Ein herrliches Familientreffen in Rannungen
Autor: Jonas Schneider
Rannungen, Montag, 10. Sept. 2018
Barfußläufer und Freunde der vegetarischen Kost: Bunt geht es zu beim Wald- und Naturlauf.
Wenn sich 650 Läufer und 120 Helfer rund um den Rannunger Wasserturm tummeln, ist wieder Wald- und Naturlauf. "Es lief alles perfekt. Wir hatten Glück mit dem Wetter und das wichtigste: keine schlimmen Verletzungen", bilanzierte Tobias Wegner, der Kopf des Organisationsteams.
Es geht bunt zu an diesem Sonntagmorgen. Und laut. "Wir sind hier jedes Jahr, um die Läufer anzufeuern", sagt Kathrin Hubl von der Trommelgruppe aus Oerlenbach, die sich nach dem Start der Läufer ebenfalls in Bewegung setzt, um den Teilnehmern an verschiedenen Punkten "einen letzten Schub zu geben". Trotz einer intensiven Begehung in den Tagen zuvor hatten sich wie im Vorjahr Hornissen unters Volk gemischt - einige Stiche waren die Folge. "Das Nest am See konnte man vorher einfach nicht sehen. Es blieb dieses Jahr aber alles im Rahmen", sagt "Obersanitäter" Alfred Erhard, dessen Team in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr alles unter Kontrolle hatte.
Die Teilnehmer lobten vor allem die Atmosphäre, die anspruchsvolle Naturstrecke und die gute Organisation. "Das hier ist eine sehr familiäre Veranstaltung. Ich freue mich jedes Jahr und laufe hier, seit ich denken kann", sagt Jana Vollert, die bei den Frauen den Lauf über fünf Kilometer gewann mit einer beachtlichen Siegerzeit von 19:09 Minuten.
Lob vom Lehrer
Der Sieg im Halbmarathon ging an Marius Mayer vom Swan Racing Team. "Ich bin hier vor drei Jahren meinen ersten Halbmarathon gelaufen. Die Strecke ist technisch anspruchsvoll und genau das macht den Reiz aus", sagt der 29-Jährigem, der aus Schwanfeld im Landkreis Schweinfurt stammt und zwei Jahre in Ebenhausen an der Grundschule unterrichtete. "Durch mein Referendariat bin ich auf den Wald- und Naturlauf aufmerksam geworden. Ich mag die Strecke und finde die Veranstaltung top organisiert", lobt der Lehrer. Im Ziel wartete der Sieger mehr als eine Minute auf seine schärfsten Verfolger. "Michael Wetteskind und Markus Veth waren immer nah dran, das hat mich gepusht", erzählt der Sportsmann, der den Halbmarathon in weniger als 80 Minuten absolvierte.
Im Zehn-Kilometer-Lauf war Hans Appel von der DJK Schweinfurt nicht zu schlagen mit einem stabilen Vorsprung von zwei Minuten vor Martin Ackermann (TG 48 Schweinfurt) und Marcel Gruber (SV Herschfeld). "Nicht nur die Schnellsten sind für mich Gewinner. Besonders beeindruckend finde ich auch Läufer, die im hohen Alter weite Strecken laufen", sagt Tobias Wegner. Das bunt gemischte Teilnehmerfeld beginnt bei einjährigen Kids, die an der Hand ihrer Eltern beim Bambinilauf teilnehmen bis hin zu Franz Stockheimer, der mit 82 Jahren die zehn Kilometer in 66 Minuten läuft. Auch beim Halbmarathon macht ein Urgestein mit. Heinz Groove von der TG Schweinfurt wird in zwei Wochen 80 Jahre alt und legt die 21 Halbmarathon-Kilometer in unter drei Stunden zurück. Der 79-Jährige bereitet sich derzeit auf den Marathon in New York City vor.
Nicht allein durch ihr Alter stechen einige Teilnehmer aus dem Feld heraus. Johannes Scherer läuft barfuß und gehört einer Bewegung an, die sich "Barefootrunners" nennt: "Wir fördern das Barfußlaufen auf langen Strecken. Es ist athletischer, trainiert stark die Beinmuskulatur, kann von Fußproblemen befreien und führt, wenn man es richtig macht, zu keinen Laufverletzungen", erklärt "Joe Barefoot", so sein Spitzname. Barfußläufer bevorzugen eigentlich Waldboden und Asphalt, doch Johannes Scherer lief trotz der Teilstücke auf Schotter das vierte Mal in Rannungen mit. Die Leute hier sind immer interessant und das Ambiente familiär."
Eine Botschaft verpackt
Manfred Pabst und Peter Kühne liefen für den Vegetarierbund "proveg", eine Initiative die sich für fleischfreie Ernährung einsetzt. Beide liefen die zehn Kilometer in unter einer Stunde: "Für mich war die Strecke anspruchsvoll. Aber die Natur so wahrzunehmen, ist ein Erlebnis", meinte Manfred Pabst bei seiner Rannunger Premiere. In 47 Minuten absolvierte Roland Kraus vom SC Kemmern die Strecke, damit wurde der 60-Jährige Zweiter seiner Altersklasse. Der Oberfranke weiß, wie viel Arbeit und Organisation hinter solch einem Lauf stehen, da sein Verein jährlich den Kuckuckslauf ausrichtet. "Unser Lauf ist ein Straßenlauf, bei dem man zwar bessere Zeiten erreichen kann; aber die Natur und der Wald hier haben ihren Charme", so Kraus.