Hetzlos
Bogensport

Elisa Tartler nimmt jetzt die Olympischen Spiele ins Visier

Die Bogensportlerin vom SV Bavaria Thulba gehört längst zur nationalen Elite. Bronze bei den World Games ist das vorläufige Karriere-Highlight der Hetzloserin.
Beachtliche Erfolge: In den vergangenen Wochen hatte Elisa Tartler reichlich Grund zum Jubeln. Foto: Team Deutschland
Beachtliche Erfolge: In den vergangenen Wochen hatte Elisa Tartler reichlich Grund zum Jubeln. Foto: Team Deutschland
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Wer sich für eine Randsportart entscheidet, hat es doppelt schwer, ins Rampenlicht zu kommen. Elisa Tartler hat genau das geschafft. Und wie. Die jüngste Medienpräsenz der 23-Jährigen erstaunt. Sogar Live im Öffentlich-Rechtlichen war die Hetzloserin zu sehen: bei den sogenannten "Finals". Mittendrin statt nur dabei war die Bogensportlerin, als in Berlin in 14 Sportarten um insgesamt 190 Meistertitel gekämpft wurde. Für Elisa Tartler vor allem ein Kampf im Kopf, denn wer im Bogenschießen reüssieren will, muss sich extrem gut konzentrieren und fokussieren können.

Auf dem Olympischen Platz, vor der Kulisse des Olympia-Stadions, gewann die Unterfränkin mit dem Recurve-Bogen Bronze im Mixed mit der Bogensport-Gemeinschaft (BSG) Ebersberg sowie Gold im Teamwettbewerb mit dem BSC BB Berlin an der Seite von Clea Reisenweber und Elina Idensen, allesamt Kaderschützinnen des Deutschen Schützenbundes. "Wir haben viel über den Wind geredet, weil wir uns alle nicht sicher waren. Dann haben wir beschlossen, wir machen mutige Schüsse, und das hat ja super geklappt", verriet Tartler die Vorgehensweise. Geschossen wurde wie üblich auf eine Entfernung von 70 Metern.

Für mehrere Vereine im Einsatz

"Für Berlin bin ich gestartet, weil ich da auch trainiere. Für Ebersberg bei München, weil ich für diesen Verein in der Bundesliga schieße, übrigens zusammen mit meinem Freund", erklärt Elisa Tartler, die seit 2018 ihren Lebensmittelpunkt in der Millionenstadt an der Spree hat - mit dem Status Profi-Sportlerin. "Am Anfang war das schon eine krasse Umstellung von Hetzlos in die Großstadt. Mir gefällt Berlin, wo ich zusammen mit meinem Freund im Ortsteil Weißensee lebe, aber mit dem halben Herzen bin ich noch in Hetzlos und bei meinem Verein in Thulba, für den ich ja bei nationalen Wettkämpfe antrete. Mit einem Fuß möchte ich noch beim SV Bavaria stehen bleiben."

Begonnen hatte die Karriere im Jahr 2009 beim Tag der offenen Tür beim SV Bavaria Thulba. "Das war faszinierend, weil jeder mitmachen durfte. Auch viele meiner Freunde kamen so zum Verein. Mein Trainer Marko Friedrich hatte mir Talent bestätigt und mir die ersten Schritte beigebracht", erinnert sich die 23-Jährige, die nach dem Abitur am Hammelburger Frobenius-Gymnasium auch an die berufliche Karriere dachte und im Februar 2022 erfolgreich die Ausbildung zur Polizeimeisterin in der Bundespolizei-Sportschule am Bundesleistungszentrum Kienbaum (Brandenburg) abschloss.

"Einmal im Jahr absolviere ich für einen Monat ein Berufserhaltungs-Praktikum. Ansonsten bin ich Sportlerin mit fünf bis sieben Trainingstagen in der Woche, mit mehreren Einheiten am Tag, im Sportforum Hohenschönhausen", sagt das (seit 2016) Mitglied der Bogen-Nationalmannschaft bei Bundestrainer Oliver Haidn. Ausdauer- und Krafttraining ist ebenso Teil des Alltags wie die Zusammenarbeit mit einer Sportpsychologin. "Da gibt es unterschiedliche Inhalte wie das Erlernen von Techniken, um die Nervosität in den Griff zu bekommen."

Beachtliche Erfolge

Deutsche Meisterin wurde Elisa Tartler im vergangenen Jahr mit dem Recurvebogen, beim Grand Prix im türkischen Antalya gab es das erste Edelmetall bei den Erwachsenen, eine Team-Medaille beim Weltcup in Guatemala. Mit ihrem Verein Ebersberg ist die Hetzloserin amtierende Deutsche Vizemeisterin. Bogensport-Profis sind das ganze Jahr unterwegs, sammeln Flugmeilen weltweit. Grand Prix-Wettkämpfe und Weltcups ziehen sich über eine Woche, ebenso lange dauern die meist im Winter abgehaltenen Trainingslager.

Tuner helfen beim Equipment

Um die Sportgeräte kümmern sich sogenannte Tuner. "Da gibt es eigene Lehrgänge, in denen es um die Einstellung der Bögen geht", sagt Tartler, die ihren Karriere-Höhepunkt erst vor wenigen Tagen erlebte: bei den World Games in den USA. Bei den "Olympischen Spielen der nicht-olympischen Sportarten" in Birmingham im Bundesstaat Alabama mit 30 Sportarten und 3600 Athletinnen und Athleten gewann Elisa Tartler ("Das war meine erste Medaille bei einem internationalen Multi-Event") im Feldschießen Bronze. Der Startplatz im Einzel war eigentlich für die hochdekorierte Lisa Unruh vorgesehen, doch nach deren Karriere-Ende gab es unter drei Bogensportlerin ein "Stechen", in dem sich die Hetzloserin behauptete.

24 Herausforderungen im Parcours

Im Parcours in Birmingham galt es für die zwölf Sportlerinnen, auf Entfernungen von zehn Meter bis 60 Meter zwölf Scheiben mit unbekannter und zwölf Scheiben mit bekannter Entfernung anzuvisieren. "Dass Fans teilweise sehr nah dabei waren, war schon ein krasses Erlebnis. Und für mich war es eine wichtige Erfahrung, auf so einer großen Bühne zu schießen. Ich träume schließlich davon, bei Olympischen Spielen mal eine Medaille zu gewinnen", sagt die 23-Jährige.

Die nächste Gelegenheit dazu gäbe es 2024 in Paris. Um in der französischen Kapitale dabei sein zu können, muss sich Elisa Tartler erst für die Heim-Weltmeisterschaft im nächsten Jahr in Berlin qualifizieren, selbst Kader-Athleten müssen sich für jeden Wettkampf neu empfehlen, und dort einen der ersten vier Plätze erreichen, um sicher in Paris dabei zu sein.

"Elisa war schon immer sehr ehrgeizig und hatte eben das nötige Talent. Dass ich gewisse Grundlagen legen konnte, macht einen schon stolz, aber das alles jetzt ist ihr Erfolg", sagt Marko Friedrich, der seit gut 20 Jahren den Nachwuchs in Thulba betreut und immer noch mitfiebert, wenn die Hetzloserin nach Edelmetall greift. Am Donnerstag hatte der SV Bavaria seiner Sportlerin einen großen Empfang im Schützenhaus bereitet - samt vorangegangenem Umzug durch den Ort. Bereits am nächsten Wochenende gibt es ein Wiedersehen mit Elisa Tartler bei den Bayerischen Meisterschaften in München-Hochbrück, wo der SV Bavaria Thulba mit einer Delegation vertreten ist.