Bad Brückenau
Laufsport

Fabelzeit auf der Himmelsleiter beim Dreggichen 1000er

Der Trailrun vom Bad Brückenauer Felsenkeller bis zur ehemaligen Skipiste lockte über 150 Teilnehmer an, zum Teil sogar aus dem Saarland oder Hannover.
Die Bewunderung der Zuschauer galt allen Startern beim knüppelharten "Dreggichen 1000er". Fotos: Sebastian Schmitt
Die Bewunderung der Zuschauer galt allen Startern beim knüppelharten "Dreggichen 1000er". Fotos: Sebastian Schmitt
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Der "Dreggiche 1000er" hat bei seiner zweiten Auflage erneut Läufer und Fans scharenweise in den Bann gezogen und seinem Namen diesmal alle Ehre gemacht. Denn so richtig "dreggich" wurde es angesichts des matschigen Rhöner Bodens für ziemlich alle Beteiligten. Unerbittlich prasselte der Regen auf die 124 Starter nieder, die auf dem 912 Meter langen Trailrun mit einer Steigung von 22 Prozent stolze 140 Höhenmeter überwinden mussten.

Mit einer Fabelzeit von 5 Minuten und 20 Sekunden holte sich der erfahrene Bergläufer Marcus Enders (SV Frankenheim) den Gesamtsieg der Männer und stellte damit die bisherige Bestzeit von 5:33 Minuten aus dem Vorjahr deutlich in den Schatten. Bei der Vergabe der folgenden beiden Plätze ging es um Zehntelsekunden. Christoph Oehrlein (TV/DJK Hammelburg) landete mit mit 5:44,49 einen halben Wimpernschlag vor dem Vorjahressieger Florian Kretschmann (Muna läuft/Oberwildflecken), der eine elektronisch per Transponderchip gestoppte Zeit von 5:45,09 erreichte. Knapper geht's fast nicht. Die drei Ausnahmeathleten waren übrigens die einzigen Teilnehmer, die bei dem kraftraubenden Trailrun unter sechs Minuten blieben.

Bei der Wertung der Frauen war es nicht ganz so spektakulär knapp. Vanessa Klaus (Team Schwarze Berge Rhön) landete mit 7:42 Minuten auf dem Spitzenplatz. Gefolgt von Barbara Rebecca Bücken (Fuldaaue Parkrun) mit 8:15 und Tanja Sperl (SD 2020 Bad Brückenau), die eine Zeit von 8:18 erreichte. Viel wichtiger als die sportlichen Glanzleistungen: Trotz des schwierigen und vor allem schmierigen Untergrundes blieben die Teilnehmer, die allesamt an ihre Grenzen gehen mussten, verletzungsfrei.

Erstmals waren auch Kinder dabei

Die steile Strecke vom Felsenkeller über die Marienstatue bis zur ehemaligen Bad Brückenauer Skipiste und dann die Himmelsleiter hinauf war früher eine traditionsreiche sportliche Herausforderung der Handballer in der Saisonvorbereitung. Auch Bad Brückenauer Fußballer hatten sich immer wieder dieser sportlichen Quälerei unterzogen. In den zurückliegenden Jahren war diese gefürchtete Tortur ein wenig in Vergessenheit geraten, bis die Gründer des Vereins SD2020 diese Bad Brückenauer Tradition wieder aufleben lassen wollten unter dem Namen "Dreggicher 1000er".

Im vergangenen Jahr hatte der Trailrun Premiere gefeiert. Knapp 90 Teilnehmer begaben sich bei der Uraufführung an den Start am Felsenkeller. Heuer kam ein weiteres Format dazu: Beim "Dreggichen 100er" konnten sich Kinder im Alter zwischen sechs und zehn Jahren auf dem letzten steilen Anstieg auf der ehemaligen Skipiste voll verausgaben. Eine Zeitmessung fand bei den rund 30 Kindern allerdings nicht statt, denn bei diesem Wettbewerb ging es rein um den Spaß an der Bewegung auf äußerst matschigem Terrain. Nach der Siegerehrung feierten Sportler und Zuschauer bis in die Nacht hoch oben über Bad Brückenau zu den Klängen der "Feierabänd" weiter. Nass wurden sie dabei allerdings nicht mehr, denn die Veranstalter hatten kurzerhand ein Festzelt organisiert.

"Wir sind sehr zufrieden. Alle Läuferinnen und Läufer blieben verletzungsfrei trotz des wirklich ,dreggichen' Untergrundes. Die elektronische Zeitmessung hat sich bewährt, weil die Abstände gerade bei den Platzierungen teilweise sehr knapp waren. Trotz des nassen Wetters waren Zuschauer sowie Athleten von der Veranstaltung begeistert", lautet das Fazit von Peter Sperl vom Veranstalter-Team, dessen Dank auch allen Sponsoren galt, ohne die ein solches Event in dieser Größenordnung nicht durchführbar gewesen wäre. Mittlerweile erstreckt sich die Reichweite mit Startern aus dem Saarland und Hannover weit über den Landkreis Bad Kissingen hinaus. "Mal sehen, ob im kommenden Jahr sogar die 5-Minuten-Hürde fällt", blickt Sperl schon auf 2023 voraus. Dann soll es wieder "dreggich" werden auf der Bad Brückenauer Himmelsleiter.