Standke
Philipp Metz vom TSV Oberthulba hatte zum Fototermin sein erstes Torwart-Trikot dabei. Steffen Standke

Der 27-Jährige steht im Kasten der "Öwerdöllwer Buam" und plaudert im Interview aus dem Nähkästchen.

Nach dem Ihr in der abgelaufenen Saison am letzten Spieltag ganz bitter abgestiegen seid, läuft es für Euch deutlich besser. Ihr grüßt mit nur einer Niederlage bei sieben teilweise fulminanten Siegen von der Tabellenspitze der A-Klasse Rhön 1. Was ist das Erfolgsgeheimnis? Die aktuelle Tabellensituation darf man nicht überbewerten, aber die Richtung stimmt mit unserem Ziel überein. Das Erfolgsgeheimnis beginnt bereits unter der Woche beim Training. Du spürst einfach, dass jeder einen Tick mehr Einsatz zeigt und einfach geil darauf ist, am Wochenende spielen zu dürfen. Da ist es egal, ob du in der SG-Mannschaft ran darfst oder bei der Ersten, da der Teamgeist in dieser Runde überwiegt. Dazu haben die vier Spieler, die aus unserer Jugend kamen, und die beiden Neuzugänge Marius Schubert und Felix Lutz nochmal einen ganz neuen Schwung mitgebracht. Da müssen auch die alten Hasen mal an ihre Schmerzgrenze gehen.

Wie kam es überhaupt dazu, dass ihr den Gang in die A-Klasse antreten musstet? Wir haben in der vergangenen Runde einfach zu einfache Punkte liegen gelassen. Nach dem Trainerwechsel gegen Rundenende ist nochmal eine Euphorie entstanden. Mit Siegen gegen Mannschaften aus dem oberen Bereich hatten wir wieder alles in eigener Hand. Am letzten Spieltag zeigte sich, dass wir einfach zu viele Chancen brauchen, um Tore zu machen. Dann kommt noch ein Bock von mir dazu, und schon bist du direkt abgestiegen, trotz der besten Ausgangsposition. Aber die Mannschaft hat anschließend Charakter gezeigt und gemeinsam mit den Verantwortlichen den Abstieg abgehakt. Damit war der Kopf frei für neue Ziele. Entsprechend selbstbewusst und fokussiert tritt die Mannschaft auf.

1#googleAds#100x100

Jetzt kommt es zum Spitzenspiel mit der TSVgg Hausen, die zuletzt überraschend gegen den SV Machtilshausen mit 0:2 verlor, womit Euer Vorsprung auf Platz zwei auf fünf Zähler anwuchs. Was erwartest Du für dieses Spiel? Hausen hat ja ein Spiel weniger als wir, und sollte die TSVgg das Nachholspiel gewinnen, sind es nur noch drei Punkte Unterschied. Ich erwarte ein taktisch sehr hohes Niveau, da beide Mannschaften wissen, um was es in diesem Spiel geht. Sicherlich wird hier nicht die Meisterschaft entschieden, aber ein klares Zeichen in diese Richtung gesetzt. Beide Mannschaften haben eine gute Offensive, daher werden die Defensive und der Wille das Spiel entscheiden.

Welche Ziele habt ihr Euch in dieser Saison gesetzt? Wir wollen um die ersten beiden Plätze mitspielen, alles andere wäre unter den Erwartungen. Allerdings haben wir mit der DJK Schondra, bei der wir unsere einzige Niederlage kassierten, Hausen sowie Obereschenbach starke Konkurrenz. Da musst du auch die vermeintlich einfachen Punkte mitnehmen. Ich denke, dass diese Spiele am Ende den Ausschlag geben werden.

Du hast in acht Spielen erst fünfmal hinter Dich greifen müssen. Überragender Keeper oder bärenstarke Vorderleute? Logischerweise liegt dies am überragenden Keeper (lacht). Spaß beiseite, es liegt ganz klar an unserer geschlossenen Mannschaftsleistung, die nicht erst auf dem Platz beginnt, sondern bereits in der überragenden Vorarbeit unseres Trainerteams. Wir werden für jedes Spiel mehr als gut eingestellt.

Nicht unerwähnt sollen die bereits 31 erzielten Treffer bleiben. Wie kommt es zu so einer derartigen Torexplosion? Die neue Auslegung unseres Spiels sowie die offensive Verstärkung durch Marius und Felix tun uns da ganz gut. Zudem man Markus Markert, Sebastian Weidner, Erik Beyer und Alexander Zülch in der Offensive nicht vergessen darf. Insgesamt sind wir in dieser Runde breiter und offensiver aufgestellt. Einmal funktionierte es nicht so gut. Das Spiel bei Mitabsteiger Schondra ging 1:3 in die Binsen. Was lief da schief? Freitagabend, optimales Fußballwetter: Bessere Voraussetzungen bekommst du für so ein Spiel nicht. Wir hatten teilweise mehr vom Spiel, aber Schondra hatte die Räume gut zugestellt und mit vier Chancen drei Tore erzielt. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Der ehemalige und auch legendäre Bundesliga-Trainer Max Merkel hat den Spruch geprägt: "Torhüter und Linksaußen haben eine Macke". Welche Macken begleiten Dich? Ganz klar meine Ausflüge außerhalb des 16ers, über die sich mancher Zuschauer sicher wundert. Zumeist gehen diese Ausflüge aber gut aus. Den einen oder anderen lauteren Anschiss dürfen sich meine Mitspieler zudem gerne mal abholen.

Mit knapp 28 Jahren bis Du einer der erfahrensten Spieler. Gehst Du entsprechend voran oder lässt Du die Jungs machen? Das stimmt, wir haben einen sehr jungen Kader. Logischerweise machen die erfahreneren Spieler den Mund mehr auf. Aber Spieler wie Fabian Zahaczewski und Christian Herrlein, die gerade aus der Jugend kamen, übernehmen bereits enorm viel Verantwortung auf und neben dem Platz. Das Ziel beim TSV ist ganz klar auf die Jugendarbeit ausgelegt. Unter dem Motto "Öwerdöllwer Buam" wächst das Ganze auch mit unseren Partnervereinen der SG gut zusammen.

Welcher Trainer hat Dich am meisten geprägt und mit welchem Spieler hast Du am liebsten zusammen gekickt? Rüdiger Klug hat mich technisch nochmals auf ein anderes Level gehoben. Wer Rüdiger kennt und unter ihm trainiert hat, weiß, wovon ich spreche. Menschlich und persönlich war dies ganz klar Oliver Hartung. Mit Oli hatte ich mehr als ein überragendes Jahr, leider musste Oli berufsbedingt aufhören. Der Kontakt ist aber bis heute nicht abgebrochen. Vermissen tue ich ganz klar Patrick "Bebbo" Wehner, der jetzt vermehrt in der SG in der B-Klasse aushilft. Die Bespaßung in der Kabine oder beim Feiern nach dem Spiel waren ebenfalls legendär. Mit Markus "Robby" Markert habe ich einen Mitspieler an meiner Seite, der mich von Kindheitstagen an begleitet. Wir sind, trotz mehrfacher Angebote von höherklassigen Vereinen, unserem TSV treu geblieben. Solche Geschichten gibt es heutzutage selten. Wer war Dein unangenehmster Gegenspieler? Yanik Pragmann vom Kreisliga-Aufsteiger FC Westheim war der für mich unangenehmste Gegenspieler, da du einfach nicht einschätzen konntest, ob er an dir vorbei geht oder doch lieber den Lupfer wählt. Neben dem Platz hat man noch Kontakt, allerdings würde ich mich freuen, baldmöglichst mal wieder gegeneinander zu spielen.

Wenn Du am Wochenende Zeit hast, für welches Spiel welcher Mannschaft würdest Du Dich interessieren? Aktuell wäre es das Bezirksliga-Spiel des FC 06 Bad Kissingen gegen den SV Riedenberg. Ich glaube, ein besseres Derby gibt es am Wochenende bei uns im Landkreis nicht anzusehen.

Betrachten wir doch mal den Profibereich. Gibt es in der Bundesliga wieder den berüchtigten Bayern-Alleingang? Die Frage kann ich ja nur pathetisch beantworten, da ich Bayern-Fan bin (lacht). Ich denke, dass der BVB mithalten kann, aber die Bayern dennoch auf einem anderen Niveau sind. Sollte der ein oder andere Verletzte bei den Bayern hinzukommen, könnte es spannend werden.

Was hat es mit dem Ort auf sich, den Du fürs Foto vorgeschlagen hast? Mit dem Herbert-Neder-Sportpark verbinde ich meine ganze Kindheit und meine Fußballer-Laufbahn. Als kleiner Knirps bin ich schon jeden Tag am Sportplatz gewesen und habe die Spiele der ersten Mannschaft begleitet, mit der Hoffnung selbst irgendwann mal dort zu spielen. Seit 27 Jahren ist dies meine Heimat und der Ort, an dem ich das Kicken gelernt habe und meine Schuhe irgendwann mal an den Nagel hängen werde.

Position "Es hat beim TSV Oberthulba begonnen und wird hier auch enden", sagt Philipp Metz, der schon immer im Tor stand - und zwar ausschließlich für seinen Heimatverein.

Sportliche Erfolge Neben etlichen Jugendmeisterschaften und Pokalen zum besten Torhüter eines Turniers war dies für den 27-Jährigen der Aufstieg in die Kreisliga.

Schönste Karrieremomente Das waren für Metz das Relegationsspiel gegen Gräfendorf um den Klassenerhalt in der Saison 15/16 und der Aufstieg 12/13 in die Kreisliga. "In die Relegation um den Klassenerhalt ging ich verunsichert, da du nicht weißt, was auf dich zukommt. Aber dann gewinnen wir mit einem klaren 6:1. Diese Momente und die Feier danach vergisst du nicht so einfach", sagt Metz.