"Dauerregen ist fatal", sagt Monika Koch. Dann nämlich könnte die Schleiereule nur schwer fliegen. Das Gefieder sauge sich mit Wasser voll, weil der Vogel keine Wachsschicht auf dem Gefieder habe.

Trotzdem hat die Schleiereule natürlich auch bei Regen Hunger. Eine Maus am Tag sollte es schon sein. "Beim zweiten Tag Regen wird es schon verdammt ernst", sagt die Vogelschützerin der Bad Kissinger Kreisgruppe des Landesbundes für Vogelschutz (LBV).

Rote Liste

Die Schleiereule gehört zu den gefährdeten Arten. Sie steht in Bayern auf der roten Liste. Auch deshalb hat der Vorstand der Bad Kissinger Vogelschutzgruppe ein Projekt zum Schutz der Schleiereule ins Leben gerufen. Vor Jahren hat die Kreisgruppe bei einem ähnlichen Projekt mit dem Steinkauz gute Erfahrungen gesammelt.

Damit sich die Schleiereule wieder im Landkreis ansiedelt und das Projekt gelingt, ist der LBV auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen. Für Bürger ist es nicht schwer, einen kleinen Beitrag zum Schutz der Tiere zu leisten. Das können Sie tun:

1. Eigene Beobachtungen weitergeben

Um der Schleiereule zu helfen, sich im Landkreis anzusiedeln und sich zu vermehren, sammelt die Kreisgruppe Informationen. Erst muss Wissen aufgebaut werden, wo sich die Schleiereulen genau aufhalten. "Wir wissen noch nicht viel zu der Situation im Landkreis, nur, dass die Schleiereule nicht häufig ist", sagt Vorstandsmitglied Matthias Franz.

Leicht erkennbar

Das Gute: "Keine Eule ist leichter zu identifizieren", findet Monika Koch, die auch im Vorstand der Kreisgruppe ist. Die Eule sei "ein richtiger Brummer." Sie falle auf und bleibe im Gedächtnis. Sie steche heraus, da sie kein braungefiederter Vogel sei, sondern ein helles Gefieder habe.

Nicht die Schneeeule aus Harry Potter

Man müsse keine Angst haben, sie mit einer Schneeeule zu verwechseln, die auch helles Gefieder hat und besonders durch Harry Potter bekannt wurde, denn Schneeeulen gebe es hier nicht. "Wenn man eine weiße Eule gesehen hat, kann es nur eine Schleiereule gewesen sein", sagt Koch.

Die Bad Kissinger Kreisgruppe bittet um Rückmeldungen, wenn jemand eine Schleiereule gesehen hat. Auch wenn diese Beobachtung schon fünf Jahre her sei, solle man den Mut finden und sich bei ihnen melden. "Immer nur raus damit! Der kleinste Hinweis ist Gold wert." Die Schleiereule entdeckt man besonders häufig in Scheunen, in Kirchtürmen oder Dachböden.

2. Bekannte und Familie fragen

Die Kreisgruppe schlägt außerdem vor, Bekannte, Eltern und Großeltern zu fragen, ob sie sich daran erinnern können, in der Region mal eine Schleiereule gesehen zu haben. Auch wenn die Beobachtungen schon Jahrzehnte alt sei, biete sie doch einen Hinweis darauf, wo es gute Bedingungen für die Schleiereule gebe. "Wenn sie schon mal dort war, spricht das dafür, dass es sich grundsätzlich um einen guten Lebensraum handelt", sagt Koch.

Gute Überlebensbedingungen im Landkreis Bad Kissingen

Der Landkreis Bad Kissingen biete eigentlich gute Lebens- und Überlebensbedingungen für Schleiereulen, da er eine relativ kleinteiligen Landschaftsstruktur mit vielen Wiesen habe, es vielfältige landwirtschaftliche Nutzung und das Biosphärenreservat Rhön gebe.

3. Nistmöglichkeiten schaffen

"Viele Nistmöglichkeiten sind durch den Menschen entstanden", erklärt Matthias Franz. Die Eule diente dem Menschen traditionell als Helfer gegen Mäuse.

Viele frühere Nistmöglichkeiten sind aber mittlerweile verschlossen. Als "Eulenloch" bezeichnet man etwa bei älteren Häusern eine Giebelöffnung unterhalb des Dachfirstes, die den Eulen einen Zugang ins Innere ermöglichte. In Scheunen oder Dachböden finden Eulen geschützte Nistmöglichkeiten. Leider sehe man relativ häufig, dass diese "Eulenlöcher" mit Brettern zugenagelt seien, sagt Koch.

Nistkasten

Wer die Tiere beim Nisten unterstützen möchte, könne entweder das "Eulenloch" - wenn vorhanden - wieder aufmachen oder in Scheunen, Ställen, Dachböden oder Kirchtürmen einen Nistkasten anbringen. "Ein Kasten ist relativ groß", sagt Vorstandsmitglied Martina Faber. "Schleiereulen brauchen viel Platz. Wenn sie Nachwuchs bekommen, dann hüpfen und flattern die kleinen Eulen im Kasten umher." Ein Nistkasten sei etwa einen Meter lang, etwa 60 cm breit und 70 cm hoch. Bei der Frage, wie und ob ein Kasten angebracht werden kann, hilft die Kreisgruppe weiter.

Dankbar sind die Vogelschützer auch über die Unterstützung von handwerklich begabten Menschen, die helfen, Kästen zu reparieren oder über die technische Ausstattung verfügen, um an hochhängende Brutkästen heranzukommen. Auch Holz- oder Bretterspenden, um Kästen zu bauen, nimmt der Vorstand gerne entgegen.

4. Tiere kennenlernen

Die Tiere können zwei- bis dreimal im Jahr brüten, erklärt Matthias Franz. Deshalb lohne es sich, das ganze Jahr Kästen aufzuhängen. Ab Mitte März beginne der empfindliche Brutzeitraum. Im April brüten die Tiere oft, deshalb sollte man besonders in dieser Zeit die Schleiereulen nicht stören. Meist müssten die Menschen aber nicht in die Kästen schauen, um zu prüfen, ob dort Schleiereulen nisten. "Wenn die Eulen da sind, dann wissen das die Leute", sagt Koch. Ab der Dämmerung komme die Eule raus, denn dann seien besonders viele Mäuse unterwegs.

Im Wildpark Klaushof kann man die Tiere beobachten. "Die Schleiereule ist überwiegend nachtaktiv, aber manchmal guckt sie im Wildpark aus einem Baum hervor", sagt Koch. Eine fest installierte Informationstafel soll in Zukunft zum Schleiereulen-Projekt am Eulengehege Auskunft geben.

Die Kreisgruppe will außerdem ein Webinar anbieten, bei dem sich die Bevölkerung über Schleiereulen informieren kann. Es soll einen Vortrag über Schleiereulen geben und die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Zum Webinar anmelden kann man sich über die Kontaktmöglichkeiten, die in der Infobox genannt sind.

5. "Ortsbetreuer" werden

Die Bad Kissinger Vogelschützer sind auf der Suche nach "Ortsbetreuern". Diese fragen in der Kirche oder im Ort nach, ob Eulen ansässig sind oder ob es geeignete Orte für Nistkästen gibt. Angestrebt wird, dass die noch existierenden, ausbau- und reparaturfähigen als auch neu hinzukommende Brutkästen und -plätze regelmäßig kontrolliert und gepflegt werden. Ziel des LBV ist es, in jedem Ort eine Person zu haben, die sich für die Eulen zuständig fühlt. Auch Menschen, die bislang wenig bzw. gar nicht an Naturschutz- oder LBV-Projekten beteiligt gewesen seien, können sich gerne am Projekt beteiligen, so der Vorstand.

Kontakt Wer eine Schleiereule gesehen hat, seine Hilfe anbieten möchte oder am Webinar teilnehmen mag, kann sich bei der Bad Kissinger Kreisgruppe melden: matthias.franz@lbv.de oder 09725/704459 (Dieter Fünfstück) oder 09708-705308 (Martina Faber / martina.faber@lbv.de )

oder bei Facebook unter www.facebook.com/lbv.bad.kissingen. Das Projekt wird durch den bayrischen Naturschutzfonds und die Glücksspirale gefördert.

Tierstimme Hier kann man den Ruf der Schleiereule anhören: www.lbv.de/schleiereule