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Alexander Müller: mit Leib und Seele Fußballer


Autor: Stephan Penquitt

Oerlenbach, Donnerstag, 13. Sept. 2018

Alexander Müller hat viel Erfahrung im Amateurfußball. Obwohl er inzwischen Familie hat und ein Haus baut, kann er den Sport nicht lassen. Das hat Gründe.
Alexander Müller spielt bei der SG Oerlenbach/Ebenhausen eine Hauptrolle. Im Interview spricht er über den Saisonverlauf, Jogi Löw und warum es ihn zurück zu seinem Heimatverein zog.Jürgen Schmitt


V iele Jahre kickt Alexander Müller beim TSV Oerlenbach beziehungsweise der SG Oerlenbach/Ebenhausen, ist Kapitän und Führungsfigur. Dazwischen schnupperte der 33-Jährige, verheiratete Elektroingenieur in Schwebenried auch ein paar Jahre Bezirks- und Landesliga-Luft. Im Interview berichtet der Innenverteidiger, wie es dazu kam und warum er wieder nach Oerlenbach zurückkehrte. Darüber hinaus plaudert Müller über den Saisonverlauf. Und er bricht eine Lanze für Jogi Löw.

Die Hälfte der Vorrunde ist absolviert. Die SG Oerlenbach/Ebenhausen steht mit je drei Siegen und Niederlagen auf Platz sechs der Kreisklasse Rhön. Wie ist Dein persönliches Zwischenfazit? Alexander Müller: Unterm Strich befinden wir uns gerade in der Tabellenregion, in der wir am Ende der Saison vermutlich auch stehen werden. Auch wenn im Umfeld die Erwartungshaltung an das Team sehr hoch ist, fehlen uns die Mittel, sie zu erfüllen. In unserer Mannschaft spielen viele Polizisten, Schichtarbeiter, aber auch mehrere, deren Arbeitgeber nicht um die Ecke ist. Das sieht man an den ständig wechselnden Startformationen. Daher ist es schwierig, ganz oben mitzuspielen.

Die drei Siege habt Ihr gegen Mannschaften eingefahren, die in der Tabelle hinter Euch liegen, dagegen seid Ihr gegen Teams, die in der Tabelle weiter vorne platziert sind, bisher leer ausgegangen. Woran liegt das? In den drei erfolgreichen Spielen sind unsere Schwächen nicht so stark in Erscheinung getreten. Wir haben in zwei der drei verlorenen Partien stark gespielt; jedoch hatten die Gegner Spieler in ihren Reihen, die unsere Schwächen eiskalt aufgedeckt haben. Wir bekommen es aktuell nicht in den Griff, die starken Einzelspieler der gegnerischen Mannschaft zu isolieren. Dazu kommt, dass wir auch offensiv die Torgefahr teilweise vermissen lassen und im Spielaufbau zu viele Fehler machen, die vom Gegner eiskalt ausgenutzt werden. Ich gehe davon aus, dass diese drei Mannschaften mit Bad Brückenau um den Kreisligaaufstieg spielen werden.

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Am Sonntag geht es gegen die SG Gräfendorf/Wartmannsroth. Wie ist die Lage bei Euch vorm Match? Wie schätzt Du den Gegner ein? Gräfendorf ist im letzten Jahr als Mitaufsteiger stark in die Saison gestartet. Im Rückspiel ist es ziemlich optimal für uns gelaufen, so dass es am Ende eine eindeutige Angelegenheit war. Allerdings werden wir den Gegner nicht unterschätzen. Die haben mit Philipp Hölzer einen starken Angreifer, den es auszuschalten gilt. Wir fiebern dem Spiel am Sonntag absolut entgegen. Gerade nach der Niederlage gegen Reiterswiesen haben wir etwas gutzumachen. Diese Chance haben wir am Sonntag beim Heimspiel in Oerlenbach. Wir werden natürlich auf drei Punkte gehen.

In der vergangenen Saison habt Ihr auf Platz eins überwintert. Am Ende der Saison stand der fünfte Rang. War die Enttäuschung über eine verpasste, bessere Platzierung größer, oder die Freude, als bester Aufsteiger in den "Top Five" gelandet zu sein? Freude war am Ende der Saison bei keinem zu spüren. Viel zu groß war die Enttäuschung über die verkorkste Rückrunde. Sicherlich haben sich alle nach der Vorrunde mehr erhofft. Mit etwas Abstand sieht man die vergangene Saison etwas emotionsloser. Wir haben eine Top-Hinrunde gespielt, in der ziemlich viel funktioniert hatte. Wir hatten fast keine Verletzten und konnten ständig aus dem Vollen schöpfen. Umgedreht war es in der Rückrunde der Fall. Je mehr wir den Erfolg erzwingen wollten, desto verkrampfter traten wir auf und dementsprechend war unser Spiel. Von daher ging die Endplatzierung in Ordnung. Ich denke, die beiden stärksten Mannschaften haben am Ende verdient das Rennen gemacht.

Du bist Kapitän Deiner Mannschaft, in der ganz erfahrene Kicker aktiv sind, aber auch blutjunge. Haust Du auf den Tisch, wenn es mal nicht läuft? Ich bin schon einer, der seine Meinung sagt. Das ist unabhängig vom Alter der Mitspieler. Junge Spieler benötigen noch die Führung im Spiel, aber auch im Training. Ich hätte in meinen ersten Jahren im Herrenbereich gerne ein paar erfahrene Spieler in meiner Mannschaft gehabt, an denen man sich hochziehen kann. Davon kann man nur profitieren. Die älteren Spieler haben teilweise Landes- oder Bayernliga gekickt. Die sollten wissen, wie der Fußball funktioniert.

Selbst hast Du Deinen Heimatverein Oerlenbach ein paar Jahre verlassen und bei der DJK Schwebenried in der Bezirks- und Landesliga gekickt. Wie war die Erfahrung in höheren Ligen? Ich habe damals eine neue Herausforderung gesucht. Aufgrund meines fortgeschrittenen Fußballalters von Mitte zwanzig habe ich diesen Schritt gewagt. Ich suchte einen Verein nahe meines Arbeitgebers in Schweinfurt. Mein ehemaliger Trainier Michael Beyfuß wohnt in Schwebenried und hat den Kontakt hergestellt. Im Nachhinein keine schlechte Entscheidung. Schwebenried, auch nach der Fusion zur DJK Schwebenried/Schwemmelsbach, ist trotz der höheren Spielklasse ein richtiger Dorfverein mit einer sehr professionellen Führung. Viele damalige Mitspieler kamen aus den beiden Dörfern. Dementsprechend gut war die Gemeinschaft. Fußballerisch haben mir die fünf Jahre viel gebracht. Aufgrund des ständigen Konkurrenzkampfes musste man bei jedem Spiel und Training an die Grenzen gehen. Jedes Training war von der Intensität her wie ein Punktspiel. Bei der DJK habe ich die Wandlung vom defensiven Mittelfeldspieler zum Innenverteidiger durchgemacht. Auf dieser Position spiele ich aktuell immer noch.

Dort coachte Dich unter anderem Thorsten Büttner, der auch jetzt bei der SG Oerlenbach/Ebenhausen als Spielertrainer fungiert. Beschreibe ihn mal. Thorsten ist ein sehr akribisch arbeitender Trainier. Ich habe noch nie einen Coach gehabt, der sich so mit diesem Sport identifiziert. Thorsten ist immer mindestens 30 Minuten vor dem Training auf dem Platz, um seinen Hütchen-Urwald aufzubauen, um anschließend mit den Jungs ein paar Runden Eckchen zu spielen. Auch die Spielvorbereitung ist immer vorbildlich. Er macht sich über jeden Gegner Gedanken und stellt uns darauf ein. Dazu ist er so fußballverrückt, dass er mit seinen 42 Jahren immer noch in der Kreisklasse kickt. Respekt! Gleichzeitig ist Büttner Dein Schwager. Sieht er Dich auf dem Feld kritischer und ist bei Familientreffen der Fußball Thema Nummer eins? Mir gegenüber ist er nicht kritischer als gegenüber den anderen Spielern. Zum Leidwesen unserer Frauen, gibt es oft nur ein Hauptthema bei Familienfeiern zwischen uns. Aktuell können wir uns auch über Hausbau und Kinder unterhalten.

Seit drei Jahren agiert der TSV Oerlenbach in einer SG mit dem TSV Ebenhausen. Wie läuft die so? Ist eine SG notwendiges Übel oder Chance für die Zukunft? Die Zusammenarbeit der beiden Vereine ist vorbildlich. Die alten Rivalitäten wurden vollends abgelegt und der Erfolg der SG in den Fokus geschoben. Das sieht man daran, dass die Vereine uns mit Walter Curtius einen Spitzen-Masseur zur Verfügung gestellt haben. Er betreut die Spieler nicht nur an den Spieltagen, sondern hat in seiner Praxis in Niederwerrn immer ein Behandlungszimmer für verletzte Spieler frei. Für mich sind Spielgemeinschaften notwendig aufgrund der allgemein bekannten Themen wie demografischer Wandel, viele alternativen Sportangebote und so weiter. Ich sehe die SG als Chance, fußballerisch mit seinem Heimatverein mehr zu erreichen. Schade ist, dass gerade in den unteren Klassen die richtigen Derbys aussterben. Früher hatten wir gegen Eltingshausen, Ebenhausen und Rottershausen viele Fights. Jetzt gibt es nur Oerlenbach/Ebenhausen gegen Rottershausen/Eltingshausen.

Du bist 33 und hast Familie. Was treibt Dich an, Woche für Woche zu kicken? Die 33 finde ich noch nicht so schlimm; aber die Familie und der Neubau meines Hauses bringen mich schon manchmal in die Bredouille. Alles unter einen Hut zu bringen, ist schwierig. Aber ich bin auch mit Leib und Seele Kicker. Es macht noch immer Spaß, am Wochenende alles um sich herum zu vergessen und 90 Minuten ein einziges Ziel zu verfolgen. Meine Familie steht zu 100 Prozent hinter mir und meinem Hobby und ist bei fast jedem Spiel dabei. Fußball und gerade der Amateurfußball verbindet Generationen in einem Dorf, oder in unserem Fall sogar ganze Dörfer.

Welcher Trainer hat Dich am meisten geprägt und mit welchem Spieler hast Du am liebsten zusammen gekickt? Und wer war Dein unangenehmster Gegenspieler? Ich hatte wirklich viele Trainier. Am meisten geprägt hat mich vermutlich mein Jugendtrainer Rainer Borst. Er hat uns als starke Einheit geformt und uns Tugenden wie Respekt, absoluten Siegeswillen und Disziplin - um nur ein paar Beispiele zu nennen - beigebracht. Fußballerisch hat mich die Zeit bei der DJK Schwebenried/ Schwemmelsbach mit dem Trainerduo Büttner/Schindler am meisten geprägt. Am liebsten habe ich dort mit meinem Innenverteidiger-Kollegen Uwe Ziegler zusammengespielt. Wo er auf dem Platz war, hatten die Angreifer nichts zu lachen. Schade, dass er zumindest einen halben Nagel in die Fußballtreter geschlagen hat. Ich würde mir gerne ein Comeback mit ihm im SG-Dress wünschen. Der unangenehmste Gegenspieler ist und bleibt Jens Rumpel, damals SV Mühlhausen Schraudenbach. Er war aufgrund seiner aggressiven Spielweise ein richtig ekliger Stürmer. Manchmal dachte ich, er hat die Sportart verwechselt. In meinen letzten beiden Jahren in Schwebenried durfte ich dann mit ihm zusammen "eklig" sein.

Wenn Du am Wochenende Zeit hast: Für welches Spiel welcher Mannschaft würdest du dich interessieren und warum? Ich bin kein Fan von bekannten Mannschaften. Ich sympathisiere aufgrund der Herkunft meines Vaters mit dem 1. FC Kaiserslautern. Allerdings spielen die in den vergangenen Jahren nicht mehr so schönen Fußball. Wenn ich am Wochenende Zeit für Fußball hätte, würde ich mir ein Spiel der DJK Dampfach anschauen. Dort sind in diesem Jahr zwei langjährige Weggefährten meiner Schwebenrieder Zeit gewechselt. Ich muss mal schauen, ob die beiden schon etwas verlernt haben.

Stichwort Nationalmannschaft: Wie siehst Du die Aufarbeitung der verkorksten WM und wie beurteilst Du den Neustart? Die Aufarbeitung war aus meiner Sicht von allen Verantwortlichen nicht gut. Vom WM-Ausscheiden bis zur offiziellen Pressekonferenz von Jogi Löw verging zu viel Zeit. Jetzt muss ich aber für Löw eine Lanze brechen. Unser Bundestrainer hat in den letzten Jahren stets einen sehr guten Job gemacht. Man kann auch Fehler machen, wenn man daraus lernt. Ich denke, Jogi Löw kann den Neuanfang schaffen. Dass noch nicht alles klappt, ist auch klar. Die Neuen müssen erst mal in das Team eingebaut werden. Jedoch glaube ich, dass die Mischung im Team passt. Ein guter Mix aus jungen und erfahren Spielern. Auch die Spieler, die an der WM gescheitert sind, werden sich nun anders präsentieren, als wir sie zuletzt in Russland gesehen haben. Welches waren Deine größten sportlichen Erfolge beziehungsweise schönsten Karriere-Momente? Das wären meine erste Meisterschaft in der A-Klasse Rhön mit Walter Späth 2007 und der Meistertitel 2015 in der Bezirksliga Ost. Und schließlich der Aufstieg über die Relegation in die Kreisklasse 2017.

Was hat es mit dem Ort auf sich, den Du fürs Foto vorgeschlagen hast? Ich habe mich vor meinem neu errichteten Einfamilienhaus aus zwei Gründen ablichten lassen. Zum einen ist das der neue Lebensmittelpunkt für meine Familie und mich. Zum anderen hat der damals bevorstehende Hausbau dazu geführt, Landesligist Schwebenried zu verlassen und zu meinem Heimatverein TSV Oerlenbach zu wechseln. Das Gespräch führte Stephan Penquitt