Bad Kissingen taucht auf einer neuen Karte auf: In der Übersicht www.gruenderland.bayern des Wirtschaftsministeriums ist die Stadt eine von bayernweit 19 Standorten für die neuen Digitalen Gründerzentren: Vor eineinhalb Jahren reichte das Rhön-Saale Gründer- und Innovationszentrum (RSG) einen gemeinsamen Antrag zusammen mit Partnern in Schweinfurt und Würzburg ein. Gestern fiel in Bad Kissingen der offizielle Startschuss für das Zentrum für digitale Innovationen (ZDI), das insgesamt mit 6,5 Millionen Euro aus München gefördert wird.
"In Unterfranken wurde nicht gegeneinander gehandelt, sondern miteinander", lobte Wirtschaftsstaatssekretär Franz Josef Pschierer (CSU) die gemeinsame Bewerbung mehrerer Städte und Einrichtungen. "Bayern war schon immer ein Gründerland", war eine weitere Botschaft. Auch die Landkreise Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld sowie die Stadt Bad Kissingen hätten vor 20 Jahren einen "mutigen und wichtigen Weg" eingeschlagen, als sie das RSG in der ehemaligen US-Kaserne gründeten.
Alle drei, die damals die Gründung besiegelten, seien bereits verstorben, bedauerte Landrat Thomas Bold (CSU): sein Vorgänger Herbert Neder, Ex-OB Christian Zoll und der frühere Bad Neustädter Landrat Fritz Steigerwald. "Sie haben damals die Weichen gestellt", erinnerte der aktuelle Vorsitzende der Gesellschafterversammlung. Die interkommunale Zusammenarbeit habe sich über zwei Jahrzehnte hinweg auch bewährt. Mit Blick auf die Geburtstagsgäste aus Wirtschaft und Politik sagte Bold zudem: "Das zeigt, dass wir mit der Wirtschaft, dem Handwerk und dem Kreditwesen eng verbunden sind, das ist wichtig für ein Gründerzentrum."
In seinem Rückblick erinnerte RSG-Geschäftsführer Matthias Wagner an die Gründung der GmbH 1996, ein Jahr später folgte der Startschuss im renovierten Gebäude. Die 1250 Quadratmeter Nutzfläche bezeichnete er als "Startrampe" für viele Gründer, bestes Beispiel sei Laboklin mit mittlerweile mehr als 250 Mitarbeitern.
Im RSG mieteten sich in den vergangenen 20 Jahren 50 Firmen mit insgesamt 170 Mitarbeitern ein, derzeit sind es elf Firmen mit rund 30 Arbeitsplätzen. Die Auslastung lag zwischen 75 und 90 Prozent, aktuell sind es laut Wagner 85 Prozent. Mehr als 3000 Gründer seien bislang beraten worden, weitere 570 nahmen an Seminaren teil. Hinzu kommen rund 40 Marken- und Patent-Beratungen pro Jahr. Die 2009 im RSG angesiedelte Beratungs- (später Service-)Stelle "Frau und Beruf" half mittlerweile 3487 Frauen in ganz Mainfranken beim Wiedereinstieg in den Job oder der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Zudem unterstützt das RSG die Kreise bei der Regionalentwicklung und betreute Projekte wie "Gesundheitsregion plus" oder den Zusammenschluss Bäderland Bayerische Rhön.


Forderung nach Hochschule

Der Bad Kissinger Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) stellte von den vielen Angeboten des RSG besonders die seit 2013 bestehende Weiterbildung zum Badearzt heraus: Die Mediziner würden entweder in der Region wirken oder den Ruf des Bäder-landes als Multiplikatoren in die Welt tragen. Und Pschierer gab Blankenburg eine konkrete Forderung mit auf den Weg nach München: "Diese Stadt, Bad Kissingen, muss Hochschul-Standort werden."
Der Wirtschaftsstaatssekretär stellte der Region als wichtigen Standort in der Gesundheits- und Pflegewirtschaft ein gutes Zeugnis aus. Auch die neue Funktion als Oberzentrum gemeinsam mit Bad Neustadt biete Chancen. Pschierer hofft, dass die Gründer-Dynamik in Bayern weiter verstärkt werde und aus guten Ideen noch öfter gute Geschäftsmodelle werden.
Einrichtungen wie das RSG seien der Beweis, "dass der Föderalismus funktioniert", sagte die Parlamentarische Staatssekretärin Dorothee Bär (CSU).